Fatah Politiker greift Abbas an und spricht von Geiselnahme des eigenen Volkes


Die Kritik an Mahmoud Abbas kommt nicht mehr nur aus Israel oder von seinen politischen Gegnern. Jetzt erhebt ein prominenter Fatah Politiker schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde. Seine Aussagen zeigen einen tiefen Zerfall innerhalb der palästinensischen Führung.

Fatah Politiker greift Abbas an und spricht von Geiselnahme des eigenen Volkes
Bildnachweis: U.S. Department of State

Samer Sinijlawi, langjähriger Fatah Aktivist und Präsident des Jerusalem Development Fund, hat Mahmoud Abbas ungewöhnlich scharf attackiert. In einem ausführlichen Gespräch erklärte der palästinensische Politiker, der Westen halte die Palästinenser gemeinsam mit Abbas „als Geiseln“ fest und verhindere demokratische Erneuerung.

Besonders bemerkenswert ist dabei nicht nur die Härte seiner Aussagen, sondern auch ihre Herkunft. Sinijlawi gilt nicht als israelischer Unterstützer oder außenstehender Kritiker, sondern als Teil des politischen Establishments der Fatah Bewegung selbst. Jahrzehntelang war er Aktivist innerhalb der palästinensischen Nationalbewegung. Während der Ersten Intifada saß er wegen Steinwürfen gegen Israelis im Gefängnis. Dort lernte er Hebräisch und begann nach eigener Darstellung, die israelische Perspektive auf den Konflikt zu verstehen.

Heute beschreibt er den Konflikt nicht mehr als einfachen Kampf zwischen Israelis und Palästinensern, sondern als Auseinandersetzung zwischen moderaten Kräften und radikalen Lagern auf beiden Seiten.

Seine schärfste Kritik richtet sich jedoch gegen die Führung der Palästinensischen Autonomiebehörde unter Mahmoud Abbas. Abbas ist inzwischen 91 Jahre alt und regiert seit 21 Jahren ohne demokratische Neuwahlen. Für viele Palästinenser ist die Autonomiebehörde längst zum Symbol für politische Stagnation, Korruption und Machtmissbrauch geworden.

Sinijlawi wirft westlichen Staaten vor, genau dieses System aktiv zu stabilisieren. Europa und die Vereinigten Staaten würden Abbas weiterhin unterstützen, obwohl immer mehr Palästinenser das Vertrauen in die Führung verloren hätten. Statt demokratische Reformen zu fördern, halte der Westen aus Angst vor Chaos oder einem möglichen Hamas Sieg am bestehenden Machtapparat fest.

Besonders brisant sind die Vorwürfe rund um Abbas’ Sohn Yasser Abbas. Kritiker werfen der Führung seit Jahren Vetternwirtschaft und wirtschaftliche Bereicherung vor. Laut Berichten soll Abbas versuchen, die politische Nachfolge innerhalb der eigenen Familie zu sichern. Sinijlawi sprach offen von einem „Abbas Königreich“, das entstehen solle.

Gleichzeitig beschreibt er die Lage im Westjordanland als zunehmend katastrophal. Schulen seien nur noch an wenigen Tagen pro Woche geöffnet, Staatsangestellte erhielten seit Jahren nur einen Teil ihres Gehalts und selbst Krankenhäuser hätten wegen ausbleibender Zahlungen gestreikt. Trotz dieser Krise fließen weiterhin erhebliche Summen in die Sicherheitsapparate der Autonomiebehörde und in umstrittene Zahlungen an inhaftierte Terroristen und deren Familien.

Gerade dieser Punkt sorgt international seit Jahren für massive Kritik. Israel und westliche Staaten werfen der Autonomiebehörde vor, durch diese Zahlungen indirekt Terrorismus zu belohnen oder zumindest politisch aufrechtzuerhalten. Sinijlawi bezeichnete diese Politik nun selbst als schweren Fehler der Führung.

Besonders interessant ist seine Haltung zu Israel. Anders als viele traditionelle Fatah Politiker spricht Sinijlawi offen darüber, dass palästinensische Freiheit nur gemeinsam mit israelischer Sicherheit möglich sei. Er fordert direkte Gespräche mit Israel und kritisiert gleichzeitig die antiisraelische Rhetorik der eigenen Führung.

Nach seiner Einschätzung könne es keine ernsthafte Zwei Staaten Lösung geben, solange die historische Verbindung des jüdischen Volkes zu Israel und Jerusalem geleugnet werde. Damit grenzt er sich indirekt von Abbas ab, der in der Vergangenheit wiederholt historische jüdische Verbindungen zu Jerusalem relativierte oder bestritt.

Die Aussagen zeigen vor allem eines: Innerhalb der palästinensischen Gesellschaft wächst offenbar die Angst, zwischen Hamas Extremismus und der erstarrten Führung der Autonomiebehörde zerrieben zu werden. Viele jüngere Palästinenser betrachten beide Lager zunehmend als Teil desselben Problems.

Sinijlawi fordert deshalb die Gründung einer neuen liberalen und demokratischen palästinensischen Bewegung. Die lokalen Wahlen der vergangenen Monate hätten gezeigt, dass viele Menschen bereit für politische Veränderungen seien. Der dauerhafte Verzicht auf Präsidentschaftswahlen lasse sich nicht mehr mit der Angst vor einer Hamas Machtübernahme rechtfertigen.

Für Israel sind diese Entwicklungen strategisch bedeutsam. Denn sie zeigen, dass selbst innerhalb der Fatah inzwischen offen über Korruption, Machtmissbrauch und ideologische Sackgassen gesprochen wird. Gleichzeitig bleibt unklar, ob moderate Stimmen tatsächlich genug Einfluss gewinnen können, um die politische Realität der Palästinensergebiete grundlegend zu verändern.

Die größte Gefahr besteht dabei aus israelischer Sicht darin, dass ein Machtvakuum am Ende erneut radikale Kräfte stärkt. Genau deshalb beobachten Sicherheitskreise in Jerusalem die Krise der Autonomiebehörde mit wachsender Nervosität.

Denn die zentrale Frage bleibt ungelöst: Wer soll eines Tages die Nachfolge von Mahmoud Abbas antreten und verhindern, dass Chaos oder Extremisten die Kontrolle übernehmen?

Thematische Einordnung


Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 8. Mai 2026

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