Nach Prügelattacke auf US-Fotografin: Israelische Polizei ermittelt, Regionalrat spricht von palästinensischer Provokation

Nach Prügelattacke auf US-Fotografin: Israelische Polizei ermittelt, Regionalrat spricht von palästinensischer Provokation


Washington-Post-Fotografin Heidi Levine berichtet, sie sei etwa 50 Mal getreten worden. Polizei und IDF untersuchen den Angriff bei Abu Falah, während der Regionalrat Binyamin eine organisierte palästinensische Provokation geltend macht.

Nach Prügelattacke auf US-Fotografin: Israelische Polizei ermittelt, Regionalrat spricht von palästinensischer Provokation
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Nach dem schweren Angriff auf die amerikanische Fotojournalistin Heidi Levine bei Abu Falah haben israelische Polizei und Armee Ermittlungen eingeleitet. Levine, die für dieWashington Postarbeitet und seit Jahrzehnten aus IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und den palästinensischen Gebieten berichtet, wurde am Freitag während gewaltsamer Auseinandersetzungen bei der Olivenernte verletzt. Sie schilderte später aus dem Krankenhaus, maskierte Angreifer hätten sie zu Boden geworfen und immer wieder getreten. Ihre Kameras und weitere Ausrüstung seien ihr entrissen worden. Nach ihren eigenen Worten habe sie ungefähr 50 Tritte abbekommen. Ohne Schutzweste und Helm, sagte Levine, hätte sie möglicherweise nicht überlebt.

Videoaufnahmen und Augenzeugenberichte zeigen eine hochgradig eskalierte Situation. Nach Reuters-Angaben kamen etwa 80 maskierte Israelis aus Richtung eines nahegelegenen Außenpostens in die Olivenhaine bei Abu Falah. Einige warfen mit Schleudern Steine, Bäume wurden in Brand gesetzt. PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen zogen sich zunächst zurück und warfen später ebenfalls Steine. Aufnahmen zeigen Levine mit deutlich sichtbarer Pressekennzeichnung am Boden, während andere Journalisten zu ihr laufen. Auch mehrere Palästinenser wurden verletzt.

Die IDF bestätigte inzwischen, dass sich ausländische Medienvertreter am Ort befanden und eine Journalistin während der Auseinandersetzungen verletzt wurde. Soldaten und Grenzpolizisten seien nach einem Bericht über eine gewaltsame Konfrontation in das Gebiet geschickt worden und hätten Mittel zur Auflösung der Zusammenstöße eingesetzt. An einem zweiten Punkt hätten Soldaten zunächst Warnschüsse in die Luft und anschließend auf einen Verdächtigen geschossen, der mit einem scharfen Gegenstand auf sie zugelaufen sei.

Die israelische Polizei nahm nach Angaben derJerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen PostErmittlungen auf. Ermittler und Spurensicherung sollen unter militärischem Schutz Beweismaterial sammeln und Zeugen befragen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren keine Festnahmen bekannt.

Zwei Darstellungen der Angriff auf Levine bleibt dennoch erklärungsbedürftig

Der Regionalrat Binyamin widerspricht der Darstellung, wonach es sich lediglich um einen einseitigen Angriff israelischer Extremisten gehandelt habe. Nach seiner Version habe die Palästinensische AutonomiebehördePLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen Hunderte Aktivisten und Terroristen gezielt in eine Konfrontation mit Israelis geführt und die Olivenernte als Deckmantel benutzt. Aufnahmen zeigten, so der Regionalrat, Palästinenser beim Abschuss von Feuerwerkskörpern und beim Werfen von Steinen. Fahrzeuge der PA seien ebenfalls sichtbar gewesen.

Diese Darstellung muss ebenso geprüft werden wie die Vorwürfe gegen die israelischen Beteiligten. In Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen kommt es immer wieder zu Situationen, in denen politische Aktivisten, lokale Bewohner und gewaltbereite Gruppen von beiden Seiten zusammentreffen und anschließend widersprüchliche Versionen verbreiten.

Sie beantwortet jedoch nicht die zentrale Frage dieses konkreten Falls.

Auf Bildern ist eine eindeutig als Journalistin erkennbare Frau verletzt am Boden zu sehen. Levine selbst berichtet, maskierte Männer hätten sie wiederholt getreten, obwohl sie weder Kämpferin noch Teilnehmerin der Auseinandersetzungen war. DieWashington Posterklärte, ihre Fotografin sei bei der Ausübung ihrer Arbeit angegriffen worden. Chefredakteur Matt Murray verlangte eine umfassende Untersuchung und Konsequenzen gegen die Verantwortlichen.

Auch die US-Botschaft in Jerusalem reagierte. Sie erklärte gegenüber N12, man verfolge den Vorgang und verurteile kriminelle Gewalt. Die Verantwortlichen müssten untersucht und strafrechtlich verfolgt werden.

Damit bekommt der Fall eine internationale Dimension, die Israel nicht ignorieren kann.

Wenn sich bestätigt, dass vermummte Israelis bewusst auf eine deutlich gekennzeichnete Journalistin einschlugen, besteht daran nichts zu relativieren. Dann handelt es sich um schwere Gewaltkriminalität, die israelische Behörden verfolgen müssen.

Das gilt unabhängig davon, ob wenige Minuten zuvor Palästinenser Steine geworfen, Feuerwerkskörper abgefeuert oder gezielt eine Konfrontation gesucht haben.

Ein Rechtsstaat entscheidet nicht nach dem Prinzip: Weil die andere Seite möglicherweise ebenfalls Straftaten beging, dürfen die eigenen Gewalttäter tun, was sie wollen.

Gerade Israel hat ein Interesse daran, diese Täter zu finden

Die große Mehrheit der Hunderttausenden Israelis in Judäa und Samaria hat mit solchen Übergriffen nichts zu tun. Israelische Sicherheitsbehörden sprechen selbst seit Monaten von einer relativ kleinen Gruppe extremistischer Aktivisten, die wiederholt Palästinenser, israelische Sicherheitskräfte und inzwischen auch Journalisten angreift. haOlam berichtete bereits über Ausschreitungen in Jalud und Kusra, über brennende Gebäude, Angriffe auf Soldaten und über ein NBC-Team, das von maskierten Männern attackiert wurde.

Gerade deshalb wäre es falsch, aus Abu Falah eine pauschale Anklage gegen „die Siedler“ zu konstruieren.

Es wäre aber genauso falsch, konkrete Gewalt aus Angst vor einer solchen Pauschalisierung kleinzureden.

Wer Journalisten zusammenschlägt, Bauern attackiert, Fahrzeuge anzündet oder israelische Soldaten angreift, handelt nicht im Interesse Israels. Er bindet Sicherheitskräfte, die eigentlich Terroristen bekämpfen sollen, verschärft die Lage in Judäa und Samaria und liefert Israels Gegnern Bilder, mit denen anschließend eine gesamte Bevölkerung kriminalisiert wird.

Genau diese Gefahr benennen inzwischen auch israelische Sicherheitsvertreter. Das Zentralkommando warnt seit Monaten vor nationalistischer Gewalt. Polizeichef Danny Levy sprach von einer kleinen Gruppe, deren Handlungen dem Staat schweren internationalen Schaden zufügen. Schin-Bet-Chef David Zini stellte sogar härtere administrative Maßnahmen gegen gewalttätige jüdische Extremisten in Aussicht.

Der Angriff auf Heidi Levine zeigt, warum diese Warnungen ernst genommen werden müssen.

Es spielt für die Strafbarkeit eines Trittes nicht die geringste Rolle, ob der Täter jüdisch, muslimisch, links, rechts, israelisch oder palästinensisch ist.

Wer einen Menschen am Boden weitertritt, gehört vor ein Gericht.

Und wer Israel verteidigen will, sollte gerade darauf bestehen.

Nicht trotz einer proisraelischen Haltung.

Sondern wegen ihr.

Ein jüdischer Staat, der sich auf Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und Verantwortung beruft, darf von der Palästinensischen Autonomiebehörde verlangen, Terroristen zu verfolgen. Dann muss er ebenso konsequent gegen Israelis vorgehen, die selbst Gewalt ausüben.

Die Polizei hat ihre Ermittlungen aufgenommen.

Entscheidend wird jetzt sein, ob aus den zahlreichen Videos, Zeugenaussagen und Spuren auch konkrete Verdächtige, Festnahmen und schließlich gegebenenfalls Anklagen werden.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 16. Oktober 2026

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