US Blockade würgt Irans Wirtschaft: Teheran warnt vor Stillstand

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US Blockade würgt Irans Wirtschaft: Teheran warnt vor Stillstand


Die amerikanische Blockade im Streit um die Straße von Hormus könnte Iran jährlich rund 18 Milliarden Dollar, etwa 15,60 Milliarden Euro, zusätzlich kosten. Ein führender iranischer Wirtschaftsvertreter hält die Folgen sogar für schlimmer als einen neuen Krieg.

US Blockade würgt Irans Wirtschaft: Teheran warnt vor Stillstand
Bildnachweis: MC2 Indra Beaufort

Die amerikanische Strategie an der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen trifft Iran offenbar dort, wo das Regime besonders verwundbar ist: bei Handel, Transportkosten und Deviseneinnahmen. Majidreza Hariri, Vorsitzender der gemeinsamen Handelskammer Iran und China, warnt inzwischen offen davor, dass sich sein Land an die maritime Blockade gewöhnen könnte. Nach seiner Berechnung würde die erzwungene Verlagerung eines erheblichen Teils des iranischen Außenhandels auf Landwege jährlich zusätzliche Kosten von rund 18 Milliarden Dollar, etwa 15,60 Milliarden Euro, verursachen.

Hariris Schlussfolgerung ist bemerkenswert drastisch. Iran dürfe mit der Blockade nicht so umgehen wie zuvor mit internationalen Sanktionen und versuchen, immer neue Umgehungswege zu finden. Diese Strategie habe bereits die Wirtschaft geschwächt und Korruption gefördert. Die maritime Blockade müsse deshalb beendet werden, notfalls durch Verhandlungen, Drohungen oder sogar durch eine erneute militärische Eskalation.

Seine Warnung macht deutlich, wie groß der wirtschaftliche Druck inzwischen geworden ist.

Die aktuelle amerikanische Blockade entstand nicht im luftleeren Raum. Iran hatte nach dem Krieg mit den Vereinigten Staaten und IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt und insbesondere feindlich eingestufte Schiffe vom Transit ausgeschlossen. Washington reagierte darauf mit einer Gegenblockade iranischer Häfen und Schiffe. CENTCOM erneuerte diese Maßnahmen Mitte Juli, nachdem sich die Auseinandersetzung um die freie Durchfahrt erneut verschärft hatte.

Teheran bezeichnet die amerikanischen Maßnahmen als rechtswidrig und spricht von Piraterie. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation hatte jedoch bereits darauf hingewiesen, dass Meerengen, die für die internationale Schifffahrt genutzt werden, nach dem Seerecht nicht einfach von Küstenstaaten geschlossen werden können.

Damit zahlt Iran nun einen hohen Preis für eine Konfrontation, bei der das Regime ursprünglich selbst versucht hatte, die Straße von Hormus als strategisches Druckmittel einzusetzen.

Hariris Zahlen zeigen, wie schwierig es wäre, den Seeweg dauerhaft durch Lastwagen und Eisenbahn zu ersetzen. Iran hat zwar erheblich in Straßen, Grenzübergänge und andere Infrastruktur investiert, um den Handel mit seinen Nachbarstaaten auszubauen. Nach Angaben des iranischen Innenministers Eskandar Momeni soll der bilaterale Handel über diese Strukturen von derzeit etwa 3 Milliarden Dollar, rund 2,60 Milliarden Euro, auf mindestens 10 Milliarden Dollar, rund 8,67 Milliarden Euro, steigen.

Doch selbst ein solcher Ausbau würde die Seewege nicht annähernd ersetzen.

Hariri schätzt, dass Iran bei einer weitgehenden Verlagerung auf Landtransport nur ungefähr 20 Prozent seiner bisherigen Import und Exportkapazitäten aufrechterhalten könnte. Gleichzeitig verfügt Teheran nicht mit allen Nachbarstaaten über politische und wirtschaftliche Beziehungen, die einen problemlosen Transit großer Warenmengen ermöglichen würden.

Besonders deutlich wird das beim Handel mit China.

Der Transport eines Containers von China nach Iran würde nach Hariris Berechnung auf dem Landweg durchschnittlich etwa 12.000 Dollar, rund 10.400 Euro, kosten. Das wäre ungefähr viermal so viel wie der Transport auf dem Seeweg.

Iran importiert nach seinen Angaben jährlich ungefähr zwei Millionen Container. Bei zusätzlichen Kosten von durchschnittlich 9.000 Dollar, rund 7.800 Euro, pro Container ergibt sich jene Summe von rund 18 Milliarden Dollar, etwa 15,60 Milliarden Euro, die Hariri für die iranische Volkswirtschaft errechnet.

Damit würde die Blockade nicht nur einzelne Unternehmen treffen.

Sie würde praktisch jede importierte Ware verteuern.

Maschinen, Ersatzteile, Rohstoffe, Konsumgüter und industrielle Vorprodukte müssten entweder wesentlich teurer über Land transportiert oder in geringeren Mengen eingeführt werden. Gleichzeitig würden iranische Exporte auf den Weltmärkten weniger konkurrenzfähig.

Hariri warnt deshalb ausdrücklich davor, sich einzureden, Iran könne die Blockade einfach umgehen und ansonsten weitermachen wie bisher. Genau dieser Ansatz sei bereits bei den internationalen Sanktionen verfolgt worden. Das Ergebnis seien höhere Handelskosten, geringere Staatseinnahmen und eine geschwächte Wirtschaftsstruktur gewesen.

Bei einer vollständigen maritimen Blockade wären die Folgen nach seiner Einschätzung noch erheblich größer.

Besonders gefährdet wäre der iranische Export außerhalb des Ölsektors. Hariri beziffert diesen auf jährlich etwa 50 Milliarden Dollar, rund 43,33 Milliarden Euro. Durch die zusätzlichen Landtransportkosten könnten große Teile davon wirtschaftlich unrentabel werden.

Noch deutlicher wird seine Rechnung beim gesamten Außenhandel.

Iran betreibt nach Hariris Angaben jährlich Handel im Umfang von rund 100 Milliarden Dollar, etwa 86,66 Milliarden Euro. Kämen durch die Blockade zusätzliche Kosten von ungefähr 20 Milliarden Dollar, rund 17,33 Milliarden Euro, hinzu, würde dies nach seiner Einschätzung das gesamte System an die Grenze seiner Funktionsfähigkeit bringen.

Kurzfristig könne Iran lebenswichtige Waren über Straßen und Eisenbahnen beschaffen. Einige Wochen oder möglicherweise wenige Monate seien auf diese Weise überbrückbar.

Eine dauerhafte wirtschaftliche Strategie sei das jedoch nicht.

Hariri beschreibt einen solchen Zustand sinngemäß als reines Überleben. Die Fähigkeit, eine Volkswirtschaft normal weiterzuführen, würde zunehmend verloren gehen.

Dass diese Warnung aus einem Umfeld kommt, das sich intensiv mit dem Handel mit China beschäftigt, ist besonders bedeutend. China bleibt für Iran der wichtigste Abnehmer sanktionierten Erdöls und damit eine zentrale wirtschaftliche Lebensader. Erst während einer vorübergehenden Lockerung der Blockade hatte Teheran große Mengen gespeicherten Rohöls Richtung Asien verschifft. Nach Angaben des iranischen Ölministers verkaufte Iran während des Krieges Öl im Wert von rund 11,5 Milliarden Dollar, etwa 9,97 Milliarden Euro, und während einer späteren Waffenruhe weitere 6,5 Milliarden Dollar, etwa 5,63 Milliarden Euro. Insgesamt waren das rund 18 Milliarden Dollar, etwa 15,60 Milliarden Euro.

Genau deshalb ist der Zugang zum Meer für Teheran nicht einfach eine logistische Frage.

Er entscheidet über Einnahmen, Versorgung und letztlich über die wirtschaftliche Stabilität des Regimes.

Israelische Sicherheitsvertreter hatten bereits im Juni argumentiert, dass die amerikanisch geführte maritime Blockade Irans Wirtschaft außergewöhnlich stark unter Druck gesetzt habe und ein wirtschaftlicher Zusammenbruch näher gerückt sei. Auch frühere Analysen warnten, dass eine länger anhaltende Blockade die iranische Wirtschaft innerhalb weniger Monate in eine schwere Krise führen könnte.

Hariris Aussagen liefern nun eine bemerkenswerte Bestätigung aus Iran selbst.

Dabei ist seine politische Empfehlung geradezu paradox. Er warnt vor den verheerenden wirtschaftlichen Folgen einer militärischen Eskalation, kommt aber gleichzeitig zu dem Schluss, dass selbst ein erneuter Krieg unter Umständen weniger gefährlich sein könnte als eine dauerhaft strangulierte Wirtschaft.

Mit anderen Worten: Für einen führenden iranischen Wirtschaftsvertreter ist die Situation inzwischen so ernst, dass er einen neuen militärischen Konflikt als denkbare Alternative zur Fortsetzung der Blockade betrachtet.

Das zeigt zugleich die Stärke und die Gefahr der amerikanischen Strategie.

Eine Blockade kann enormen Druck erzeugen, ohne täglich große Luftangriffe auf Iran durchführen zu müssen. Sie zwingt Teheran jedoch auch zu einer Entscheidung: nachgeben, verhandeln oder eskalieren.

Das Regime versucht weiterhin, seine Kontrolle über die Straße von Hormus als politisches und militärisches Instrument zu erhalten. Iranische Streitkräfte erklären offen, dass Schiffe feindlicher Staaten nicht passieren dürfen und dass eine dauerhafte militärische Überwachung der Meerenge eingerichtet werden soll.

Gleichzeitig fordert Teheran von Washington, die Gegenblockade aufzuheben.

Genau darin liegt der Kern des Machtkampfes.

Iran wollte die Straße von Hormus als Waffe einsetzen.

Washington zeigt nun, dass diese Waffe in beide Richtungen schneiden kann.

Für das Regime wird das Problem dabei mit jedem Monat größer. Straßen und Eisenbahnen können einzelne Lieferungen retten, sie können aber keine der wichtigsten Seeverbindungen der iranischen Wirtschaft ersetzen. Und wenn selbst ein führender Vertreter des iranisch chinesischen Handels davor warnt, dass die Blockade schlimmer sein könnte als Krieg, dann ist die wirtschaftliche Wirkung längst nicht mehr nur eine amerikanische Behauptung.

Sie wird inzwischen in Teheran selbst ausgesprochen.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 12. August 2026

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