Ex-Mossad-Chef enthüllt: Israel provozierte 21.000 Festnahmen im Iran
Ein veröffentlichtes Geheimdienstvideo sollte angeblich israelische Agenten enttarnen. Tatsächlich verfolgte der Mossad das Gegenteil: Irans Sicherheitskräfte sollten so viele Menschen festnehmen, dass sie echte Spione nicht mehr erkennen konnten.

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Was im Juni 2025 wie eine ungewöhnlich offene Demonstration israelischer Geheimdienstmacht aussah, war nach neuen Angaben des früheren Mossad-Chefs David Barnea Teil einer gezielten Täuschungsoperation. IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen veröffentlichte damals Videos seiner Agenten bei geheimen Einsätzen im Iran. Die Aufnahmen sollten nicht nur die militärischen Erfolge dokumentieren, sondern vor allem die iranischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen dazu bringen, möglichst viele Menschen wegen Spionageverdachts festzunehmen. Das Ziel war, die tatsächlichen israelischen Agenten in einer Masse vermeintlicher Verdächtiger verschwinden zu lassen.
Bei einer Veranstaltung des Priority Summit am Donnerstag, dem 22. Oktober 2026, erklärte Barnea erstmals öffentlich, welche Überlegungen hinter der Veröffentlichung standen. Nach seinen Angaben nahmen iranische Sicherheitskräfte bereits am zweiten Tag des Krieges 21.000 Menschen fest. Die Zahl ist unabhängig nicht bestätigt. Der ehemalige Geheimdienstchef behauptet jedoch, dass die Festnahmen genau den beabsichtigten Effekt hatten: Die iranischen Ermittler konnten tatsächliche Mossad-Agenten nicht mehr zuverlässig von unbeteiligten Menschen unterscheiden.
„Wir wollten sicherstellen, dass sie im Iran so viele Menschen festnehmen, dass sie die Spreu nicht mehr vom Weizen trennen können“, erklärte Barnea. Schließlich hätten die Behörden ihre Gefangenen wieder freilassen müssen. Nach seiner Darstellung geschah genau das.
Warum der Mossad seine eigenen Agenten zeigte
Am 13. Juni 2025 begann Israel mit der Operation „Rising Lion“ gegen das iranische Atomprogramm, RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen und militärische Führungseinrichtungen. Parallel zu den Luftangriffen führte der Mossad geheime Operationen innerhalb des iranischen Staatsgebiets durch. Israelische Agenten hatten dort bereits im Vorfeld Waffen, Drohnen und weitere Ausrüstung vorbereitet, um iranische Luftverteidigungsanlagen und Raketenstellungen anzugreifen.
Ungewöhnlich war, dass der israelische Auslandsgeheimdienst noch während der laufenden Operation Bildmaterial veröffentlichte. Die Videos zeigten unter anderem Vorbereitungen und Angriffe auf militärische Ziele. Gesichter beteiligter Agenten waren unkenntlich gemacht. Dennoch bestätigten die Aufnahmen öffentlich, dass israelische Geheimdienstkräfte unmittelbar auf iranischem Boden tätig waren.
Gerade diese Offenheit hatte damals Fragen aufgeworfen. Geheimdienste versuchen normalerweise, ihre Mitarbeiter, Methoden und Einsatzorte möglichst lange geheim zu halten. Die Veröffentlichung konnte iranischen Sicherheitsdiensten Hinweise liefern und damit laufende Operationen gefährden.
Nach Barneas jetziger Darstellung war dieser Effekt einkalkuliert. Das offizielle Mossad-Logo auf den Videos sollte den Revolutionsgarden unmissverständlich zeigen, dass Israel über ein umfangreiches Agentennetz innerhalb des Landes verfügte. Die iranischen Behörden sollten daraufhin mit massenhaften Verhaftungen reagieren und dadurch ihre eigenen Ermittlungen überlasten.
Barnea erläuterte, dass selbst die Festnahme einzelner tatsächlicher Agenten unter solchen Umständen nicht zwangsläufig zu ihrer Identifizierung führen müsse. Wenn Tausende Menschen ähnliche Angaben zu ihrem Aufenthalt und ihren Bewegungen machten, könnten die Ermittler kaum noch unterscheiden, wer tatsächlich für Israel gearbeitet habe.
Besonders bemerkenswert ist eine weitere Behauptung des ehemaligen Mossad-Chefs. Nach seiner Darstellung seien 99,9 Prozent der eingesetzten Agenten niemals enttarnt worden. Einige der Beteiligten würden weiterhin unbehelligt in Teheran leben. Auch diese Angaben lassen sich unabhängig nicht überprüfen. Sie verdeutlichen jedoch, wie Barnea die Wirkung der damaligen Operation beurteilt.
Irans Verfolgung angeblicher Spione
Die Aussagen werfen zugleich ein Licht auf den Umgang des iranischen Regimes mit tatsächlichen und vermeintlichen israelischen Agenten. Nach Beginn des Krieges meldeten iranische Behörden zahlreiche Festnahmen wegen angeblicher Zusammenarbeit mit Israel. Immer wieder wurden Menschen der Spionage beschuldigt, vor Gericht gestellt oder hingerichtet.
Barnea erklärte nun, dass einige der vom iranischen Regime als Mossad-Agenten bezeichneten und hingerichteten Menschen überhaupt keine Verbindung zum israelischen Geheimdienst gehabt hätten. Teilweise habe selbst der Mossad nicht gewusst, wer diese Personen gewesen seien.
Damit beschreibt ausgerechnet der frühere Leiter des israelischen Auslandsgeheimdienstes, wie das iranische Regime Menschen wegen angeblicher Spionage verfolgt, ohne dass nach seiner Kenntnis eine tatsächliche Verbindung zu Israel bestanden hat. Seine Aussagen sind kein unabhängiger Nachweis für die Unschuld sämtlicher Betroffener. Sie verstärken jedoch die Zweifel an der Glaubwürdigkeit iranischer Spionagevorwürfe, zumal Verfahren vor iranischen Revolutionsgerichten seit Jahren wegen fehlender rechtsstaatlicher Garantien kritisiert werden.
Barnea gab außerdem neue Einblicke in die Vorbereitung der israelischen Operation. Bereits Wochen vor Kriegsbeginn seien zahlreiche Agenten mit konkreten Aufträgen in den Iran entsandt worden. Während selbst israelische Kampfpiloten zunächst nicht wussten, dass sie an einer unmittelbar bevorstehenden Großoperation teilnehmen würden, waren die eingesetzten Geheimdienstkräfte nach seinen Angaben frühzeitig eingeweiht.
Jeder einzelne Agent habe seine persönliche Zustimmung benötigt. Barnea schilderte, dass er die Beteiligten selbst getroffen, mit ihnen gesprochen und ihre Zuverlässigkeit geprüft habe. Er habe für die Entscheidung, ihnen die außergewöhnlich sensiblen Einsatzinformationen anzuvertrauen, persönlich die Verantwortung übernommen.
Die Enthüllungen ergänzen das Bild einer israelischen Operation, bei der militärische Angriffe, Geheimdienstarbeit und gezielte Informationsveröffentlichungen eng miteinander verbunden waren. Der Mossad griff nicht nur iranische Militäranlagen an, sondern versuchte gleichzeitig, die Reaktion des iranischen Sicherheitsapparates für die eigene Operationssicherheit auszunutzen.
Diese Darstellung besitzt allerdings auch eine problematische Seite: Wenn die Veröffentlichung tatsächlich bewusst Massenverhaftungen provozieren sollte, nahm der Mossad damit vorhersehbar in Kauf, dass zahlreiche unbeteiligte Iraner in den Fokus eines repressiven Sicherheitsapparates gerieten. Für die willkürliche Verfolgung, Misshandlung oder Hinrichtung dieser Menschen tragen die handelnden iranischen Behörden die unmittelbare Verantwortung. Die beabsichtigte Auslösung solcher Reaktionen bleibt dennoch ein wesentlicher Bestandteil von Barneas Schilderung.
Für Israel war die Operation nach seinen Angaben ein Erfolg, weil ein großer Teil des Agentennetzes geschützt werden konnte. Für das iranische Regime bedeutete sie dagegen eine erhebliche geheimdienstliche Herausforderung. Die Revolutionsgarden mussten erkennen, dass israelische Kräfte über längere Zeit innerhalb des Landes operiert hatten, ohne zuverlässig entdeckt worden zu sein.
Die neuen Aussagen fallen in eine Phase erneuter Spannungen zwischen Israel und Iran. haOlam.de berichtete zuletzt über iranische Vorbereitungen auf mögliche weitere militärische Auseinandersetzungen, die Verlagerung von Waffenbeständen und die Sorge des Regimes vor innenpolitischen Unruhen. Gleichzeitig versucht Teheran, seine geschwächten militärischen Fähigkeiten wiederherzustellen.
Barneas Enthüllung macht deutlich, dass der Konflikt nicht allein mit Raketen und Kampfflugzeugen geführt wird. Geheimdienstliche TäuschungDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen, die gezielte Ausnutzung gegnerischer Reaktionen und der Schutz verdeckter Netzwerke können für den Ausgang militärischer Operationen ebenso entscheidend sein. Dass ein ehemaliger Mossad-Chef diese Methoden nun öffentlich erläutert, ist selbst ungewöhnlich. Ob seine Darstellung vollständig ist, bleibt offen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 26. Oktober 2026