Huthi-Terror trifft Riad: Drei Tote bei Angriffen auf Saudi-Arabiens wichtigsten Flughafen
Zwei Angriffe trafen den King Khalid International Airport und ein Flugzeug der staatlichen Saudia. Binnen weniger Tage sind damit mindestens sechs Menschen bei Attacken auf saudische Flughäfen getötet worden. Die vom Iran unterstützten Huthis versuchen zunehmend, den Krieg im Jemen direkt in saudische Städte zu tragen.

Bildnachweis: Department of Defense
Die vom Iran unterstützte HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terrororganisation hat ihre Angriffe auf Saudi-Arabien weiter verschärft. Bei zwei Attacken auf den King Khalid International Airport in Riad wurden am Donnerstag drei saudische Staatsbürger getötet und mehrere Menschen unterschiedlicher Nationalität verletzt. Unter den Toten war nach Angaben der Saudia Group auch Kapitän Hamoud Ali Alkalthami. Der erste Angriff richtete sich nach Angaben der saudischen Luftfahrtbehörde GACA gegen Einrichtungen des Flughafens, der zweite traf ein Flugzeug der staatlichen Fluggesellschaft Saudia. Die Maschine stand zu diesem Zeitpunkt am Boden und hatte keine Passagiere an Bord. Sie wurde beschädigt, Bilder vom Donnerstag zeigten Rauch und Flammen auf dem Flughafengelände. Die Verletzungen der Betroffenen reichen nach saudischen Angaben von leicht bis schwer. Am Abend konnte der reguläre Flugbetrieb wieder aufgenommen werden.
Die Huthis bekannten sich zu Angriffen auf den Flughafen, allerdings unterscheiden sich die veröffentlichten Angaben zu den eingesetzten Waffen. Während in einigen Berichten von ballistischen Raketen die Rede ist, nennt die JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post unter Berufung auf die Huthis zwei Marschflugkörper. Unabhängig von diesem Detail steht fest, dass Saudi-Arabiens Hauptstadt innerhalb weniger Tage mehrfach Ziel von Raketen- und Drohnenangriffen geworden ist. Die Huthis behaupteten außerdem Angriffe auf den Flughafen von Najran und auf den großen Luftwaffenstützpunkt Khamis Mushait. Saudi-Arabien bestätigte nicht sämtliche Huthi-Angaben, meldete jedoch die Abwehr mehrerer ballistischer Raketen in Richtung Riad und Khamis Mushait.
Die jüngsten drei Todesopfer kommen zu drei Menschen hinzu, die bereits bei Angriffen auf saudische Flughäfen Anfang der Woche getötet worden waren. Bei einem Angriff auf den Flughafen von Abha starben eine marokkanische und eine algerische Staatsangehörige, zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. Am Flughafen von Riad wurde zuvor ein Sudanese getötet. Allein bei diesen beiden früheren Angriffen meldete die saudische Luftfahrtbehörde 36 Verletzte. Damit sind innerhalb weniger Tage mindestens sechs Menschen bei Angriffen auf zivile saudische Flughäfen ums Leben gekommen.
Die Huthis greifen gezielt die saudische Infrastruktur an
Die Eskalation ist kein zufälliges Nebenprodukt der Kämpfe im Jemen. Die Huthis versuchen offen, Saudi-Arabien für dessen Unterstützung der international anerkannten jemenitischen Regierung unter Druck zu setzen. Ihr militärischer Sprecher Yahya Saree warnte Fluggesellschaften, Beschäftigte von Flughäfen und inzwischen auch Arbeiter saudischer Energieanlagen davor, sich an Orten aufzuhalten, die die Terrororganisation als militärische Ziele betrachtet. Gleichzeitig werden zivile Flughäfen, Verkehrsverbindungen und wirtschaftliche Infrastruktur angegriffen.
Am Donnerstag erreichte die Bedrohung einen Umfang, der den normalen Flugverkehr erheblich beeinträchtigte. Lufthansa und mehrere indische Fluggesellschaften setzten Verbindungen nach Riad aus. Nach Luftfahrtdaten fiel zeitweise fast die Hälfte der geplanten Abflüge aus. Ein Air-India-Flug nach Riad kehrte während des Fluges nach Delhi zurück. Auch Unternehmen in der saudischen Hauptstadt wiesen Mitarbeiter an, von zu Hause aus zu arbeiten. An Schulen gab es Schutzanweisungen, nachdem über Riad Explosionen zu hören gewesen waren. Trümmer einer abgefangenen Rakete trafen nach saudischen Angaben zudem einen Kindergarten und einen medizinischen Komplex.
Damit erreicht die Huthi-Strategie eine neue Stufe. Die Terrororganisation beschränkt sich nicht mehr darauf, Schiffe am Bab al-Mandab zu bedrohen oder IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen mit Raketen und Drohnen anzugreifen. Sie versucht, den saudischen Alltag selbst zu stören: Flughäfen, Luftverkehr, Ölindustrie und militärische Einrichtungen geraten gleichzeitig unter Druck. Für Riad wird aus dem Krieg im benachbarten Jemen damit wieder eine unmittelbare Bedrohung des eigenen Staatsgebietes.
Die Ursache der neuen Eskalation liegt im wieder aufgeflammten jemenitischen Bürgerkrieg. Die Huthis hatten im September wichtige Gebiete entlang der Küste des Roten Meeres und in der Nähe des Bab al-Mandab erobert. haOlam berichtete mehrfach darüber, dass die Terrororganisation damit nicht nur im Jemen Gelände gewann, sondern zugleich eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt stärker bedrohen konnte. Für Iran war dieser Vormarsch strategisch besonders wertvoll: Während Teheran die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen unter Druck setzt, verfügen seine Huthi-Verbündeten auf der anderen Seite der Arabischen Halbinsel über Raketen, Drohnen und Küstenstellungen am Zugang zum Roten Meer.
Saudi-Arabien reagierte in dieser Woche mit einer großen Gegenoffensive. Saudisch unterstützte Truppen der international anerkannten jemenitischen Regierung versuchen, verlorene Gebiete zurückzuerobern und insbesondere den Zugang zum Bab al-Mandab wieder abzusichern. Die Kämpfe konzentrieren sich auf mehrere Fronten. Gleichzeitig fliegt die saudisch geführte Koalition Angriffe auf Huthi-Stellungen und RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen. Nach den jüngsten Angriffen auf Riad erklärte die Koalition, drei Raketenabschussvorrichtungen der Huthis zerstört zu haben.
Irans Stellvertreter zwingt Saudi-Arabien zurück in den Krieg
Für Teheran ist die Huthi-Terrororganisation seit Jahren ein äußerst wirksamer Hebel. Iran muss keine eigenen Soldaten nach Saudi-Arabien schicken, um das Königreich unter Druck zu setzen. Waffen, Technologie, Ausbildung und Unterstützung für die Huthis reichen aus, um Saudi-Arabien, Israel und die internationale Schifffahrt gleichzeitig zu bedrohen. Die Huthis bestreiten, lediglich ein iranischer Stellvertreter zu sein, ihre langjährige militärische Unterstützung durch Iran ist jedoch umfangreich dokumentiert.
Für Saudi-Arabien ist die Entwicklung besonders bitter. Riad hatte seit dem Waffenstillstand von 2022 versucht, sich aus dem direkten Krieg im Jemen herauszuhalten und eine dauerhafte Verständigung mit den Huthis zu erreichen. Gleichzeitig bemühte sich das Königreich um eine vorsichtige Annäherung an Iran. Der erneute Huthi-Vormarsch am Bab al-Mandab und die Raketenangriffe auf saudische Städte haben diese Strategie erheblich beschädigt.
haOlam hat bereits im September beschrieben, wie sich die strategische Lage verschob. Die Huthis eroberten Küstengebiete und Inseln, bedrohten Saudi-Arabiens wichtigste Umgehungsroute für Hormus und gewannen damit eine Position, von der auch Israel unmittelbar betroffen ist. Was damals noch vor allem als Gefahr für Schifffahrt und Energieversorgung erschien, erreicht nun saudische Flughäfen und zivile Verkehrsflugzeuge.
Dabei sind die Angriffe auf Riad auch für Israel von Bedeutung. Die Huthis haben Israel wiederholt mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen, ihren Schlachtruf ausdrücklich gegen Israel und Juden gerichtet und Handelsschiffe im Roten Meer attackiert. Eine Terrororganisation, die moderne Raketen in eine Millionenstadt wie Riad schießen und einen großen internationalen Flughafen treffen kann, besitzt dieselben Fähigkeiten grundsätzlich auch gegenüber anderen Zielen in der Region.
Saudi-Arabien beginnt deshalb, Unterstützung bei Staaten zu suchen, mit denen eine engere Sicherheitskooperation noch vor wenigen Jahren politisch kaum denkbar gewesen wäre. Die Türkei liefert nach eigenen Angaben technische und defensive Hilfe. Auch Pakistan und Syrien wurden in Gespräche über mögliche Unterstützung einbezogen. In Israel wird parallel darüber diskutiert, welche nachrichtendienstlichen und technologischen Fähigkeiten Jerusalem Saudi-Arabien gegen die Huthis zur Verfügung stellen könnte.
Damit verändert Iran mit seinem wichtigsten verbliebenen Stellvertreter ausgerechnet jene regionale Ordnung, die Teheran verhindern wollte. Je stärker die Huthis Saudi-Arabien, Israel und internationale Verkehrswege gleichzeitig bedrohen, desto größer werden die gemeinsamen Sicherheitsinteressen der Staaten, die sich dieser Bedrohung gegenübersehen.
Die Huthis wollten Saudi-Arabien mit Raketen aus dem Krieg im Jemen heraushalten.
Mit den Angriffen auf Riad erreichen sie möglicherweise das Gegenteil.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 9. Oktober 2026