Israels Antwort auf „NAZA“: Gegenfilm zeigt, was der „preisgekrönte“ Film ausblendet
„NAZA“ erhebt schwere Vorwürfe gegen Israels Kriegsführung, deren Wahrheitsgehalt und methodische Grundlage erheblich umstritten sind. Nun antworten israelische Filmemacher mit „NAZA: The Real Story“ und zeigen Hamas-Stellungen in Wohngebieten, Terroristen in Zivilkleidung, die Gefahr für Geiseln und die Einsatzrealität, die im gefeierten Original kaum vorkommt.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Der Streit um „NAZA“ wird nicht mehr nur mit Stellungnahmen geführt. Nachdem die IDF den Film vollständig gesehen und zentrale Vorwürfe detailliert zurückgewiesen hat, legen drei Israelis nun einen eigenen Gegenfilm vor. „NAZA: The Real Story“ soll genau jene Realität zeigen, die im international ausgezeichneten Original nach Auffassung seiner Macher weitgehend fehlt.
Dass „NAZA“ in Venedig einen Preis erhielt und international gefeiert wurde, ist dabei kein Beleg für den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen. Ein Filmpreis bewertet ein Werk, ersetzt aber keine Überprüfung von Tatsachenbehauptungen. Genau diese Überprüfung ist bei „NAZA“ besonders wichtig, weil der Film weitreichende Vorwürfe gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen erhebt, sich dabei wesentlich auf 24 anonymisierte ehemalige Angehörige israelischer Militär- und Nachrichtendiensteinheiten stützt und zentrale Aussagen inzwischen von der IDF ausdrücklich bestritten werden.
Der rund 49 Minuten lange Gegenfilm setzt deshalb nicht bei abstrakten politischen Erklärungen an. Zu sehen sind israelische Kommandeure und Nachrichtendienstoffiziere, die über konkrete Einsätze im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen sprechen. Hinzu kommen freigegebenes Einsatzmaterial, erbeutete Dokumente, Videos aus GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und Aufnahmen militärischer Infrastruktur.
Nach Berichten der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post und von i24NEWS stehen der Reserveoffizier Roi Danino, Hagai Gutman und der israelische Medienaktivist Ariel Averbuch hinter dem Projekt. Averbuch beschreibt den Film ausdrücklich als Gegenangriff im internationalen Informationskrieg.
Auch die Verbreitung wurde bewusst offensiv angelegt. Im Internet tauchten Links auf, die wie eine Veröffentlichung oder ein Leak des ursprünglichen „NAZA“ wirkten. Wer darauf klickte, landete jedoch beim israelischen Gegenfilm. Das Ziel ist offensichtlich: Nicht nur Menschen erreichen, die ohnehin israelische Gegenargumente suchen, sondern auch jene Zuschauer, die gezielt nach dem international beworbenen „NAZA“ suchen.
Dort, wo „NAZA“ den Kontext verliert
haOlam hat bereits mehrfach über die erheblichen Zweifel an „NAZA“ berichtet. Der Film erhebt weitreichende Vorwürfe gegen Israels Kriegsführung und stützt sich dabei hauptsächlich auf 24 anonymisierte ehemalige Angehörige des israelischen Militär- und Nachrichtendienstapparates.
Die IDF erklärte nach vollständiger Sichtung, Aussagen aus frühen Phasen der Zielermittlung würden so zusammengeschnitten, als könnten die jeweiligen Zeugen den gesamten späteren Entscheidungsprozess beurteilen. Besonders problematisch ist dabei, dass ihre konkreten Funktionen, Verantwortungsbereiche und tatsächlichen Einblicke aufgrund der Anonymisierung öffentlich nicht überprüfbar sind.
Auch die Behauptung, Israel habe Angriffe mit bis zu 500 erwarteten zivilen Toten genehmigt, weist die Armee ausdrücklich zurück. Dasselbe gilt für die Darstellung, das System „Lavender“ habe Menschen selbstständig als Angriffsziele ausgewählt.
Damit steht der Film nicht deshalb unter Kritik, weil er Israel kritisiert. Er steht unter Kritik, weil schwere Tatsachenbehauptungen erhoben werden, deren Beleglage teilweise nicht öffentlich überprüfbar ist und denen die IDF nach Sichtung des vollständigen Materials konkret widerspricht.
Ein Preis in Venedig löst dieses Problem nicht.
„NAZA: The Real Story“ versucht nun, die Debatte auf einen anderen Teil der Kriegsrealität zu lenken. Der Gegenfilm richtet den Blick darauf, unter welchen Bedingungen israelische Soldaten in Gaza tatsächlich operieren mussten.
Ein Schwerpunkt liegt auf der systematischen Nutzung ziviler Räume durch HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen. Die im Film auftretenden israelischen Offiziere berichten von Waffen und Sprengsätzen in Wohnhäusern, militärischer Infrastruktur in dicht bebauten Gebieten und Terroristen, die sich ohne Uniform zwischen der Zivilbevölkerung bewegten. Gezeigt werden nach Angaben der Produzenten unter anderem Waffenfunde, Tunnelschächte und erbeutetes Material.
Gerade die Zivilkleidung ist militärisch entscheidend. Wenn Terroristen keine Uniform tragen, Waffen verbergen und sich zwischen Zivilisten bewegen, erschweren sie bewusst die Unterscheidung zwischen Kämpfern und Unbeteiligten. Dadurch wächst nicht nur das Risiko für israelische Soldaten, sondern auch für die palästinensische Zivilbevölkerung.
Diese Realität gehört zwingend in jede ernsthafte Bewertung ziviler Opfer in Gaza.
Dasselbe gilt für die israelischen Geiseln. Soldaten konnten Gebäude und Gebiete nicht allein danach beurteilen, ob sich dort Hamas-Terroristen befanden. Sie mussten zugleich damit rechnen, dass an denselben Orten verschleppte Israelis festgehalten wurden.
Der Gegenfilm schildert diese Unsicherheit aus Sicht derjenigen, die solche Entscheidungen tatsächlich treffen mussten.
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft humanitäre Hilfe. Während Israel international immer wieder vorgeworfen wurde, Hilfslieferungen absichtlich zu behindern, beschreibt „NAZA: The Real Story“ die militärische Realität solcher Transporte in einem Gebiet, in dem Hamas operierte, Waffen bewegte und Einfluss auf Versorgungswege ausübte.
Das bedeutet nicht, dass jede israelische Entscheidung automatisch richtig war. Es bedeutet aber sehr wohl, dass eine Bewertung ohne diesen KontextKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen unvollständig bleibt.
Zwei Filme, zwei Methoden und eine offene Wahrheitsfrage
Der Unterschied zwischen beiden Produktionen ist auffällig.
Das ursprüngliche „NAZA“ schützt seine Gesprächspartner durch Anonymisierung. Gesichter und Stimmen wurden verändert. Bei besonders schweren Vorwürfen bleiben Funktion, Kenntnisstand und unmittelbare Beteiligung der jeweiligen Personen deshalb von außen nicht überprüfbar.
Der israelische Gegenfilm setzt dagegen bewusst auf offen auftretende Kommandeure und Nachrichtendienstoffiziere. Sie sollen über Einsätze sprechen, an denen sie selbst beteiligt waren oder die sie führten.
Hinzu kommt Material aus dem Krieg.
Auch das macht „NAZA: The Real Story“ nicht automatisch zur endgültigen Wahrheit. Der Film verfolgt ausdrücklich eine israelische Perspektive und wurde mit dem erklärten Ziel produziert, der international verbreiteten Darstellung von „NAZA“ etwas entgegenzusetzen. Seine Aussagen und Bilder müssen ebenso geprüft werden.
Genau das ist der Punkt.
Nicht ein Film besitzt Wahrheit, weil er in Venedig ausgezeichnet wurde. Und nicht der Gegenfilm besitzt Wahrheit, weil seine Autoren israelische Soldaten zeigen.
Entscheidend ist, welche Behauptungen sich belegen lassen.
haOlam hat den Wahrheitsgehalt zentraler Aussagen von „NAZA“ bereits in früheren Artikeln offen infrage gestellt. Die detaillierte Antwort der IDF hat diese Zweifel nicht beseitigt, sondern verstärkt. Ein Filmfestival kann eine solche Debatte auszeichnen, aber nicht entscheiden.
Mit „NAZA: The Real Story“ existiert nun eine ausführliche Gegenposition, ebenfalls im Format eines Dokumentarfilms.
Sie zeigt eine Realität, die im gefeierten Original kaum vorkommt: Hamas-Infrastruktur in zivilen Gebieten, Terroristen ohne Uniform, Geiseln mitten im Kampfgebiet und Soldaten, die unter diesen Bedingungen Entscheidungen treffen müssen.
Damit geht es längst nicht mehr nur um zwei konkurrierende Filme.
Es geht darum, welche Version dieses Krieges international als Wahrheit verkauft wird und welche Tatsachen dafür geprüft, weggelassen oder bestritten werden.
„NAZA“ hat seinen Preis.
Seine zentralen Behauptungen müssen trotzdem erst beweisen, dass sie ihn auch inhaltlich tragen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 3. Oktober 2026