Mossad kannte Fordow: Cohen enthüllt jahrelange Ausspähung

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Mossad kannte Fordow: Cohen enthüllt jahrelange Ausspähung


Der frühere Mossad-Chef Yossi Cohen sagt, der israelische Geheimdienst habe Fordow immer wieder „besucht“, um die tief unter einem Berg verborgene Atomanlage zu verstehen. Ob er Agenten vor Ort oder geheimdienstliche Überwachung meinte, ließ er offen.

Mossad kannte Fordow: Cohen enthüllt jahrelange Ausspähung
Bildnachweis: U.S. Secretary of Defense

Wie genau lernt ein Geheimdienst eine Atomanlage kennen, die tief unter einem iranischen Berg verborgen wurde und gerade deshalb als nahezu unangreifbar galt? Yossi Cohen hat darauf eine bemerkenswerte Antwort gegeben. Der frühere Chef des Mossad erklärte bei einer Konferenz in Galiläa, der israelische Auslandsgeheimdienst habe Fordow „viele Male besucht“, um die Anlage zu verstehen.

Was Cohen mit „besucht“ genau meinte, sagte er nicht. Es ist deshalb ausdrücklich nicht belegt, dass israelische Mossad-Agenten physisch in die unterirdische Anlage eingedrungen sind. Möglich ist ebenso, dass Cohen den Begriff bewusst weit fasste und damit unterschiedliche Formen geheimdienstlicher Aufklärung meinte.

Gerade diese Unklarheit macht seine Bemerkung interessant. Ehemalige Mossad-Chefs sprechen selten beiläufig über Methoden, Quellen oder Zugänge des Dienstes. Wenn Cohen Jahre nach seiner Amtszeit sagt, Fordow sei immer wieder „besucht“ worden, lässt sich daraus zumindest eines ableiten: Die Anlage gehörte über lange Zeit zu den wichtigsten Aufklärungszielen Israels.

Das überrascht nicht.

Fordow war für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen eines der schwierigsten Elemente des iranischen Atomprogramms. Die Urananreicherungsanlage liegt südlich von Teheran nahe Qom und wurde tief in einen Berg gebaut. Gerade diese Lage sollte sie gegen Luftangriffe schützen. Schon die Vereinigten Staaten beschäftigten sich nach Angaben des Pentagon rund 15 Jahre lang intensiv mit der Frage, wie ein solches unterirdisches Ziel überhaupt zerstört werden könnte. Spezialisten analysierten Geologie, Bauweise, Belüftungsschächte, elektrische Systeme und die Materialien, die während des Baus verwendet wurden.

Cohens Bemerkung zeigt nun, dass Israel seinerseits offenbar ebenfalls außergewöhnlich viel Aufwand betrieb, um Fordow möglichst genau zu verstehen.

„Die Erfüllung all meiner Träume“

Noch deutlicher wurde Cohen bei der Frage nach dem amerikanischen Angriff auf die Anlage.

Die Bombardierung Fordows durch die Vereinigten Staaten sei für ihn die „Erfüllung all meiner Träume“ gewesen, erklärte der frühere Mossad-Chef.

Darin steckt viel von Israels jahrzehntelangem Konflikt mit dem iranischen Atomprogramm. JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen warnte über Jahre davor, dass Teheran nicht nur Uran anreichert, sondern gleichzeitig Anlagen entwickelt, deren Schutz und Lage einen späteren militärischen Eingriff immer schwieriger machen würden.

Fordow verkörperte dieses Problem wie kaum ein anderer Ort.

Wichtig ist dabei eine Korrektur der ursprünglichen Meldung: Der amerikanische Angriff auf Fordow erfolgte am 22. Juni 2025 im Rahmen der Operation Midnight Hammer, nicht als Teil der israelischen Operation Rising Lion. Sieben amerikanische B-2-Bomber waren Teil des Angriffspakets. Insgesamt wurden 14 GBU-57 Massive Ordnance Penetrator gegen Fordow und einen weiteren Nuklearkomplex eingesetzt. Es war der erste operative Einsatz dieser rund 30.000 Pfund schweren bunkerbrechenden Bombe.

Das Pentagon erklärte anschließend, alle Waffen hätten wie vorgesehen funktioniert und die getroffenen Nuklearanlagen seien schwer beschädigt worden. Später sprach das US-Verteidigungsministerium davon, das iranische Atomprogramm sei durch die Angriffe nach amerikanischer Einschätzung um etwa zwei Jahre zurückgeworfen worden.

Die iranische Führung stellte das Ergebnis wesentlich weniger dramatisch dar. Behrooz Kamalvandi von der iranischen Atomenergieorganisation behauptete, in Fordow seien lediglich begrenzte Schäden entstanden. Iran habe zudem zuvor wichtige Ausrüstung und Materialien entfernt.

Genau hier liegt bis heute ein entscheidendes Problem: Was tief im Berg tatsächlich zerstört wurde, lässt sich von außen erheblich schwerer beurteilen als Schäden an oberirdischen Gebäuden.

Die Internationale Atomenergiebehörde bestätigte damals den Angriff auf Fordow, Natanz und Isfahan. Eine Erhöhung der Strahlenwerte außerhalb der Anlagen wurde nicht festgestellt. Eine eigene umfassende Bewertung des tatsächlichen Schadens im Inneren Fordows konnte die Behörde zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht vorlegen.

Cohens Freude über den amerikanischen Angriff ist deshalb auch vor dem Hintergrund seiner eigenen Amtszeit zu verstehen.

Der frühere Mossad-Chef leitete den Dienst von 2016 bis 2021. Unter seiner Führung führte Israel 2018 eine der spektakulärsten Geheimdienstoperationen seiner Geschichte durch und brachte das iranische Atomarchiv aus Teheran nach Israel. Cohen betrachtete Iran während seiner gesamten Amtszeit als zentrale strategische Herausforderung. Schon bei seinem Amtsantritt 2016 bezeichnete er die iranische Bedrohung ausdrücklich als eine der wichtigsten Aufgaben des Mossad.

Fordow blieb jedoch das militärisch besonders schwierige Ziel.

Dass schließlich amerikanische B-2-Bomber jene Waffen einsetzten, über die nur die Vereinigten Staaten verfügen, erklärt Cohens ungewöhnlich persönliche Formulierung.

60 Prozent sind keine Bombe, aber auch keine harmlose Zahl

Interessant ist auch eine zweite Aussage Cohens.

Berichte, wonach Iran unmittelbar vor dem Durchbruch zur Atomwaffe gestanden habe, bewertet er zurückhaltender. Uran mit einem Anreicherungsgrad von 60 Prozent sei noch weit von einer fertigen Atombombe entfernt, sagte der ehemalige Mossad-Chef.

Technisch ist diese Aussage in einem wichtigen Punkt richtig: Hoch angereichertes Uran allein ist noch keine einsatzfähige Atomwaffe. Für eine Bombe wären neben ausreichendem spaltbarem Material weitere Schritte erforderlich, darunter weitere Anreicherung und die eigentliche Entwicklung eines funktionierenden Sprengkopfes.

Trotzdem darf die Zahl von 60 Prozent nicht verharmlost werden.

Iran hatte seine Urananreicherung weit über die für gewöhnliche zivile Kernenergie erforderlichen Werte hinaus gesteigert. Die IAEA überwachte Fordow gerade deshalb besonders intensiv. Dass die Anlage zudem tief unter einem Berg errichtet wurde, machte sie aus israelischer Sicht nicht nur zu einer technischen, sondern zu einer strategischen Herausforderung. Die IAEA führt Fordow ausdrücklich als iranische Urananreicherungsanlage und dokumentierte bis zum Krieg ihre Kontrollen im Rahmen der internationalen Sicherungsmaßnahmen.

Cohens Aussage sollte deshalb nicht als Entwarnung verstanden werden. Sie unterscheidet vielmehr zwischen zwei Dingen, die in politischen Debatten häufig miteinander vermischt werden: der Fähigkeit, Uran sehr hoch anzureichern, und dem Besitz einer tatsächlich einsatzfähigen Atomwaffe.

Für Israel war jedoch nie nur die fertige Bombe das Problem.

Die entscheidende rote Linie lag bereits darin, dass Iran Fähigkeiten, Material und geschützte Infrastruktur aufbaut, die einen späteren Durchbruch immer schneller und schwieriger zu verhindern machen könnten.

Genau deshalb war Fordow so wichtig.

Und genau deshalb besitzt Cohens beiläufig wirkender Satz über die angeblichen zahlreichen „Besuche“ des Mossad Gewicht.

Er deutet an, wie lange Israel sich mit einem Ort beschäftigte, der nach außen nahezu unzugänglich erschien.

Ob Mossad-Agenten tatsächlich jemals durch die Gänge Fordows gingen, hat Cohen nicht gesagt. Alles darüber hinaus wäre Spekulation.

Dass der israelische Geheimdienst die Anlage intensiv ausforschte, daran lässt seine Aussage jedoch wenig Zweifel.

Als schließlich amerikanische B-2-Bomber im Juni 2025 ihre bunkerbrechenden Bomben über Fordow abwarfen, endete für Cohen offenbar eine Geschichte, die lange vor diesem Angriff begonnen hatte.

Für einen ehemaligen Mossad-Chef war es keine gewöhnliche militärische Operation.

Es war, wie er selbst sagt, die Erfüllung eines Traums.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 12. August 2026

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