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Mangel an Abfangraketen bremst Trump: Israel tagt wegen Iran-Gefahr im Bunker


Nach 13 Angriffsnächten verzichtet Washington vorerst auf die angekündigte Großoffensive gegen Iran. Während die Seeblockade bestehen bleibt, zeigt sich ein gefährlicher Engpass: Den USA könnten die Raketen zur Verteidigung ihrer eigenen Stützpunkte fehlen.

Mangel an Abfangraketen bremst Trump: Israel tagt wegen Iran-Gefahr im Bunker
Bildnachweis: Symbolbild / KI

US-Präsident Donald Trump hat die geplante massive Ausweitung der Angriffe auf Iran vorerst gestoppt. Nach Berichten der „New York Times“, von Reuters und israelischen Medien fiel die Entscheidung nach einer Sitzung mit führenden Regierungsmitgliedern und Militärberatern am Freitag im Weißen Haus.

Noch wenige Stunden zuvor hatte Trump erklärt, die amerikanischen Streitkräfte seien vollständig vorbereitet und könnten Iran eine erheblich „schwerere Dosis“ verabreichen. Nun zeigt sich, warum der Angriffsbefehl ausblieb: Die Vereinigten Staaten können zahlreiche iranische Ziele zerstören, müssen anschließend jedoch mit schweren Gegenangriffen auf ihre Stützpunkte und Verbündeten rechnen. Für deren Abwehr werden große Mengen teurer und nur begrenzt verfügbarer Abfangraketen benötigt.

Im Mittelpunkt der Beratungen standen nach den Berichten die schrumpfenden Bestände an Patriot-Abfangraketen und anderen Flugkörpern der amerikanischen Luftverteidigung im Nahen Osten. General Dan Caine, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, soll Trump darauf hingewiesen haben, dass eine Fortsetzung der groß angelegten Angriffe militärisch möglich sei, die verfügbaren Abwehrbestände des für die Region zuständigen Zentralkommandos CENTCOM jedoch gefährlich ausdünnen könnte. Auch Vizepräsident JD Vance soll vor den Folgen für die amerikanischen Munitionsvorräte gewarnt haben.

Die Sorge betrifft nicht nur den Schutz amerikanischer Soldaten. Iran kann Stützpunkte in Jordanien, Bahrain, Kuwait, Katar und weiteren GolfstaatenStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen mit ballistischen Raketen und Drohnen angreifen. Gleichzeitig benötigen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, Saudi-Arabien und andere Partner ihre eigenen Abwehrsysteme, um iranische Geschosse und Angriffe der mit Teheran verbündeten Terrororganisationen abzufangen.

Eine größere amerikanische Offensive könnte deshalb einen militärischen Kreislauf auslösen: Die USA zerstören weitere iranische Anlagen, Iran antwortet mit umfangreichen Raketenangriffen und zwingt Washington, einen erheblichen Teil seiner knappen Abfangraketen zur Verteidigung einzusetzen. Je länger diese Auseinandersetzung dauert, desto stärker wächst das Risiko, dass eine weitere Angriffswelle nicht mehr vollständig abgewehrt werden kann.

Nicht der Angriff, sondern die Verteidigung wird zum Engpass

Die amerikanischen Streitkräfte hatten zuvor 13 Nächte in Folge iranische Militärziele angegriffen. Nach Angaben von CENTCOM richteten sich die Schläge unter anderem gegen Befehlsstellen, Drohnenlager, Kommunikationsanlagen, Küstenradare und Einrichtungen der RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen.

Am Wochenende blieb eine weitere amerikanische Angriffswelle erstmals aus. Das Verteidigungsministerium erklärte nach Medienberichten, die Operationen seien vorläufig angehalten worden. Die Seeblockade gegen Iran bleibe jedoch vollständig in Kraft. Ein hochrangiger Regierungsvertreter erklärte, Trump bevorzuge weiterhin eine diplomatische Lösung, habe Teheran aber gezeigt, welche Folgen eine Verweigerung ernsthafter Verhandlungen haben könne.

Das Weiße Haus bestreitet, dass Iran damit einen dauerhaften Schutz vor weiteren Angriffen erhalten hat. Kommunikationsdirektor Steven Cheung erklärte, alle Möglichkeiten blieben auf dem Tisch. Sollte das Regime seine Angriffe in der Straße von Hormus oder gegen amerikanische Verbündete fortsetzen, könne Trump die Militäraktion jederzeit wieder aufnehmen. Nach 13 aufeinanderfolgenden Angriffstagen wäre Teheran gut beraten, auf ein verhandeltes Abkommen hinzuarbeiten. Anderenfalls wisse die iranische Führung, was geschehen werde.

Trotzdem legt die Entscheidung eine Schwäche offen, auf die Iran seit Beginn des Krieges setzt. Das Regime muss die amerikanischen Streitkräfte nicht vollständig besiegen. Es genügt, den Preis des Krieges so weit zu erhöhen, dass Washington vor jeder weiteren Eskalation seine Munitionsbestände, den Schutz seiner Stützpunkte und die Stabilität der Golfstaaten gegeneinander abwägen muss.

Raketenabwehr ist teuer und aufwendig. Gegen einen einzelnen iranischen Flugkörper können je nach Lage mehrere Abfangraketen eingesetzt werden. Massenangriffe mit Raketen und Drohnen sollen die Abwehr überlasten und dazu zwingen, wertvolle Munition gegen vergleichsweise billige Angriffswaffen zu verbrauchen. Iran führt deshalb nicht nur einen Kampf um zerstörte Stützpunkte und Schiffe. Es führt einen Abnutzungskrieg gegen die westliche Luftverteidigung.

Die amerikanischen Berater warnten Trump zudem vor einer weiteren Ausweitung des Konflikts. Golfstaaten könnten sich von Washington abwenden, wenn ihre Städte, Häfen und Energieanlagen immer häufiger zum Ziel iranischer Vergeltung werden. Eine längere Schließung der Straße von Hormus könnte die Energiepreise weiter erhöhen und die Weltwirtschaft belasten. Gleichzeitig droht mit den Angriffen der HouthisHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen auf Saudi-Arabien ein zweiter wichtiger Seeweg in die Auseinandersetzung hineingezogen zu werden.

Die Houthis griffen am Wochenende saudische Ölanlagen an der Küste des Roten Meeres an. In Yanbu wurden nach den Berichten zwei auf Energieanlagen gerichtete Raketen abgefangen. Aus der Nähe der Aramco-Raffinerie in Dschisan stieg Rauch auf. Damit verlagert sich der Krieg von der Straße von Hormus zunehmend auch in Richtung Bab al-Mandab und Rotes Meer.

Trump hat die Ausweitung der Angriffe deshalb nicht gestoppt, weil die iranische Bedrohung verschwunden wäre. Er hat sie vorerst gestoppt, weil der Krieg an immer mehr Fronten geführt wird und selbst die Vereinigten Staaten ihre wichtigsten Abwehrmittel nicht unbegrenzt verbrauchen können.

Iran erhält eine Pause, aber keinen Sieg

Die Gefahr besteht nun darin, dass das Regime die amerikanische Zurückhaltung als Erfolg seiner Strategie deutet. Die Revolutionsgarden drohen bereits offen mit weiteren Angriffen auf Israel. Ein Sprecher erklärte gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim, das gesamte israelische Staatsgebiet sei kleiner als die iranische Provinz Ilam. Wenn Iran seine Kräfte vollständig gegen Israel richte, wisse es genau, was es dem Land antun könne.

Diese Äußerung ist keine militärische Analyse, sondern eine Vernichtungsdrohung. Die Größe eines Landes entscheidet nicht über seine Verteidigungsfähigkeit. Sie zeigt jedoch, wie die Revolutionsgarden denken: Israel wird als kleines, verwundbares Ziel betrachtet, das durch dauernden Raketenbeschuss, Terrorarmeen und einen langen Abnutzungskrieg zermürbt werden soll.

Vor diesem Hintergrund soll die israelische Regierung am Sonntag in einer gesicherten unterirdischen Anlage zusammentreten. N12 meldete die Verlegung der Sitzung am Morgen unter Verweis auf die angespannte Sicherheitslage. Weitere Einzelheiten über eine konkrete Warnung oder eine unmittelbar bevorstehende iranische Operation wurden zunächst nicht genannt.

Die Entscheidung zeigt dennoch, wie ernst JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen die Lage nimmt. Israel kann nicht davon ausgehen, dass die amerikanische Angriffspause automatisch eine Ruhephase für das eigene Land bedeutet. Im Gegenteil: Iran könnte versuchen, die Zurückhaltung Washingtons auszunutzen, den Druck auf Israel zu erhöhen oder durch seine Verbündeten weitere Fronten zu eröffnen.

Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch die russische Unterstützung für Iran. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, russische Aufklärungssatelliten hätten seit Anfang Juli amerikanische Stützpunkte und andere militärische Einrichtungen im Nahen Osten intensiv beobachtet. Diese Bilder seien anschließend an Iran weitergegeben worden.

Selenskyj zufolge besteht eine auffällige zeitliche Übereinstimmung zwischen russischen Satellitenaufnahmen und iranischen Angriffen. Die Einrichtungen seien vor den Attacken zur Zielvorbereitung und anschließend erneut zur Bewertung der Schäden fotografiert worden. Er habe die ukrainischen Nachrichtendienste angewiesen, die Erkenntnisse mit den Partnerstaaten zu teilen.

Dabei handelt es sich zunächst um eine ukrainische Beschuldigung, die noch nicht in allen Einzelheiten öffentlich belegt wurde. Amerikanische Stellen prüfen jedoch bereits seit Längerem, ob Moskau Iran mit Satellitenbildern oder anderer militärischer Technik bei der Auswahl seiner Ziele unterstützt.

Sollte sich der Vorwurf bestätigen, wäre Russland nicht nur ein politischer und wirtschaftlicher Partner Teherans. Moskau würde aktiv dazu beitragen, iranische Angriffe auf amerikanische Soldaten und westliche Einrichtungen präziser zu machen. Der Krieg gegen Iran wäre damit noch deutlicher Teil einer größeren Auseinandersetzung, in der Russland versucht, amerikanische Kräfte zu binden und ihre Munitionsbestände zu erschöpfen.

Trumps Entscheidung kann militärisch vernünftig sein. Ein verantwortlicher Präsident muss berücksichtigen, wie viele Abfangraketen vorhanden sind und ob amerikanische Soldaten nach einem Angriff ausreichend geschützt werden können. Ein Großangriff ohne gesicherte Verteidigung der eigenen Stützpunkte wäre kein Zeichen von Stärke, sondern von Leichtsinn.

Die Pause wird jedoch nur dann sinnvoll sein, wenn Washington sie nutzt, um die Luftverteidigung zu verstärken, Munitionsbestände aufzufüllen und Teheran zu einem überprüfbaren Abkommen zu zwingen. Wird sie zu einer weiteren Phase endloser Gespräche, während Iran seine Raketen verlegt, Anlagen repariert und neue Angriffe vorbereitet, hätte das Regime tatsächlich Zeit gewonnen.

Iran ist nicht friedlicher geworden. Die Revolutionsgarden drohen Israel weiterhin offen. Die Houthis greifen Saudi-Arabien an. Die Straße von Hormus bleibt blockiert. Russland soll iranische Ziele mit Satellitenbildern unterstützen. Israels Regierung verlegt ihre Sitzung unter die Erde.

Das ist keine Entspannung.

Es ist eine gefährliche Pause in einem Krieg, dessen nächste Runde bereits vorbereitet wird.

Thematische Einordnung


Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 26. Juli 2026

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