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Huthi greifen Saudi-Arabiens Ölroute an: Der Jemen-Krieg ist zurück


Raketen und Drohnen zielen auf Yanbu und Dschisan, Tanker werden bedroht, saudische Flugzeuge greifen wieder im Jemen an. Teherans Verbündete wollen neben Hormus nun auch den Zugang zum Roten Meer unter Druck setzen.

Huthi greifen Saudi-Arabiens Ölroute an: Der Jemen-Krieg ist zurück
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Vier Jahre lang war der Krieg im Jemen nicht beendet, aber leiser geworden. Die Waffenruhe von 2022 hielt brüchig genug, um Saudi-Arabien und die HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen von einer neuen offenen Konfrontation abzuhalten. In dieser Woche ist diese fragile Ruhe zerbrochen.

Die vom Iran unterstützten Huthi meldeten am Samstag Angriffe mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen auf Anlagen des saudischen Ölkonzerns Aramco in Yanbu und Dschisan. Zwei auf Yanbu zufliegende Raketen wurden nach Angaben griechischer Sicherheitskreise von einer Patriot-Batterie abgefangen, die von griechischen Soldaten betrieben wird. Aus Dschisan stieg Rauch in den Himmel. Reuters konnte entsprechende Aufnahmen örtlich zuordnen. Ob und in welchem Umfang die Aramco-Anlagen beschädigt wurden, war zunächst nicht vollständig geklärt.

Damit geht es nicht mehr allein um einzelne Schiffe oder einen weiteren Schlagabtausch an der jemenitischen Front. Die Huthi greifen die westliche Ausweichroute der saudischen Ölindustrie an.

Yanbu liegt am Roten Meer. Über eine quer durch Saudi-Arabien verlaufende Leitung kann Rohöl aus den Fördergebieten im Osten des Königreichs dorthin transportiert und verschifft werden, ohne die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen passieren zu müssen. Gerade weil Iran den Verkehr am Persischen Golf bedroht, ist diese Route für Riad und den Weltmarkt besonders wertvoll geworden.

Die Botschaft der Huthi ist deshalb unmissverständlich: Wer dem iranischen Druck bei Hormus ausweicht, soll am Roten Meer erneut in Reichweite iranischer Waffen geraten.

Teherans Zange um den Welthandel

Am 20. Juli hatten die Huthi eine sogenannte Seeblockade gegen Saudi-Arabien verkündet. Reedereien und Tankerbetreiber wurden gewarnt, saudische Häfen am Roten Meer anzulaufen. Kurz darauf drehten mehrere mit saudischem Öl beladene Tanker ab, statt sich der von den Huthi kontrollierten Küste und der Meerenge Bab al-Mandab zu nähern.

Die Terrororganisation spricht von „Blockade gegen Blockade“ und behauptet, auf saudische Maßnahmen gegen den Flughafen von Sanaa und den jemenitischen Schiffsverkehr zu antworten. Doch der Anspruch geht weit darüber hinaus. Die Huthi wollen entscheiden, welche Schiffe einen internationalen Seeweg benutzen dürfen und welche Häfen für den Welthandel erreichbar bleiben.

Bab al-Mandab ist die südliche Einfahrt ins Rote Meer. Von dort führt die Route weiter zum Suezkanal und nach Europa. Wird diese Meerenge unsicher, müssen Schiffe den langen Weg um das südliche Afrika nehmen. Reisen verlängern sich, Versicherungen werden teurer, Besatzungen geraten in Lebensgefahr und Lieferketten verlieren erneut ihre Verlässlichkeit.

Das ist kein innerjemenitischer Grenzstreit. Es ist der Versuch einer bewaffneten Organisation, eine der wichtigsten Handelsadern der Erde als politisches Druckmittel zu benutzen.

Der Zeitpunkt ist kaum zufällig. Während Iran die Straße von Hormus zum Schauplatz seines Krieges mit den Vereinigten Staaten gemacht hat, bedrohen seine Verbündeten den zweiten Seeweg rund um die Arabische Halbinsel. Ein Bericht des UN-Sicherheitsrates verwies bereits vor den jüngsten Angriffen auf iranische Drohungen, einen Sicherheitsgürtel von Hormus bis Bab al-Mandab aufzubauen.

Teheran muss die Meerenge nicht selbst sperren. Es genügt, wenn die Huthi Raketen an die Küste bringen, Tanker angreifen und Reedereien davon überzeugen, dass jede Durchfahrt zum Glücksspiel werden kann.

Hinzu kommt der Verdacht, Iran wolle seine militärische Unterstützung im Jemen deutlich ausbauen. Nach Reuters-Informationen brachte eine Maschine von Mahan Air Mitte Juli mutmaßlich Angehörige der RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen, militärische Berater, Raketen- und Drohnenteile sowie Gold nach Hodeidah. Iran und die Huthi bestreiten dies. Saudi-Arabien fürchtet jedoch erkennbar, dass aus den wieder aufgenommenen Flügen eine dauerhafte Luftbrücke für Waffen und Fachpersonal entstehen könnte.

Ein Flug mit angeblichen Zivilisten lässt sich politisch erklären. Eine Folge von Flügen würde die militärische Wirklichkeit im Jemen verändern. Neue Berater, Ersatzteile und präzisere Waffensysteme könnten den Huthi ermöglichen, saudische Energieanlagen und Schiffe noch gezielter anzugreifen.

Genau deshalb will Riad offenbar nicht länger abwarten.

Saudi-Arabien schlägt zurück

Die von Saudi-Arabien geführte Koalition griff am Freitag militärische Huthi-Stellungen in der Provinz Hodeidah an. Nach ihrer Darstellung waren die Ziele mit Angriffen auf saudische Schiffe und den internationalen Seeverkehr verbunden. Die Koalition betonte, der Hafen von Hodeidah selbst sei nicht bombardiert worden und bleibe ebenso wie Ras Issa und Salif für Handelsschiffe geöffnet.

Der Huthi-Sender Al-Masirah meldete dagegen Angriffe auf Einrichtungen der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft in Hodeidah und auf die Insel Kamaran. Unabhängig ließ sich zunächst nicht vollständig klären, welche Anlagen getroffen wurden und ob sie tatsächlich militärisch genutzt worden waren.

Gleichzeitig griffen Flugzeuge der international anerkannten jemenitischen Regierung nach Angaben jemenitischer Vertreter Raketen- und Drohnenstellungen sowie WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen in Marib und al-Dschauf an. Berichten zufolge wurden Abschussvorrichtungen, ein Katjuscha-Standort und Depots getroffen. Unter den Toten sollen sich Fachleute für Raketenstarts befunden haben. Reuters bestätigte die Aussagen der genannten Regierungsvertreter, konnte die Ergebnisse der Angriffe jedoch nicht unabhängig überprüfen.

Diese Einsätze sind bedeutsam, weil die Luftstreitkräfte der jemenitischen Regierung bislang nur selten selbst offensiv gegen Huthi-Stellungen vorgingen. Sollten weitere Angriffe folgen, könnte dies auf eine breitere militärische Kampagne hindeuten, bei der saudische Luftmacht und jemenitische Bodentruppen enger zusammenarbeiten.

An mehreren Frontlinien zwischen der Rotmeerküste und der saudischen Grenze wurden bereits Truppenbewegungen und Verstärkungen gemeldet. Noch ist nicht erwiesen, dass eine große Bodenoffensive unmittelbar bevorsteht. Doch die militärischen Vorbereitungen zeigen, dass beide Seiten nicht mehr von einer kurzen Auseinandersetzung ausgehen.

Für Saudi-Arabien steht dabei mehr auf dem Spiel als die alte Feindschaft mit den Huthi. Das Königreich will wirtschaftliche Sicherheit, internationale Investitionen und die großen Projekte seiner kommenden Jahre schützen. Raketen auf Aramco-Anlagen, bedrohte Tanker und ein erneuter Krieg an der Südgrenze treffen genau dieses Bild der Stabilität.

Riad hatte sich deshalb seit 2022 um eine Verständigung bemüht. Die Huthi nutzten die Ruhe jedoch nicht, um ihre Waffen abzugeben oder sich in einen politischen Prozess einzuordnen. Sie bauten ihre Raketen- und Drohnenfähigkeiten weiter aus, griffen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und internationale Handelsschiffe an und hielten Mitarbeiter der Vereinten Nationen fest.

Nun erklären sie Saudi-Arabien wieder offen zum Feind.

Die Vereinten Nationen warnen, dass die erneuten Angriffe auf Handelsschiffe den Jemen tiefer in den regionalen Krieg hineinziehen und die Aussichten auf eine politische Lösung zerstören könnten. Der UN-Sondergesandte Hans Grundberg forderte die Huthi auf, ihre Angriffe auf die Schifffahrt einzustellen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Doch Appelle allein haben die Huthi schon in den vergangenen Jahren nicht aufgehalten. Solange die Terrororganisation aus Angriffen politische Bedeutung, Geld und iranische Unterstützung gewinnt, bleibt Zurückhaltung für sie kein überzeugendes Angebot.

Für Israel ist die neue Lage besonders gefährlich. Die Huthi haben Eilat, israelische Schiffe und internationale Frachter bereits mit Raketen und Drohnen angegriffen. Ein erneuter offener Krieg mit Saudi-Arabien würde ihre Waffen nicht von Israel ablenken. Er würde vielmehr zeigen, dass Iran eine Front gleichzeitig gegen Israel, die Golfstaaten und den Welthandel betreiben kann.

Die Huthi behaupten, sie verteidigten die Souveränität des Jemen. Tatsächlich machen sie das Land erneut zum Ausgangspunkt eines iranischen Regionalkrieges. Die Menschen im Jemen werden dafür den höchsten Preis zahlen, obwohl sie weder von brennenden Tankern noch von zerstörten Häfen profitieren.

Der Krieg kehrt nicht zurück, weil Saudi-Arabien plötzlich Lust auf einen neuen Feldzug verspürt. Er kehrt zurück, weil die Huthi glauben, mit Raketen auf Raffinerien und Drohungen gegen zivile Schiffe mehr erreichen zu können als mit Verhandlungen.

Yanbu und Dschisan waren deshalb keine zufälligen Ziele. Sie stehen für Saudi-Arabiens wirtschaftliche Lebensader am Roten Meer.

Und Bab al-Mandab steht für den Versuch Teherans, die Welt von zwei Seiten in die Zange zu nehmen.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 25. Juli 2026

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