Hamas finanziert sich trotz Waffenruhe weiter: Neue Berichte zeigen Steuern, Schmuggel und Kontrolle über den Alltag in Gaza
Neue Berichte werfen Hamas vor, trotz Waffenruhe weiter hohe Einnahmen zu erzielen. Im Fokus stehen Steuern, Schmuggel, Marktgebühren und Kontrolle über den Alltag in Gaza.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Israels Sicherheitskreise schlagen Alarm: Während international über Waffenruhe und Wiederaufbau gesprochen wird, soll Hamas im Gazastreifen weiter Millionen einnehmen. Kontrollstellen, Marktgebühren, Schmuggel und sogar Hilfsgüter stehen laut Berichten im Zentrum eines Systems, das Herrschaft und militärische Strukturen absichern könnte.
Die Bilder aus Gaza zeigen zerstörte Straßenzüge, Flüchtlingslager, Hilfslieferungen und Menschen auf der Suche nach Nahrung oder Medikamenten. Doch Beobachtungen der israelischen Armee zeichnen laut einem Bericht von Walla und Einschätzungen aus dem Südkommando ein zusätzliches Bild: Hamas soll in Teilen des Gazastreifens ihre Verwaltungs- und Einnahmestrukturen nicht verloren haben, sondern angepasst und teilweise wieder gefestigt haben.
Nach Angaben israelischer Sicherheitsquellen kontrolliert Hamas weiterhin Gebiete, die rund 40 Prozent der von der Organisation beherrschten Zonen umfassen sollen. Dort seien erneut Kontrollpunkte eingerichtet worden. Einer dieser Punkte befinde sich laut Bericht im Süden Gazas nahe der Al-Mawasi-Region, die teilweise als humanitäres Gebiet gilt.
Die Vorwürfe gegen Hamas sind konkret: Händler sollen auf Waren Abgaben zwischen 15 und 30 Prozent zahlen. Diese Steuern würden nach dem Transport in Lagerhäuser oder beim Weiterverkauf erhoben. Betroffen seien Lebensmittel, Alltagswaren und andere Handelsgüter. Israelische Sicherheitsanalysen sprechen von einem "mehrstufigen Einnahmesystem", das auf direkte Besteuerung, Gebühren und wirtschaftlichen Druck setzt.
Besonders hohe Einnahmen sollen laut Sicherheitskreisen aus Treibstoff und Zigaretten entstehen. Ehemalige Sicherheitsbeamte beschreiben diese Bereiche als "enorme Geldquellen". Treibstoff gilt dabei als strategisch wichtig, weil er sowohl zivile Infrastruktur als auch Generatoren und militärische Aktivitäten beeinflusst.
Die Einschätzung innerhalb Israels lautet: Hamas trennt ihre Finanzströme bewusst. Externe Gelder, vor allem aus dem Iran und aus internationalen Unterstützernetzwerken, sollen primär in militärische Strukturen fließen. Lokale Steuern im Gazastreifen würden dagegen genutzt, um Verwaltungsapparate, lokale Behörden und Kontrolle über den Alltag aufrechtzuerhalten.
Damit entsteht nach israelischer Analyse eine klare Arbeitsteilung:
Ausländische Finanzierung stärkt militärische Fähigkeiten.Lokale Steuern sichern Herrschaft und Verwaltung.Handel und Gebühren stabilisieren den Alltag unter Hamas-Kontrolle.
Hinzu kommt ein weiterer Vorwurf: Hamas soll Händler zwingen, bestimmte knappe Waren an Hamas-nahe Zwischenhändler abzugeben. Diese würden Produkte anschließend zu deutlich höheren Preisen weiterverkaufen. Gewinne entstünden nicht nur durch den Verkauf, sondern zusätzlich durch Besteuerung der Preisunterschiede auf Schwarzmärkten.
Das System gehe laut Sicherheitsquellen weit über klassische Steuern hinaus. Gebühren würden für Marktstände, Geschäftslizenzen und Handelsgenehmigungen verlangt. Wer sich verweigere, riskiere Beschlagnahmungen, Schließungen oder Druckmaßnahmen.
Ein besonders schwerwiegender Vorwurf betrifft humanitäre Hilfen. Nach israelischen Angaben gebe es Hinweise darauf, dass Treibstoff für Krankenhäuser umgeleitet werde. Generatorstrom oder Kraftstoff würden anschließend an Bewohner verkauft. Sollte dies zutreffen, würde humanitäre Hilfe indirekt Teil wirtschaftlicher Strukturen werden. Unabhängig überprüfen lassen sich solche Behauptungen häufig nur eingeschränkt.
Israels Militär beobachtet zugleich, dass trotz Krieg sichtbares Alltagsleben zurückkehrt. Auf Aufnahmen seien Straßenhändler, spielende Kinder und geöffnete Märkte zu sehen. Für die Bevölkerung wirkt das zunächst wie Normalisierung. Für Sicherheitsanalysten bedeutet wirtschaftliche Aktivität jedoch auch neue Einnahmequellen für Hamas.
Die Sorge geht über Geld hinaus. Laut israelischen Einschätzungen habe Hamas während der verlängerten Waffenruhe ihre öffentliche Kontrolle ausgeweitet. Bewaffnete Einheiten seien sichtbarer geworden, Verwaltungsbüros würden arbeiten und lokale Dienstleistungen schrittweise wiederhergestellt. Berichte sprechen zudem von nächtlichen Festnahmen gegen Kritiker.
Gleichzeitig soll Hamas versuchen, Zustimmung in der Bevölkerung zurückzugewinnen. Sicherheitsquellen berichten von Bargeldhilfen für Familien und öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen. Nach IDF-Schätzungen bleibe offene Kritik an Hamas derzeit begrenzt und gefährde die Herrschaft nicht ernsthaft.
Ein weiterer Punkt beschäftigt Israels Sicherheitsapparat besonders: die Entwaffnung. Vermittlungsbemühungen unter Beteiligung internationaler Akteure drehen sich seit Monaten um die Frage, ob Hamas Waffen abgeben würde. Laut israelischen Quellen signalisiert die Organisation Gesprächsbereitschaft, knüpft mögliche Schritte jedoch an Bedingungen wie israelischen Rückzug, Wiederaufbau oder schrittweise Lösungen.
Die Einschätzung israelischer Sicherheitsvertreter fällt skeptisch aus. Hamas habe keine Absicht erkennen lassen, ihre Waffen vollständig aufzugeben.
Ein ranghoher Sicherheitsvertreter formulierte die Sorge drastisch: Wenn Hamas nicht bereits entscheidend geschwächt wurde, könne die Organisation die Zeit nutzen, Kräfte sammeln und sich auf einen künftigen Konflikt vorbereiten.
Gleichzeitig sehen Beobachter einen Widerspruch: Viele Menschen in Gaza seien kriegsmüde und wollten Stabilität. Genau diese Stimmung könnte nach israelischer Einschätzung Hamas unter Druck setzen, zumindest nach außen kompromissbereiter zu wirken.
Für Israel entsteht daraus ein strategisches Problem. Militärischer Druck allein könnte nicht ausreichen, wenn finanzielle Netzwerke, Verwaltungsstrukturen und gesellschaftliche Kontrolle bestehen bleiben.
Die Debatte verschiebt sich deshalb zunehmend von Raketen und Tunneln zu Geldströmen, Steuern und Machtmechanismen. Denn Organisationen überleben nicht nur durch Waffen. Sie überleben oft durch Einnahmen, Verwaltung und die Fähigkeit, den Alltag einer Bevölkerung zu kontrollieren.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 17. Mai 2026