Netanjahus Zukunft wird offen diskutiert – Israels Rechte bereitet sich auf eine Zeit nach ihm vor


Israels Politik diskutiert eine Frage, die lange als Tabu galt: Könnte Benjamin Netanjahu bei kommenden Wahlen nicht mehr antreten? Gleichzeitig wächst der Druck durch Naftali Bennett.

Netanjahus Zukunft wird offen diskutiert – Israels Rechte bereitet sich auf eine Zeit nach ihm vor
Bildnachweis: Symbolbild / KI

In Israel beginnt eine Diskussion, die lange nur hinter verschlossenen Türen geführt wurde. Nicht mehr allein Oppositionspolitiker stellen die Frage, ob Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erneut kandidieren wird. Auch innerhalb des konservativen Lagers und unter Likud-Anhängern scheint ein Gedanke an Raum zu gewinnen, der früher fast als Tabu galt: Könnte Israels prägendster Politiker der vergangenen Jahrzehnte an einem Punkt angekommen sein, an dem Belastung, Alter, laufende Verfahren und Krieg zusammenwirken?

Nach Einschätzungen in der israelischen Politik könnte bereits in den kommenden Wochen der Weg zu vorgezogenen Wahlen eröffnet werden. Mehrere Termine kursieren intern. Doch die eigentliche Frage lautet nicht mehr nur, wann gewählt wird. Sondern mit wem.

Netanjahu hat politische Abschreibungen oft überlebt. Nach dem Machtverlust 2021 erklärten viele seine Karriere für beendet. Er kehrte zurück. Gerade deshalb bleiben Prognosen riskant. Dennoch unterscheidet sich die Lage heute deutlich von früheren Krisen.

Israel befindet sich weiterhin unter enormem sicherheitspolitischem Druck. Der Krieg gegen die Hamas ist nicht vollständig abgeschlossen, die Lage im Norden bleibt empfindlich, und trotz militärischer Erfolge gegen iranische Strukturen sehen zahlreiche Analysten Teherans Fähigkeiten nicht dauerhaft ausgeschaltet. Gleichzeitig laufen die Korruptionsverfahren gegen Netanjahu weiter. Prozesse, internationale Spannungen und innenpolitische Konflikte überlagern sich.

Hinzu kommt ein Faktor, über den israelische Medien früher deutlich vorsichtiger sprachen: körperliche Belastung. Der heute 76-jährige Regierungschef absolvierte jahrelang ein Arbeitspensum, das selbst Unterstützer als außergewöhnlich beschrieben. Inzwischen wird häufiger diskutiert, ob Dauerbelastung und gesundheitliche Themen künftig Teil politischer Kampagnen werden könnten.

Dabei wäre ein Rückzug keineswegs einfach. Netanjahus politisches Selbstverständnis war stets eng mit dem Bild des unersetzbaren Sicherheitsgaranten verbunden. Wer über Jahrzehnte seine Rolle als Schutzfigur Israels aufgebaut hat, verlässt die Bühne selten freiwillig.

Bennett zielt auf Netanjahus Kernwähler

Während über Netanjahus Zukunft spekuliert wird, arbeitet Naftali Bennett offenbar an einer Strategie, die das Umfeld des Regierungschefs nervös macht.

Bennett versucht nicht primär, klassische Oppositionswähler zu gewinnen. Sein Fokus scheint auf säkularen, traditionellen, nationalkonservativen Likud-Wählern zu liegen. Menschen, die sich selbst klar rechts sehen, aber mit der politischen Dauerkrise unzufrieden geworden sind.

Genau dort liegt die Gefahr für den Likud. Nicht ein linker Herausforderer könnte Stimmen kosten, sondern ein Politiker aus dem gleichen ideologischen Raum.

Bennett trägt allerdings eine schwere Hypothek. Viele rechte Wähler werfen ihm bis heute vor, nach früheren Zusagen gemeinsam mit Yair Lapid regiert zu haben. Ob diese Enttäuschung überwunden werden kann, dürfte eine der zentralen Fragen möglicher Neuwahlen werden.

Israel erlebt möglicherweise einen historischen Übergang

Noch ist offen, ob Netanjahu erneut kandidiert. Seine jüngsten Entscheidungen sprechen eher dagegen, dass ein Rückzug unmittelbar bevorsteht. Wer aufhören will, kämpft gewöhnlich nicht erbittert um Schlüsselpositionen im Sicherheitsapparat.

Trotzdem verändert allein die Tatsache, dass eine Nach-Netanjahu-Ära inzwischen öffentlich diskutiert wird, Israels politische Landschaft.

Fast zwei Jahrzehnte lang wurde Politik häufig entlang einer einzigen Frage organisiert: für oder gegen Netanjahu.

Sollte diese Konstante verschwinden, müsste sich die israelische Rechte neu definieren. Der Likud ebenso. Und möglicherweise ganz Israel.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 15. Mai 2026

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