Irans Raketenfabriken liegen in Trümmern, doch unter den Bergen wird weitergebaut

Irans Raketenfabriken liegen in Trümmern, doch unter den Bergen wird weitergebaut


Neue Satellitenbilder zeigen schwere Schäden an drei zentralen Raketenstandorten. Während die Produktion weitgehend stillsteht, erweitert Teheran seine Tunnelanlagen. Die nächste Aufrüstung könnte tief unter der Erde vorbereitet werden.

Irans Raketenfabriken liegen in Trümmern, doch unter den Bergen wird weitergebaut
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Irans wichtigste Raketenfabriken haben sich von den amerikanischen und israelischen Luftangriffen bislang nicht erholt. Große Produktionshallen liegen weiterhin in Trümmern, wichtige Anlagen zur Herstellung von Raketentreibstoff sind außer Betrieb, und an mehreren unterirdischen Einrichtungen bleiben Tunnelzugänge blockiert. Gleichzeitig zeigen neue Satellitenaufnahmen, dass das iranische Regime seine militärischen Aktivitäten keineswegs eingestellt hat. Besonders an zwei Standorten gibt es Hinweise auf Arbeiten unter der Erde, während bei Schahroud sogar neue Tunnelzugänge entstehen.

Das geht aus einer am 14. Oktober 2026 veröffentlichten Untersuchung des amerikanischen Foreign Policy Research Institute (FPRI) hervor. Vier Forscher untersuchten aktuelle Satellitenbilder der drei bedeutenden iranischen Raketenstandorte Parchin, Khojir und Schahroud. Ihre Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild: Die israelischen und amerikanischen Angriffe haben die industrielle Grundlage der iranischen Raketenproduktion erheblich beschädigt. Teheran versucht jedoch offenbar, zumindest Teile seiner Fähigkeiten wiederherzustellen und künftig besser gegen Luftangriffe zu schützen.

Besonders aufschlussreich ist der Unterschied zwischen dem Zustand der oberirdischen Fabriken und den Aktivitäten an unterirdischen Anlagen. Während zahlreiche Produktionsgebäude noch nicht einmal von Trümmern befreit wurden, sind an bestimmten Tunnelkomplexen bereits Reparaturen und neue Bauarbeiten erkennbar. Die Forscher vermuten deshalb, dass Iran versuchen könnte, empfindliche Arbeitsschritte bei der Herstellung oder Montage seiner Raketen stärker unter die Erde zu verlagern.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist diese Entwicklung von erheblicher Bedeutung. Das iranische Regime verfügt trotz der schweren militärischen Verluste weiterhin über technisches Wissen, verbliebene Raketenbestände und Möglichkeiten, vorhandene Bauteile zu neuen Waffen zusammenzusetzen. Selbst wenn große Fabriken vorerst nicht produzieren können, bedeutet das noch nicht, dass Iran seine Fähigkeit zum Bau ballistischer Raketen vollständig verloren hat.

Die Untersuchung widerspricht allerdings auch der Vorstellung, Teheran könne seine zerstörte Raketenindustrie bereits wieder in größerem Umfang betreiben. Die Schäden an den drei untersuchten Standorten sind dafür nach Einschätzung der Forscher zu schwer.

Parchin und Khojir: Zerstörte Fabriken, aber verdächtige Aktivitäten im Untergrund

Besonders große Schäden dokumentieren die Satellitenbilder in Parchin, einem militärisch-industriellen Komplex südöstlich von Teheran. Dort wurden unter anderem Anlagen zur Herstellung von Feststofftreibstoff für ballistische Raketen angegriffen. Solcher Treibstoff ist für moderne iranische Raketen von großer Bedeutung, weil er vergleichsweise kurze Startvorbereitungen ermöglicht und die Waffen dadurch schwerer vor ihrem Abschuss bekämpft werden können.

Nach der FPRI-Analyse sind die betreffenden Produktionsanlagen weiterhin nicht betriebsbereit. An mehreren Gebäuden liegen große Trümmermengen. Bevor dort wieder Raketenmotoren hergestellt werden könnten, müssten zunächst die zerstörten Einrichtungen geräumt, Gebäude wieder aufgebaut und spezielle Maschinen installiert werden. Dazu gehören industrielle Mischanlagen und Vorrichtungen, in denen der feste Raketentreibstoff verarbeitet wird.

In der Nähe befindet sich allerdings der unterirdische Komplex Shahid Boroujerdi. Er besitzt eine besondere Vorgeschichte. Nach den Erkenntnissen aus dem von Israel sichergestellten iranischen Atomarchiv war dort ursprünglich Infrastruktur vorgesehen, die mit dem früheren iranischen Nuklearwaffenprogramm in Verbindung stand. Unter anderem sollte die Anlage Einrichtungen zum Gießen von Uran beherbergen.

Während der amerikanisch-israelischen Angriffe wurden mehrere Bereiche des Tunnelkomplexes getroffen. Nach Einschätzung der Forscher ist der östliche Teil vermutlich nicht mehr nutzbar. Der westliche Bereich könnte dagegen weiterhin zugänglich sein.

Auffällig ist, dass ein Gebäude zur Versorgung des Tunnelkomplexes nach der Waffenruhe vergleichsweise schnell wiederhergestellt wurde. Auch Einschlagskrater wurden mit Erdreich aufgefüllt. Das beweist für sich genommen noch keine laufende Waffenproduktion, zeigt aber, dass die iranischen Behörden diesem unterirdischen Standort offenbar besondere Aufmerksamkeit widmen.

Hinzu kommt eine weitere Beobachtung: Außerhalb der Tunnel entdeckten die Forscher mehrere längliche Behälter mit einer Länge von ungefähr fünf bis dreizehn Metern. Ihre Form ähnelt Behältern, die bereits an anderen iranischen Raketenstandorten festgestellt wurden. Nach Einschätzung des FPRI könnten die größeren Exemplare für ballistische Raketen bestimmt sein, während die kürzeren möglicherweise Marschflugkörper oder Flugabwehrraketen aufnehmen.

Damit besteht die Möglichkeit, dass der Tunnelkomplex inzwischen eine Rolle bei der Lagerung, Herstellung oder Montage von Raketen spielt. Ein eindeutiger Nachweis dafür liegt allerdings nicht vor. Satellitenbilder zeigen die äußeren Strukturen und beobachtbare Bewegungen, nicht aber den tatsächlichen Inhalt der unterirdischen Anlagen.

Auch am Standort Khojir nahe Teheran sind die Schäden erheblich. Dort wurden praktisch sämtliche wichtigen Bereiche der militärischen Industrieanlage getroffen. Besonders betroffen sind zwei Produktionskomplexe für Feststofftreibstoff. Beide sind nach Einschätzung der Forscher weiterhin außer Betrieb.

Schwere Beschädigungen zeigen auch Einrichtungen, die mit der Herstellung von Raketen mit Flüssigtreibstoff verbunden sind. Dazu gehört der unterirdische Komplex Shahid Movahed, der nach bisherigen Erkenntnissen für die abschließende Montage solcher Raketen vorgesehen gewesen sein könnte.

Mehrere Tunnelzugänge wurden durch bunkerbrechende Waffen getroffen. Einer scheint nach der Satellitenanalyse wieder offen zu sein, während die Zugänglichkeit zweier weiterer Eingänge ungeklärt bleibt. Der größte Eingang ist weiterhin blockiert.

Gerade bei diesem Standort ergibt sich ein bemerkenswerter Widerspruch zu früheren Medienberichten. Das Wall Street Journal hatte im September unter Berufung auf amerikanische und nahöstliche Quellen gemeldet, Iran habe bereits wieder damit begonnen, in unterirdischen Anlagen neue ballistische Raketen aus vorhandenen Bauteilen zusammenzusetzen. Khojir wurde dabei als einer der relevanten Standorte genannt.

Die FPRI-Forscher sehen auf den aktuellen Satellitenbildern jedoch keine überzeugenden Hinweise auf eine solche Tätigkeit im bekannten Shahid-Movahed-Komplex. Im Gegensatz zu Shahid Boroujerdi seien dort nur begrenzte Aktivitäten erkennbar. Die anhaltenden Schäden sprächen gegen einen bereits wieder funktionierenden Montagebetrieb.

Damit ist nicht ausgeschlossen, dass Iran an einem anderen, bislang nicht identifizierten Standort Raketen montiert. Die Forscher betonen ausdrücklich die Grenzen ihrer Untersuchung. Sie halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass die vom Wall Street Journal beschriebene unterirdische Raketenmontage gegenwärtig in der bekannten Anlage Shahid Movahed stattfindet.

Dieser Unterschied ist für die Bewertung der iranischen militärischen Fähigkeiten entscheidend. Die Verwendung eingelagerter Bauteile zur begrenzten Montage einzelner Raketen ist etwas anderes als die Wiederherstellung einer leistungsfähigen industriellen Serienproduktion.

Schahroud: Während die Fabriken stillstehen, wächst ein neuer Tunnelkomplex

Am dritten untersuchten Standort, Schahroud, ergibt sich ein ähnliches Bild. Auch dort wurden Einrichtungen zur Herstellung von Feststofftreibstoff schwer beschädigt. Zwar sind die Räumungsarbeiten etwas weiter fortgeschritten als in Parchin und Khojir, doch zahlreiche Gebäude müssen noch wiederaufgebaut werden.

Einige Hallen zeigen erste Reparaturen, andere bestehen weiterhin nur aus beschädigten Gebäudestrukturen. Für eine vollständige Wiederaufnahme der Produktion fehlen nach Einschätzung der Forscher noch zahlreiche technische Einrichtungen.

Gleichzeitig wird nördlich der bisherigen Produktionsanlagen an einem neuen Tunnelkomplex gearbeitet. Die ersten Bauarbeiten begannen bereits im Herbst 2024, also lange vor der jüngsten amerikanisch-israelischen Angriffswelle. Ursprünglich wurden zwei Tunnelzugänge in einen Berg getrieben. Neue Satellitenaufnahmen deuten nun darauf hin, dass ein dritter Zugang hinzukommen könnte.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Erdarbeiten auch während der militärischen Auseinandersetzung fortgesetzt wurden. Vor den Eingängen sind große Mengen ausgehobenen Gesteins erkennbar. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass die Erweiterung der unterirdischen Anlage für Teheran weiterhin eine hohe Bedeutung besitzt.

Welche Einrichtungen dort künftig untergebracht werden sollen, ist nicht abschließend geklärt. Weil in der unmittelbaren Umgebung hauptsächlich Raketenindustrie angesiedelt ist, halten die Experten eine Nutzung für geschützte Produktions- oder Montagearbeiten für plausibel.

Damit zeichnet sich eine mögliche Veränderung der iranischen Rüstungsstrategie ab. Anstatt große Teile der empfindlichen Industrie erneut in oberirdischen Fabriken aufzubauen, könnte das Regime versuchen, besonders wichtige Arbeitsschritte in stärker geschützte Tunnelanlagen zu verlagern.

Eine solche Entwicklung würde spätere militärische Operationen erheblich erschweren. Oberirdische Produktionshallen lassen sich mit Satelliten und anderen Aufklärungsmitteln vergleichsweise gut beobachten. Unterirdische Einrichtungen sind dagegen schwerer zu beurteilen und können durch Fels, Beton und zusätzliche Schutzmaßnahmen gegen Angriffe gesichert werden.

Allerdings schützt auch ein Tunnel nicht automatisch sämtliche militärischen Fähigkeiten. Zugänge, Versorgungseinrichtungen und oberirdische Infrastruktur bleiben verwundbar. Zudem benötigen selbst tief gelegene Produktionsstätten spezialisierte Maschinen, Rohstoffe, Energie und funktionierende Transportwege.

Gerade diese Voraussetzungen sind nach der neuen Untersuchung ein wesentliches Hindernis für den raschen Wiederaufbau der iranischen Raketenindustrie.

Die FPRI-Forscher halten eine Wiederaufnahme der Produktion an einem der untersuchten Standorte innerhalb ungefähr eines Jahres grundsätzlich für möglich, sofern sich das Regime auf einen Standort konzentriert und die notwendigen Spezialmaschinen beschaffen kann. Besonders Schahroud wird in diesem Zusammenhang genannt.

Dabei handelt es sich jedoch um eine bedingte Einschätzung und nicht um eine gesicherte Prognose. Umfangreiche Schäden, fehlende Anlagen und mögliche Engpässe bei der Lieferung wichtiger Bauteile könnten den Wiederaufbau erheblich verzögern.

Hinzu kommt, dass die amerikanischen und israelischen Angriffe nicht nur die drei untersuchten Hauptstandorte trafen. Auch zahlreiche andere Einrichtungen, die einzelne Raketenkomponenten herstellen, wurden beschädigt. Selbst wenn eine große Produktionsstätte wieder funktionsfähig wäre, könnte der Mangel an bestimmten Bauteilen die Herstellung vollständiger Raketen weiterhin behindern.

Für Israel ergibt sich daraus eine doppelte Erkenntnis. Die Angriffe haben dem iranischen Raketenprogramm nachweisbar schwere industrielle Schäden zugefügt. Doch die verbleibenden unterirdischen Anlagen, mögliche Vorräte an Bauteilen und die fortgesetzten Tunnelarbeiten verhindern die Schlussfolgerung, die Bedrohung sei dauerhaft beseitigt.

haOlam hatte bereits Anfang Juni über iranische Arbeiten zur Freilegung beschädigter Raketentunnel berichtet. Ende Juli folgte eine Analyse der iranischen Strategie, Israel mit vergleichsweise kostengünstigen ballistischen Raketen zu einem teuren Abnutzungskrieg gegen seine Luftabwehr zu zwingen. Die neue Untersuchung ergänzt diese Berichte um eine entscheidende Frage: Wie schnell kann Teheran seine Fähigkeit zur Herstellung solcher Waffen tatsächlich wieder aufbauen?

Die Antwort fällt gegenwärtig weniger günstig für das iranische Regime aus, als manche früheren Meldungen vermuten ließen. Seine großen Raketenfabriken sind weiterhin schwer beschädigt. Die Reparaturen kommen nur begrenzt voran, und eine umfangreiche neue Serienproduktion ist an den untersuchten Standorten nicht erkennbar.

Dennoch wäre es gefährlich, daraus auf eine dauerhafte Entwaffnung Irans zu schließen. Das Regime verfügt weiterhin über Erfahrung, technisches Personal, möglicherweise eingelagerte Bauteile und die politische Entschlossenheit, seine militärischen Fähigkeiten wiederherzustellen. Neue unterirdische Anlagen könnten dafür eine wichtige Rolle spielen.

Israel muss deshalb zwischen zwei unterschiedlichen Entwicklungen unterscheiden: der gegenwärtig erheblich geschwächten industriellen Raketenproduktion und dem langfristigen Versuch Teherans, eine widerstandsfähigere militärische Infrastruktur aufzubauen.

Die neuen Satellitenbilder zeigen nicht, dass Iran bereits wieder so viele Raketen herstellen kann wie vor den Angriffen. Sie zeigen aber, dass das Regime trotz seiner Verluste weiter an den Voraussetzungen für eine spätere Aufrüstung arbeitet.

Oberirdisch sind die Folgen der israelischen und amerikanischen Angriffe noch überall sichtbar. Unter den Bergen hingegen entstehen möglicherweise bereits jene Anlagen, die bei einer nächsten militärischen Auseinandersetzung eine entscheidende Rolle spielen könnten.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 15. Oktober 2026

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