750 Euro kurzfristig benötigt
Bitte helfen Sie jetzt mit einem Beitrag
haOlam-news.de wird privat getragen und verursacht eigene laufende Kosten. Die bisherigen Beiträge reichen nicht, um die nächsten laufenden Verpflichtungen zu decken. Wenn haOlam-news.de so weiterarbeiten soll, brauchen wir jetzt kurzfristig 750 Euro. Bitte geben Sie, was Sie können. Schon 10 Euro helfen sofort; wer mehr geben kann, hilft mit 25, 50 oder 100 Euro besonders. Fragen? redaktion@haolam.de
Stand: 4% von 750 Euro. Ohne weitere Hilfe müssen wir den Umfang reduzieren oder einstellen.
4% 750 Euro

Irans Hardliner wollen die Feuerpause sprengen und den Krieg ausweiten


Während Trump der Diplomatie noch einmal Zeit gibt, fordern die radikalsten Kräfte in Teheran neue Angriffe und einen militärischen Bruch der amerikanischen Seeblockade. Das pragmatischere Lager warnt dagegen: Jeder weitere Kriegstag verschärft Irans wirtschaftlichen Absturz.

Irans Hardliner wollen die Feuerpause sprengen und den Krieg ausweiten
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die Feuerpause zwischen den Vereinigten Staaten und Iran hat in Teheran keinen Konsens über einen Ausweg aus dem Krieg geschaffen. Im Gegenteil: Während seit mehreren Nächten keine direkten amerikanischen oder iranischen Angriffe gemeldet wurden, streiten die Machtzentren des Regimes offen darüber, ob sie das diplomatische Zeitfenster nutzen oder den Konflikt gerade jetzt erneut eskalieren sollen.

Die radikalsten Stimmen verlangen, sämtliche indirekten Kontakte mit Washington abzubrechen, die amerikanische Seeblockade militärisch zu durchbrechen und neue Angriffe zu beginnen. Regierungsnahe und wirtschaftsorientierte Medien warnen dagegen vor einem weiteren Zusammenbruch der Versorgung, der Währung und der staatlichen Finanzen.

Dabei geht es nicht um einen grundsätzlichen Streit zwischen Frieden und Krieg. Beide Lager wollen das islamistische Regime erhalten. Sie unterscheiden sich vor allem in der Frage, ob militärische Eskalation oder taktische Diplomatie dafür derzeit das wirksamere Mittel ist.

„Jetzt ist nicht die Zeit, den Kampf einzustellen“

Besonders aggressiv äußerte sich die ultrakonservative Zeitung „Kayhan“, deren Chefredakteur vom obersten Führer bestimmt wird und die häufig Positionen des radikalsten Teils des iranischen Machtapparates verbreitet.

Das Blatt forderte das iranische Außenministerium auf, die indirekten Verhandlungen und geheimen Gesprächskanäle mit den Vereinigten Staaten zu beenden. Trumps Angriffspause dürfe nicht als Friedensangebot verstanden werden. Sie sei vielmehr Ausdruck amerikanischer Schwäche und erschöpfter militärischer Bestände.

„Kayhan“ behauptet, die amerikanischen Raketen- und Abfangvorräte seien durch die vergangenen Kampfwochen so weit reduziert worden, dass Washington eine Erholungspause benötige. Die iranische Führung müsse deshalb gerade jetzt den Druck erhöhen, die Blockade brechen und mit entschlossenen Angriffen eine neue regionale Ordnung erzwingen.

Belege für die weitreichende Behauptung, die amerikanische Kriegsführung sei bereits in einer militärischen Sackgasse angekommen, liefert das Blatt nicht. Tatsächlich berichteten westliche Medien über Sorgen hinsichtlich bestimmter Munitionsbestände und über Warnungen führender amerikanischer Militärs vor einer weiteren langfristigen Eskalation. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr zu massiven Angriffen fähig wären. Trump erklärte ausdrücklich, er könne bei einem Scheitern der Gespräche erneut eine deutlich stärkere militärische Operation anordnen.

Die „Kayhan“-PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen macht aus einer strategischen Entscheidung zur Kampfpause eine angebliche amerikanische Niederlage. Genau diese Erzählung soll die iranische Führung davon überzeugen, dass weitere Angriffe nicht nur möglich, sondern jetzt besonders erfolgversprechend seien.

Auch die Zeitung „Javan“, die den RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen nahesteht, argumentiert in diese Richtung. Sie spricht von einer „strukturellen Erschöpfung“ der amerikanischen Angriffsfähigkeiten und warnt, jedes Zögern gebe Washington Zeit, seine Luftverteidigung, Logistik und Munitionsbestände neu zu organisieren.

Damit drängen einflussreiche Stimmen aus dem Umfeld der Revolutionsgarden auf eine gefährliche Rechnung: Iran soll das Risiko einer neuen amerikanischen Angriffswelle eingehen, weil die Vereinigten Staaten angeblich für einen langen Krieg nicht vorbereitet seien.

Diese Rechnung könnte für Iran verheerend enden.

Die Feuerpause ist keine Schwäche der USA

Trump hat die Angriffe nicht beendet, weil Iran seine militärischen Ziele erreicht hätte. Er setzte sie aus, um laufenden Vermittlungsbemühungen eine weitere Chance zu geben. Im Mittelpunkt stehen die Wiederöffnung der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen und die mögliche Rückkehr zu umfassenderen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm.

Die amerikanische Regierung macht zugleich deutlich, dass dieses Zeitfenster begrenzt ist. Trump erklärte gegenüber N12 und Axios, die Gespräche müssten schnell Fortschritte bringen. Andernfalls könnten die Vereinigten Staaten wieder zu starken militärischen Maßnahmen greifen.

Iranische Hardliner stellen diese Drohung als Bluff dar. Das gehört seit Jahren zur Strategie des Regimes. Jede diplomatische Zurückhaltung des Gegners wird als Angst ausgelegt, jeder militärische Schlag als Beweis amerikanischer Aggression und jedes Verhandlungsangebot als Gelegenheit, Zeit zu gewinnen.

Doch die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass Washington bereit ist, iranische Militäranlagen, Küstenverteidigung, RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, Logistik und Infrastruktur über viele Nächte hinweg anzugreifen. Die amerikanische Luftwaffe weitete ihre Ziele zuletzt von Küstenstellungen auf Einrichtungen tiefer im iranischen Staatsgebiet aus.

Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob die USA erneut zuschlagen können. Die Frage ist, welchen Preis Trump zu zahlen bereit ist und wie lange er einen militärischen Einsatz fortsetzen will.

Genau auf diese Unsicherheit setzen die Radikalen in Teheran.

Das pragmatischere Lager zählt die Kosten

Während „Kayhan“ und „Javan“ den nächsten Angriff vorbereiten wollen, beschreiben andere iranische Medien die Feuerpause als dringend benötigte Überlebenszeit.

Die Zeitung „Etemad“ argumentiert, jede Nacht ohne Angriffe verringere die Gefahr weiterer Schäden an Infrastruktur, Versorgung und Wirtschaft. Ihre Schlagzeile „Diplomatie im Belagerungsring des Misstrauens“ fasst die Lage des Regimes zusammen: Teheran traut Washington nicht, kann sich einen unbegrenzten Krieg aber immer weniger leisten.

Die Wirtschaftszeitung „Donya-ye Eqtesad“ sieht in der Pause eine Gelegenheit, den Absturz der Landeswährung und weitere Preissprünge auf dem Gold- und Devisenmarkt zumindest vorübergehend zu bremsen. Die Zeitung „Shargh“ warnt zusätzlich davor, nach dem Angriff auf ein iranisches Schiff im Kaspischen Meer eine weitere Front gegen die Ukraine zu eröffnen. Eine solche Eskalation könnte wichtige Handelswege gefährden und Irans wirtschaftliche Isolation weiter verschärfen.

Diese Stimmen sind nicht plötzlich zu Gegnern des Regimes oder Unterstützern Israels geworden. Sie erkennen lediglich, dass Iran militärisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich unter zunehmendem Druck steht.

Das pragmatischere Lager will die Feuerpause nutzen, damit das Regime Geld beschafft, seine Versorgung stabilisiert und diplomatische Zugeständnisse erhält. Es spricht für Verhandlungen, weil der Krieg für die Islamische Republik zu teuer wird, nicht weil Teheran seine Feindschaft gegenüber IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, den USA oder der regionalen Ordnung aufgegeben hätte.

Washington setzt auf Irans empfindlichste Stelle

In der amerikanischen Regierung wächst nach einem Bericht von Axios die Überzeugung, dass wirtschaftlicher Druck Iran langfristig schwerer treffen könnte als einzelne Bombardierungen.

Amerikanische Geheimdiensterkenntnisse und öffentlich verfügbare Daten sollen auf erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, Treibstoffengpässe und wachsende Sorgen innerhalb des Regimes hindeuten. Ein hochrangiger Regierungsvertreter erklärte, Iran wolle zwar ein Ende der Bombardierungen, vor allem aber Zugang zu Geld.

Nach amerikanischer Einschätzung klagen iranische Stellen bereits darüber, Kämpfer und verbündete Kräfte nicht ausreichend bezahlen zu können. Hinzu kommen Sorgen vor massenhaften Abhebungen bei Banken und vor weiteren Engpässen bei Benzin und anderen Gütern. Der Druck des amerikanischen Finanzministeriums könnte damit an einem Punkt ansetzen, den Raketen und Drohnen nur begrenzt erreichen: der Fähigkeit des Regimes, Loyalität zu kaufen und seinen Repressionsapparat zu finanzieren.

Die Trump-Regierung hat im Rahmen ihrer Kampagne des maximalen Drucks Sanktionen gegen zahlreiche Personen, Schiffe, Flugzeuge, Finanznetzwerke und Akteure des iranischen Ölhandels verhängt. Ziel ist es, die Einnahmen aus Energieexporten, den Zugang zum internationalen Finanzsystem und die Beschaffung militärischer Güter einzuschränken.

Dieser Ansatz braucht länger als ein Luftangriff. Eine Bombe kann eine militärische Anlage innerhalb weniger Sekunden zerstören. Sanktionen wirken über Monate, treffen Lieferketten, Finanzierung, Handel und die Fähigkeit des Staates, seine laufenden Verpflichtungen zu erfüllen.

Gerade deshalb sind sie für Iran gefährlich. Das Regime kann zerstörte Gebäude als Zeichen angeblicher Standhaftigkeit inszenieren. Einen dauerhaften Geldmangel, unbezahlte Kämpfer, leere Treibstofflager und eine fallende Währung kann es schwerer als Sieg verkaufen.

Doch Iran ist noch nicht wirtschaftlich besiegt

Die amerikanische Strategie darf dennoch nicht auf Wunschdenken beruhen. Iran besitzt weiterhin erhebliche Einnahmen aus dem Ölgeschäft und hat trotz Sanktionen Wege gefunden, Exporte vor allem über China abzuwickeln.

Ein in der Berichterstattung zitierter Experte schätzt, dass Teheran allein im ersten Halbjahr rund 23 Milliarden Dollar mit Öl verdient habe. Sollte diese Zahl zutreffen, lägen die Einnahmen sogar über Teilen der iranischen Haushaltsplanung.

Auch eine Seeblockade ist kein risikoloses Instrument. Sie verlangt dauerhafte militärische Präsenz, kann zu direkten Zusammenstößen führen und bietet dem iranischen Regime einen Vorwand, weitere Angriffe auf Handelsschiffe oder amerikanische Verbündete als angebliche Selbstverteidigung darzustellen.

Wirtschaftlicher Druck kann das Regime schwächen. Er garantiert aber nicht, dass die Führung kapituliert oder ihre nuklearen und regionalen Ziele aufgibt. Autoritäre Systeme können erhebliche Kosten auf die eigene Bevölkerung abwälzen, während sie Polizei, Revolutionsgarden und ideologisch zuverlässige Kräfte bevorzugt versorgen.

Die iranischen Hardliner gehen offenbar davon aus, dass die Bevölkerung noch länger leiden kann als westliche Regierungen politisch durchhalten. Auch das ist Teil ihrer Eskalationsstrategie.

Teherans Streit zeigt die Schwäche des Regimes

Die offene Auseinandersetzung in den iranischen Medien offenbart, dass die Führung keinen überzeugenden Weg aus der Krise besitzt.

Die Radikalen können nicht erklären, wie Iran eine neue amerikanische Angriffswelle militärisch gewinnen soll. Sie versprechen, die Blockade zu brechen, ohne den Preis eines direkten Kampfes mit der US-Marine zu benennen.

Das pragmatischere Lager kann dagegen nicht erklären, weshalb Washington nach den bisherigen Vertragsbrüchen erneut Vertrauen in iranische Zusagen haben sollte. Es fordert Diplomatie, ohne eine Aufgabe des Atomprogramms, der Raketenrüstung oder der Unterstützung für Terrororganisationen anzubieten.

Beide Seiten wollen die Islamische Republik retten.

Die eine Seite will dies durch Eskalation und Abschreckung erreichen.

Die andere setzt auf Zeitgewinn, wirtschaftliche Entlastung und begrenzte Zugeständnisse.

Für Israel und die Vereinigten Staaten folgt daraus eine klare Konsequenz: Die Feuerpause darf nicht zu einer kostenlosen Erholungsphase für das Regime werden.

Jede weitere Nacht ohne Angriffe muss an überprüfbare iranische Schritte gebunden sein. Dazu gehören die sichere Öffnung der Straße von Hormus, ein Ende der Angriffe auf Schiffe und amerikanische Einrichtungen, Zugang zu verdächtigen Nuklearanlagen und nachprüfbare Grenzen für Urananreicherung, Raketenprogramme und Waffenlieferungen an Terrorarme.

Diplomatie ist kein Wert an sich, wenn sie Iran lediglich Zeit verschafft, seine militärischen Fähigkeiten neu zu ordnen.

Trump darf die falsche Lehre nicht zulassen

Die gefährlichste Entwicklung wäre, wenn Teherans Hardliner am Ende recht behalten würden.

Sollte Iran nach Angriffen auf Schiffe, amerikanische Stützpunkte und regionale Nachbarn finanzielle Erleichterungen, politische Anerkennung oder Kontrolle über die Straße von Hormus erhalten, könnte das Regime die Eskalation als Erfolg verkaufen.

Dann würde „Kayhan“ nicht lernen, dass der Krieg Iran an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs gebracht hat. Das Blatt würde behaupten, nur Raketen, Drohnen und Erpressung hätten Washington zum Einlenken gezwungen.

Trump muss deshalb Diplomatie und Druck miteinander verbinden. Die Feuerpause kann bestehen, solange Iran konkrete Schritte unternimmt. Bleiben diese aus oder beginnt Teheran erneut mit Angriffen, muss das Regime wissen, dass die militärische Antwort nicht schwächer, sondern härter ausfallen wird.

Der Streit in Teheran zeigt, dass der Druck wirkt.

Er zeigt aber auch, dass die gefährlichsten Kräfte des Regimes noch immer glauben, sie könnten aus einem größeren Krieg als Sieger hervorgehen.

Diese Illusion darf Washington nicht mit einem schlechten Abkommen bestätigen.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 30. Juli 2026

haOlam-News unterstützen

haOlam-News ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

Weitere interessante Artikel

Newsletter