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Irans Raketenstrategie: billig angreifen, Israels Abwehr teuer zermürben


Die Kheibar-Shekan ist schnell verlegbar, präzise und schwerer abzufangen als ältere iranische Raketen. Teheran nutzt sie für einen Abnutzungskrieg gegen Israel und amerikanische Stützpunkte.

Irans Raketenstrategie: billig angreifen, Israels Abwehr teuer zermürben
Bildnachweis: Symbolbild

Iran verbessert seine Angriffe mit ballistischen Raketen und stellt IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen sowie die Vereinigten Staaten damit vor ein wachsendes Problem. Im Mittelpunkt steht die Kheibar-Shekan, eine mobile Mittelstreckenrakete mit Feststoffantrieb, die Ziele in einer Entfernung von mindestens 1.400 Kilometern erreichen kann.

Nach Angaben amerikanischer Regierungsvertreter setzte Iran diesen Raketentyp zuletzt gegen Stützpunkte und andere Einrichtungen der USA im Nahen Osten ein. Die meisten Geschosse seien von amerikanischen und verbündeten Abwehrsystemen zerstört worden. Einige Raketen hätten die Verteidigung jedoch überwunden. Teheran variiere Flugbahnen, Geschwindigkeiten und Manöver, um Radar- und Abwehrsysteme zu täuschen.

Die Gefahr liegt nicht allein in der Reichweite. Kheibar-Shekan-Raketen lassen sich schneller für einen Angriff vorbereiten als viele ältere iranische Modelle. Ihr Feststoffantrieb macht eine langwierige Betankung unmittelbar vor dem Start überflüssig. Die Raketen können geschützt gelagert, auf mobile Abschussfahrzeuge verladen und kurzfristig an wechselnde Startorte gebracht werden.

Dadurch verkürzt sich die Zeit, in der israelische oder amerikanische Flugzeuge eine Rakete vor ihrem Start entdecken und zerstören können. Ein Abschussfahrzeug kann einen Tunnel oder eine unterirdische Anlage verlassen, seine Rakete starten und den Ort anschließend wieder verlassen. Je kürzer dieser Ablauf dauert, desto kleiner wird das Zeitfenster für einen Luftangriff.

Die amerikanische Defense Intelligence Agency nennt für die Kheibar-Shekan eine von Iran angegebene Reichweite von 1.450 Kilometern und eine Nutzlast von etwa 500 Kilogramm. Die Behörde dokumentierte außerdem die deutliche technische Ähnlichkeit zwischen der iranischen Rakete und dem von den HouthisHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen präsentierten System Hatem. Damit zeigt sich erneut, dass Irans Raketenprogramm nicht an den eigenen Landesgrenzen endet. Teheran verbreitet seine Technik und sein Wissen an verbündete Terrorarmeen in der Region.

Jede abgefeuerte Rakete liefert Iran neue Erkenntnisse

Iran nutzt den gegenwärtigen Krieg nicht nur, um Schaden anzurichten. Jeder Angriff dient zugleich als praktischer Versuch unter realen Gefechtsbedingungen.

Die RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen können auswerten, welche Flugrouten häufiger erkannt werden, bei welchen Geschwindigkeiten die Abwehr reagiert und welche Manöver in der Endphase die größten Erfolgsaussichten bieten. Auch ein abgeschossenes Geschoss kann wertvolle Informationen liefern, wenn Iran nachvollziehen kann, wann und durch welches System es erfasst wurde.

Der Raketenexperte Fabian Hinz erklärte dem „Wall Street Journal“, jeder Kampfeinsatz liefere dem iranischen Militär neue Daten. Teheran könne dadurch erkennen, welche Manöver sich besonders gut eignen, um eine Raketenabwehr zu überwinden.

Bei einigen Ausführungen soll der Gefechtskopf in der letzten Flugphase Kurskorrekturen vornehmen können. Kleine Steuertriebwerke und die besondere Form des Wiedereintrittskörpers erschweren es der Abwehr, den genauen Einschlagpunkt frühzeitig zu berechnen. Nach dem Bericht erreicht der Gefechtskopf in dieser Phase eine Geschwindigkeit von ungefähr 10.000 Kilometern pro Stunde.

Solche Angaben sind nicht mit der Behauptung zu verwechseln, die Rakete könne jede moderne Luftverteidigung zuverlässig überwinden. Israel und die Vereinigten Staaten haben nach eigenen Angaben den größten Teil der bislang eingesetzten Kheibar-Shekan-Raketen abgefangen. Eine hundertprozentige Abwehr gibt es jedoch nicht.

Schon einzelne durchgebrochene Raketen können erhebliche Schäden verursachen. Das gilt besonders dann, wenn Teheran nicht nur eine Raketenart einsetzt, sondern gleichzeitig ballistische Raketen, schnelle Angriffsdrohnen und technisch einfachere Flugkörper startet.

Die langsameren Drohnen zwingen die Verteidiger zu einer frühen Reaktion. Andere Geschosse fliegen auf abweichenden Routen oder erreichen das Ziel zu einem anderen Zeitpunkt. Ballistische Raketen greifen währenddessen aus großer Höhe und mit hoher Geschwindigkeit an. Die Verteidigung muss zahlreiche Ziele gleichzeitig erkennen, unterscheiden und den passenden Abfangsystemen zuweisen.

Iran versucht auf diese Weise, die Luftverteidigung nicht nur technisch, sondern auch mengenmäßig zu überfordern.

Zu den genannten Zielen gehören Radaranlagen, die für die Raketenabwehr notwendig sind, sowie Unterkünfte amerikanischer Soldaten. Ein Angriff auf ein Radar soll nicht nur das unmittelbar getroffene System beschädigen. Er soll die Abwehr für nachfolgende Raketen schwächen.

Das ist eine gezielte Strategie. Iran schießt nicht mehr lediglich möglichst viele Raketen in Richtung eines Gegners. Das Regime versucht, die verschiedenen Angriffsmittel so zu kombinieren, dass sie sich gegenseitig ergänzen und die Verteidigung Schritt für Schritt belasten.

Iran setzt auf den Preisunterschied

Die Kheibar-Shekan ist nach Einschätzung von Fachleuten erheblich günstiger als die amerikanischen und israelischen Abfangraketen, die gegen sie eingesetzt werden müssen. Einen verlässlichen Preis für die iranische Rakete veröffentlicht Teheran nicht. Nach den vom „Wall Street Journal“ zitierten Schätzungen können moderne Abfangraketen je nach System zwischen etwa zwei und 15 Millionen US-Dollar kosten.

Der Preisvergleich allein entscheidet keinen Krieg. Eine Rakete, die einen Luftwaffenstützpunkt, ein Kraftwerk oder ein bewohntes Gebäude treffen kann, muss abgefangen werden, auch wenn die Verteidigung deutlich teurer ist als das angreifende Geschoss.

Dennoch besitzt Iran dadurch einen strategischen Vorteil. Das Regime kann versuchen, vergleichsweise günstig produzierte Raketen und Drohnen in großen Mengen einzusetzen. Israel und die USA müssen dagegen hochentwickelte Abwehrkörper verbrauchen, deren Produktion teuer ist und viel Zeit benötigt.

Teherans Ziel besteht deshalb nicht nur darin, möglichst viele direkte Treffer zu erzielen. Die Revolutionsgarden wollen die Bestände ihrer Gegner leeren, ihre Radaranlagen unter Dauerstress setzen und sie zu immer höheren Ausgaben zwingen.

Genau diese Belastung spielt inzwischen auch bei den amerikanischen Entscheidungen über weitere Angriffe auf Iran eine wichtige Rolle. Eine größere US-Offensive könnte umfangreiche iranische Gegenangriffe auslösen. Washington müsste dann zusätzliche Patriot-, THAAD- und andere Abfangraketen einsetzen, um seine Soldaten und Stützpunkte in der Region zu schützen.

Das Center for Strategic and International Studies bezeichnet Irans Bestand als das größte und vielfältigste Raketenarsenal des Nahen Ostens. Teheran habe seine Anstrengungen über Jahre darauf konzentriert, Reichweite, Genauigkeit und Zerstörungskraft zu verbessern. Die Systeme bedrohten Israel ebenso wie amerikanische und verbündete Streitkräfte in der Region.

Vor Beginn des Krieges gingen amerikanische und israelische Schätzungen laut dem aktuellen Bericht von rund 2.500 Kheibar-Shekan-Raketen und anderen Mittelstreckenraketen aus. Die genaue Zahl ist nicht öffentlich überprüfbar. Zudem wurden wichtige iranische Produktionsanlagen, darunter Einrichtungen für Raketenmotoren, schwer getroffen oder zerstört.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Iran keine neuen Raketen mehr bauen kann. In unterirdischen Anlagen könnten weiterhin vorhandene Bauteile zusammengesetzt werden. Auch große Vorräte, die vor dem Krieg angelegt wurden, bleiben eine Gefahr. Angriffe auf Fabriken verringern die künftige Produktion, beseitigen aber nicht automatisch bereits eingelagerte Systeme.

Iran hat außerdem gezeigt, dass es beschädigte Anlagen schnell repariert oder verlagert. Satellitenaufnahmen deuten darauf hin, dass Teile der militärischen Infrastruktur trotz amerikanischer und israelischer Angriffe wiederhergestellt werden. Unterirdische Lager und Tunnel erschweren eine vollständige Zerstörung zusätzlich.

Für Israel folgt daraus eine unbequeme Wahrheit: Selbst erfolgreiche Luftangriffe lösen das iranische Raketenproblem nicht dauerhaft. Produktionsanlagen, Startfahrzeuge, unterirdische Lager, Kommandostrukturen und technische Fachkräfte müssen gemeinsam getroffen werden. Gleichzeitig muss Israel genügend Abfangraketen herstellen oder beschaffen, um längere Angriffswellen überstehen zu können.

Teheran setzt darauf, dass offene Gesellschaften schneller müde werden als das Regime. Iran kann militärische Verluste verbergen, zivile Opfer für PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen nutzen und enorme Mittel in Waffen investieren, während die eigene Bevölkerung unter wirtschaftlicher Not leidet.

Israel kann diese Rechnung nicht übernehmen. Es muss seine Bürger schützen, seine Wirtschaft aufrechterhalten und zugleich verhindern, dass die Revolutionsgarden aus jedem Angriff neue Erkenntnisse für die nächste Raketenserie gewinnen.

Die Kheibar-Shekan ist keine unbesiegbare Wunderwaffe. Sie kann entdeckt, bekämpft und abgefangen werden. Gefährlich ist die Verbindung ihrer Eigenschaften: ausreichende Reichweite, mobile Abschussmöglichkeiten, kurze Startvorbereitung, ein manövrierfähiger Gefechtskopf und vergleichsweise niedrige Herstellungskosten.

Damit kann Iran fast den gesamten Nahen Osten bedrohen und seine Gegner in einen teuren Abnutzungskrieg zwingen.

Jede abgefangene Rakete schützt Menschenleben.

Doch jede gestartete Rakete kostet Israel und die USA Zeit, Geld und knappe Abwehrmunition.

Genau darauf zielt Teherans Strategie.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 26. Juli 2026

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