Sommer-Unterstützung
haOlam-news.de braucht Unterstützung für den Sommer
haOlam-news.de wird privat getragen und verursacht eigene laufende Kosten. Damit Redaktion, Technik und laufende Arbeiten auch im Sommer verlässlich weitergehen können, bitten wir unsere Leserinnen und Leser jetzt um konkrete Unterstützung.
50 Euro helfen besonders. Auch größere Beiträge sind willkommen.

Trumps Rückzug schenkt Teheran einen Sieg


Nur wenige Stunden brauchte Donald Trump, um seine angekündigte Abgabe für die Straße von Hormus wieder einzuziehen. Teheran nutzt den überstürzten Vorstoß nun, um die eigene Erpressung der internationalen Schifffahrt nachträglich als rechtmäßig darzustellen.

Trumps Rückzug schenkt Teheran einen Sieg
Bildnachweis: The White House

Es war eine Ankündigung von gewaltiger Tragweite, doch sie hielt nicht einmal einen ganzen Tag. US-Präsident Donald Trump erklärte zunächst, die Vereinigten Staaten würden künftig die Sicherheit in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen gewährleisten und dafür eine Abgabe von 20 Prozent auf sämtliche Waren verlangen, die durch die strategisch bedeutende Meerenge transportiert werden. Schon wenige Stunden später nahm er den Plan zurück.

An die Stelle der angekündigten Abgabe sollen nun Handels- und Investitionsvereinbarungen mit den Golfstaaten treten. Trump sprach von „massiven“ Investitionen in den Vereinigten Staaten, nannte jedoch weder konkrete Staaten noch Summen oder bereits abgeschlossene Verpflichtungen. Die Straße von Hormus solle für den internationalen Schiffsverkehr geöffnet bleiben, während Schiffe mit iranischen Häfen, iranischer Ladung oder iranischem Bezug weiterhin von der amerikanischen Blockade betroffen sein sollen.

In Washington mag der Rückzug als Ergebnis erfolgreicher Gespräche mit den arabischen Golfstaaten dargestellt werden. In Teheran wird er dagegen als amerikanische Kapitulation gefeiert. Das iranische Regime hat schnell erkannt, welchen politischen Fehler Trump mit seiner kaum vorbereiteten Ankündigung begangen hat: Der US-Präsident lieferte der Islamischen Republik genau jenes Argument, das sie benötigt, um ihren eigenen Anspruch auf Gebühren und Kontrolle in der Straße von Hormus zu rechtfertigen.

Teheran kassiert den propagandistischen Gewinn

Irans Außenminister Abbas Araghtschi reagierte mit unverhohlener Häme. Wer Handelsschiffen eine sichere Durchfahrt ermögliche, müsse für diese Dienstleistung bezahlt werden, erklärte er. Die von Trump genannten 20 Prozent seien zwar zu hoch, Iran werde jedoch „fair“ sein. Zugleich beanspruchte Araghtschi für sein Land die dauerhafte Rolle als Wächter der Straße von Hormus.

Diese Darstellung verdreht die tatsächlichen Verhältnisse. Iran bietet der internationalen Schifffahrt keine Sicherheit, die ohne das Regime nicht notwendig wäre. Die Islamische Republik und ihre Streitkräfte haben die Unsicherheit in der Meerenge selbst geschaffen. Handelsschiffe wurden bedroht, angegriffen oder zur Nutzung von Teheran vorgeschriebener Routen gezwungen. Schiffe sollten sich bei einer neu geschaffenen iranischen Behörde registrieren lassen, während der Iran seine geografische Lage dazu nutzte, den Welthandel und die Energieversorgung zahlreicher Staaten unter Druck zu setzen. Nach Angaben der britischen Schifffahrtsbehörde wurden seit Ende Juni mehrere Angriffe auf Schiffe nahe der omanischen Küste gemeldet.

Wenn ein Staat zunächst die Gefahr schafft und anschließend Geld für den Schutz vor dieser Gefahr verlangt, handelt es sich nicht um eine gewöhnliche Dienstleistung. Teherans Argumentation ähnelt vielmehr einem politischen Schutzgeldmodell. Das Regime versucht, seine militärische Fähigkeit zur Störung des Schiffsverkehrs in ein vermeintliches Recht auf Einnahmen umzudeuten.

Genau deshalb war Trumps Vorstoß so problematisch. Statt den Unterschied zwischen freier Schifffahrt und iranischer Erpressung klar herauszuarbeiten, übernahm er für einige Stunden die Sprache und die Logik Teherans. Eine pauschale Abgabe von 20 Prozent auf den Wert sämtlicher Ladungen hätte nicht nur die Warenpreise erheblich erhöht. Sie hätte auch den Eindruck erweckt, dass die freie Durchfahrt durch eine internationale Meerenge grundsätzlich von der Zahlung an jene Macht abhängig gemacht werden dürfe, die dort gerade militärische Stärke zeigt.

Iranische Kommentatoren griffen diese Vorlage sofort auf. Konservative Stimmen erklärten, wenn selbst Trump eine Gebühr verlange, könne die Erhebung entsprechender Zahlungen durch Iran kaum gegen das Völkerrecht verstoßen. Andere behaupteten, Washington habe den iranischen Standpunkt damit unbeabsichtigt anerkannt. Selbst regimekritische Beobachter mussten einräumen, dass Trump Teheran einen willkommenen propagandistischen Ansatz geliefert hatte.

Dabei ist die Rechtslage keineswegs so, wie das iranische Regime sie darstellt. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation bekräftigte ausdrücklich, dass die Durchfahrt durch die Straße von Hormus frei von Zöllen und anderen Abgaben bleiben müsse. Das Recht auf ungehinderte und nicht diskriminierende Passage dürfe weder eingeschränkt noch ausgesetzt werden. Auch Maßnahmen der Anrainerstaaten zur Verkehrsregelung müssen sich nach den anerkannten internationalen Vorgaben richten.

Zwar können für konkrete und tatsächlich erbrachte Leistungen, beispielsweise eine freiwillig genutzte Lotsenbegleitung, begrenzte Kosten berechnet werden. Das ist jedoch etwas grundlegend anderes als eine pauschale Abgabe auf jede Ladung oder eine Zahlung, die unter militärischem Druck erzwungen wird. Selbst das deutsche Schifffahrtsunternehmen Hapag-Lloyd bezeichnete Gebühren für die Durchfahrt durch internationale Gewässer als grundsätzlich falsch.

Ein Rückzug mit Folgen

Trumps Entscheidung, den Plan zurückzunehmen, war sachlich notwendig. Eine Abgabe von 20 Prozent hätte nicht nur eine internationale Rechtsdebatte ausgelöst, sondern die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges weiter verschärft. Problematisch bleibt jedoch, wie leichtfertig ein derart weitreichender Vorschlag öffentlich gemacht wurde.

Politische Führung zeigt sich nicht darin, möglichst große Zahlen und weitreichende Forderungen zu verkünden. Sie zeigt sich darin, dass eine Maßnahme vor ihrer Bekanntgabe rechtlich, wirtschaftlich und strategisch geprüft wird. Wer eine Drohung innerhalb weniger Stunden wieder einziehen muss, vermittelt dem Gegner nicht Entschlossenheit, sondern mangelnde Vorbereitung.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist diese Entwicklung besonders bitter. Seit Jahren warnt das Land davor, dass die Islamische Republik internationale Verkehrswege, Terrororganisationen und militärische Gewalt als Mittel politischer Erpressung einsetzt. Die Sicherheit der Straße von Hormus ist kein regionales Nebenthema. Über diese schmale Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman laufen Energie- und Warenströme, von denen große Teile der Weltwirtschaft abhängen.

Die entscheidende Aufgabe besteht deshalb darin, Iran die Möglichkeit zur militärischen Beherrschung der Meerenge zu nehmen, ohne den iranischen Anspruch auf Gebühren, Kontrolle oder politische Belohnung zu übernehmen. Die Kosten für die Sicherung der freien Schifffahrt können zwischen verbündeten Staaten geregelt werden. Sie dürfen aber nicht als pauschaler Tribut auf den Welthandel gelegt werden.

Teheran versucht nun, aus einer zurückgenommenen amerikanischen Ankündigung eine Anerkennung seiner eigenen Forderungen zu konstruieren. Das ändert nichts daran, dass Iran kein neutraler Sicherheitsanbieter ist. Das Regime ist der wichtigste Verursacher der Gefahr, vor der es die Schiffe angeblich schützen will.

Trump hat den Fehler korrigiert. Doch in einem Informationskrieg bleibt auch eine wenige Stunden alte Ankündigung dauerhaft verwertbar. Teheran wird sie noch lange zitieren. Der Vorgang zeigt, wie schnell unbedachte Worte einen militärisch geschwächten Gegner politisch stärken können.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 15. Juli 2026

haOlam-News unterstützen

haOlam-News ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

Weitere interessante Artikel

Newsletter