Sommer-Unterstützung
haOlam-news.de braucht Unterstützung für den Sommer
haOlam-news.de wird privat getragen und verursacht eigene laufende Kosten. Damit Redaktion, Technik und laufende Arbeiten auch im Sommer verlässlich weitergehen können, bitten wir unsere Leserinnen und Leser jetzt um konkrete Unterstützung.
50 Euro helfen besonders. Auch größere Beiträge sind willkommen.

Trump nimmt Irans tief verborgenen Atomkomplex Pickaxe Mountain ins Visier


Iran baut nahe Natanz an einem unterirdischen Tunnelkomplex weiter, den Inspektoren nie betreten durften. Trump kündigt einen möglichen US-Angriff an, während das Regime Zweck und Inhalt der Anlage geheim hält.

Trump nimmt Irans tief verborgenen Atomkomplex Pickaxe Mountain ins Visier
Bildnachweis: Imagery from LANCE FIRMS operated by NASA's Earth Science Data and Information System (ESDIS) with funding provided by NASA Headquarters.

US-Präsident Donald Trump hat einen möglichen Angriff auf den iranischen Tunnelkomplex Pickaxe Mountain angekündigt. Die tief in einen Berg südlich der Atomanlage Natanz gebaute Anlage gehört zu den am stärksten geschützten und zugleich am wenigsten kontrollierten Teilen des iranischen Atomprogramms.

In einem Interview mit dem konservativen Radiomoderator Hugh Hewitt erklärte Trump, die Vereinigten Staaten beobachteten den Standort genau. Pickaxe Mountain sei ein mögliches Ziel für einen schweren Schlag direkt gegen einen der Tunneleingänge. Später sagte er noch deutlicher, die USA würden die Anlage ausschalten und Iran müsse sich darauf vorbereiten. Einen Zeitpunkt nannte der Präsident nicht. Er stellte einen Angriff jedoch als möglicherweise unmittelbar bevorstehend dar.

Die Äußerung fällt in eine Phase erneuter amerikanischer Angriffe auf iranische RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, Drohnenanlagen, Marineeinrichtungen und militärische Infrastruktur entlang der Küste. Washington setzt Teheran zusätzlich mit einer neuen Seeblockade unter Druck. Pickaxe Mountain wäre jedoch ein Ziel anderer Bedeutung. Ein Angriff würde sich nicht gegen Irans aktuelle Attacken auf Handelsschiffe richten, sondern gegen die Fähigkeit des Regimes, sein Atomprogramm in einer besonders tief geschützten Anlage fortzusetzen.

Der unter seinem persischen Namen Kuh-e Kolang Gaz La bekannte Berg liegt etwa 1,6 Kilometer südlich des Atomkomplexes Natanz. Auf Satellitenaufnahmen sind zwei größere Tunnelanlagen zu erkennen. Eine davon wird seit ungefähr 2020 ausgebaut. Eine kleinere Anlage stammt bereits aus dem Jahr 2007 und wurde nach Jahren geringer Aktivität wieder stärker gesichert.

Iran erklärte, in dem neueren Komplex solle eine Anlage zur Montage moderner Zentrifugen entstehen. Solche Zentrifugen sind für die Anreicherung von Uran notwendig. Das Regime hat den Standort jedoch nie für eine eigene Urananreicherung angemeldet und internationalen Inspektoren keinen Zugang gewährt.

Damit bleibt unbekannt, was sich bereits im Inneren der Tunnel befindet, wie groß die Hallen tatsächlich sind und welche technischen Anlagen dort eingebaut werden. Fachleute halten es für möglich, dass Pickaxe Mountain nicht nur Zentrifugen produzieren oder montieren könnte. Die unterirdischen Räume könnten auch eine verdeckte Anreicherungsanlage aufnehmen oder zur Lagerung von angereichertem Uran genutzt werden. Beweise für einen bereits laufenden Anreicherungsbetrieb liegen öffentlich bislang nicht vor.

Iran schützt die Anlage vor Bomben und vor Inspektoren

Neue Satellitenbilder aus dem späten Juni zeigen Fahrzeugbewegungen auf den Straßen zu den westlichen Tunneleingängen. Nach der Analyse des Institute for Science and International Security wurden die Eingänge weiter verstärkt und Arbeiten innerhalb oder unmittelbar vor dem Tunnelsystem offenbar fortgesetzt.

Bereits im Februar waren schwere Baumaschinen, Betonmischer, Lastwagen und Kräne an mehreren Eingängen zu erkennen. Über einem westlichen Eingang wurde Beton gegossen. An einem östlichen Portal wurden Erde und Fels aufgeschüttet. Solche Arbeiten erhöhen die Schutzschicht über den Zugängen und erschweren deren Zerstörung durch einen Luftangriff. Kleinere geschlossene Fahrzeuge könnten nach Einschätzung des Institutes darauf hindeuten, dass Iran bereits mit der technischen Ausstattung des Inneren begonnen hat.

Das Institut geht dennoch nicht davon aus, dass der gesamte Komplex bereits einsatzbereit ist. Sichtbare Infrastruktur für Stromversorgung und Belüftung könnte für einen größeren Anreicherungsbetrieb noch unzureichend sein. Der Zweck der Arbeiten bleibt deshalb offen. Gerade diese Unsicherheit macht den Standort gefährlich.

Iran baut eine Anlage mit direkter Verbindung zu seinem Atomprogramm tief unter einem Berg, schützt die Eingänge gegen Angriffe und verweigert gleichzeitig jede unabhängige Kontrolle. Das Regime verlangt von der Welt, seine Behauptung eines ausschließlich friedlichen Programms zu glauben, während es ausgerechnet seine empfindlichsten Einrichtungen dem Blick der Internationalen Atomenergiebehörde entzieht.

Die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde haben Pickaxe Mountain nie betreten. Da Iran den Komplex nicht als Anreicherungsanlage angemeldet hat und seit 2021 das Zusatzprotokoll nicht mehr anwendet, besitzt die Behörde nur sehr begrenzte Möglichkeiten, Zugang zu Produktionsstätten für Zentrifugen oder zu nicht angemeldeten Orten zu verlangen.

Hinzu kommt, dass Iran der Atomenergiebehörde seit den Angriffen von 2025 keinen vollständigen Zugang zu den beschädigten Atomanlagen und den dort gelagerten Kernmaterialien gewährt. Die Behörde kann deshalb weder den genauen Aufenthaltsort der Bestände noch den Zustand wesentlicher Teile des Atomprogramms zuverlässig bestätigen. Im Juni erklärte Generaldirektor Rafael Grossi, die Inspektoren hätten seit fast einem Jahr keinen Zugang mehr zu den betroffenen Anlagen.

Vor den Angriffen verfügte Iran nach Berechnungen der Behörde über rund 440,9 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von bis zu 60 Prozent. Dieses Material liegt technisch nur noch einen vergleichsweise kurzen Schritt von waffenfähigem Uran entfernt. Wo sich der gesamte Bestand heute befindet und ob Teile innerhalb der bekannten Standorte verlagert wurden, kann die Behörde nicht mit Sicherheit feststellen.

Es gibt bisher keinen Beleg, dass das Uran nach Pickaxe Mountain gebracht wurde. Solange Iran Kontrollen verweigert, lässt sich dieser Verdacht aber auch nicht ausräumen.

Selbst stärkste Bunkerbrecher könnten nicht ausreichen

Die in dem israelischen Bericht genannte Tiefe von bis zu 600 Metern ist öffentlich nicht ausreichend belegt. Frühere auf Satellitenbildern beruhende Schätzungen gehen eher davon aus, dass wichtige Teile des Komplexes etwa 80 bis 100 Meter unter der Oberfläche liegen könnten. Das wäre dennoch tiefer als viele bekannte militärische Bunker und möglicherweise außerhalb der sicheren Reichweite selbst der stärksten amerikanischen bunkerbrechenden Bomben.

Entscheidend ist nicht allein die senkrechte Tiefe. Die Tunnel reichen weit in einen massiven Berg hinein. Fels, verwinkelte Zugänge, verstärkte Portale und möglicherweise voneinander getrennte Hallen können die Wirkung eines Angriffs erheblich verringern.

Die amerikanische GBU-57 Massive Ordnance Penetrator ist für tief verborgene und stark befestigte Ziele entwickelt worden. Bei einer Anlage wie Pickaxe Mountain könnte jedoch selbst ein direkter Treffer gegen den Berg nicht garantieren, dass sämtliche Räume zerstört werden.

Trumps Hinweis auf einen Schlag gegen die Eingangstür deutet deshalb auf eine andere Möglichkeit. Die USA könnten versuchen, die Tunnelportale zum Einsturz zu bringen, Versorgungsleitungen zu zerstören und die Anlage für längere Zeit unzugänglich zu machen. Ein solcher Angriff müsste den gesamten Komplex nicht vernichten, um seinen Betrieb zu verhindern.

Militärisch blieben dennoch erhebliche Risiken. Iran könnte Eingänge später freiräumen, zusätzliche Zugänge besitzen oder empfindliche Ausrüstung rechtzeitig verlagern. Auch ist unbekannt, ob sich bereits Kernmaterial in den Tunneln befindet. Vor einem Angriff müssten die Vereinigten Staaten deshalb Strahlungsrisiken und mögliche Folgen für die Umgebung bewerten.

Dass Pickaxe Mountain bislang von größeren Angriffen verschont blieb, dürfte mehrere Gründe haben. Der Komplex war nach Einschätzung westlicher Fachleute noch nicht vollständig betriebsbereit. Zugleich fehlten genaue Informationen über seinen inneren Aufbau. Ein Angriff auf ein extrem tiefes Ziel ist militärisch aufwendig, wenn unklar bleibt, was dadurch tatsächlich zerstört wird.

Die neuen Arbeiten verändern diese Rechnung. Nachdem Natanz, Fordow und Isfahan schwer beschädigt wurden, könnte Pickaxe Mountain zum wichtigsten Standort für den Wiederaufbau iranischer Zentrifugenfähigkeiten werden. Das Institut bezeichnet den Komplex ausdrücklich als möglichen Ort für eine spätere Wiederherstellung des Programms, von der Produktion einzelner Komponenten über die Montage von Zentrifugen bis hin zur Urananreicherung.

Das macht Trumps Drohung verständlich. Washington will offenbar verhindern, dass Iran nach der Zerstörung seiner bekannten Anlagen einfach tiefer in den Berg ausweicht.

Ein neues Abkommen ohne vollständigen Zugang zu Pickaxe Mountain wäre wertlos. Iran könnte öffentlich über Begrenzungen verhandeln und gleichzeitig eine nicht kontrollierte Anlage fertigstellen, die vor den meisten konventionellen Angriffen geschützt ist.

Vor weiteren Verhandlungen müssen Inspektoren sämtliche Tunnel betreten dürfen. Iran müsste Baupläne, Ausrüstung, Materialbestände und den tatsächlichen Zweck beider unterirdischer Komplexe offenlegen. Eine bloße Erklärung Teherans, dort würden ausschließlich Zentrifugen montiert, reicht nicht.

Das Regime hat über Jahre Uranbestände verborgen, Kontrollen behindert, nicht angemeldete Aktivitäten verschwiegen und Anlagen immer tiefer unter der Erde gebaut. Vertrauen ist deshalb keine Grundlage mehr.

Trump stellt Iran nun vor eine einfache Entscheidung: vollständige Öffnung des Komplexes oder das Risiko eines amerikanischen Angriffs.

Pickaxe Mountain wurde gebaut, um Irans Atomprogramm dem Zugriff der Welt zu entziehen. Genau deshalb rückt die Anlage nun ins Zentrum der amerikanischen Zielplanung.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 14. Juli 2026

haOlam-News unterstützen

haOlam-News ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

Weitere interessante Artikel

Newsletter