Trotz Krieg: Iran verdoppelt Öleinnahmen und finanziert seine Angriffe weiter


Bis zu 2,8 Millionen Barrel täglich, Preise über 100 Dollar. Während der Krieg tobt, wächst die Kasse des Regimes und stärkt seine Durchhaltefähigkeit.

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Während der Krieg militärisch eskaliert, entwickelt sich parallel eine Dynamik, die strategisch mindestens genauso entscheidend ist. Der Iran steigert seine Einnahmen aus dem Ölgeschäft massiv und baut damit seine finanzielle Grundlage für eine längere Kriegsführung aus.

Die Zahlen sind klar. Der Iran exportiert derzeit zwischen 2,4 und 2,8 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte pro Tag. Davon entfallen etwa 1,5 bis 1,8 Millionen Barrel auf Rohöl. Dieses Niveau entspricht mindestens dem Vorjahresdurchschnitt, in Teilen liegt es sogar darüber.

Entscheidend ist jedoch der Preis. Durch die Lage im Persischen Golf und die eingeschränkte Versorgung anderer Staaten steigt der Ölpreis deutlich an. Der Preis für Lieferungen in den kommenden Monaten erreicht etwa 104 Dollar pro Barrel. Das entspricht einem Anstieg von rund 75 Prozent im Vergleich zur Zeit vor Kriegsbeginn am 28. Februar.

Das Ergebnis ist eindeutig. Trotz militärischer Angriffe verdient der Iran aktuell fast doppelt so viel pro Tag wie zuvor.

Ein System aus Schattenbanken und Tarnfirmen

Der entscheidende Faktor liegt nicht nur in der Förderung, sondern in der Struktur des Handels. Der Iran nutzt ein komplexes Netzwerk aus Zwischenhändlern, Tarnfirmen und sogenannten Schattenbanken.

Die staatliche Ölgesellschaft existiert formal weiterhin, doch in der Praxis ist das System fragmentiert. Verschiedene staatliche Stellen, religiöse Stiftungen und Sicherheitsorgane erhalten eigene Kontingente an Öl, die sie selbst verkaufen können.

Rund 20 einflussreiche Akteure kontrollieren laut Berichten große Teile dieses Systems. Viele von ihnen stehen in direkter Verbindung zu den Revolutionsgarden.

Besonders bedeutend ist der Anteil der sogenannten Quds-Einheit, die etwa 25 Prozent der Rohölproduktion kontrolliert. Damit fließt ein erheblicher Teil der Einnahmen direkt in militärische Strukturen.

Die Zahlungsabwicklung erfolgt über tausende Konten weltweit. Schätzungen sprechen von rund 8.000 einzelnen Konten, die miteinander verknüpft sind. Diese Struktur macht es extrem schwierig, Geldflüsse zu verfolgen oder zu unterbrechen.

China als zentraler Abnehmer

Über 90 Prozent der iranischen Ölexporte gehen nach China. Dort kaufen vor allem kleinere Raffinerien in der Provinz Shandong das Öl. Diese sogenannten unabhängigen Anlagen umgehen direkte Verbindungen zu staatlichen Großkonzernen, um Sanktionen zu vermeiden.

Vor dem Krieg erhielt China das Öl mit Preisnachlässen von bis zu 24 Dollar pro Barrel. Heute liegt der Abschlag nur noch bei 7 bis 12 Dollar. Durch die gestiegenen Weltmarktpreise ist iranisches Öl damit teilweise teurer als Referenzsorten wie Brent.

Das bringt China in eine schwierige Lage. Einerseits ist das Land auf Energie angewiesen, andererseits sinken die Margen der Raffinerien deutlich. Gleichzeitig prüfen staatliche Unternehmen offenbar, ob sie sich stärker am Handel beteiligen.

Kontrolle über Transport und Hormus

Ein zentraler Hebel liegt in der Logistik. Der Iran kontrolliert große Teile der Schifffahrt im Persischen Golf, insbesondere rund um die Straße von Hormus.

Tanker müssen sich registrieren und erhalten Freigaben der Revolutionsgarden. In einigen Fällen werden Begleitboote eingesetzt. Zudem wird berichtet, dass Gebühren in Millionenhöhe verlangt werden.

Die Tanker selbst nutzen zahlreiche Tarnmethoden. Dazu gehören gefälschte Positionsdaten, abgeschaltete Transponder und Umladungen auf offener See, etwa vor Malaysia oder Singapur.

Ein besonders wichtiger Punkt ist die Insel Kharg. Von dort werden normalerweise rund 90 Prozent des iranischen Rohöls exportiert. Wegen der Gefahr von Angriffen wurden jedoch alternative Terminals aktiviert, darunter Anlagen auf den Inseln Jask, Sirri und Lavan. Diese können zusammen etwa ein Viertel der bisherigen Kapazität übernehmen.

Kriegskasse bleibt stabil

Trotz Angriffe auf Infrastruktur und militärischen Druck funktioniert dieses System weiter. Einnahmen werden weltweit verteilt, unter anderem über Konten in Europa, Asien und anderen Regionen.

Vor dem Krieg lagen auf bestimmten überwachten Konten zwischen 6 und 7 Milliarden Dollar. In den vergangenen Wochen wurden große Summen abgezogen und auf neue Strukturen verteilt, um sie vor Zugriff zu schützen.

Diese Stabilität hat direkte Folgen für den Krieg. Solange die Einnahmen fließen, kann das Regime seine militärischen Aktivitäten fortsetzen.

Für Israel bedeutet das eine klare strategische Herausforderung. Militärischer Druck allein reicht nicht aus, solange die wirtschaftliche Grundlage intakt bleibt.

Der Krieg wird deshalb nicht nur auf dem Schlachtfeld entschieden, sondern auch im globalen Energiemarkt.

Thematische Einordnung


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Tasnim News Agency, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=128831150

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 31. März 2026

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