Nach kurzfristiger Kehrtwende reist Israels Delegation mit Terroropfern zum Marsch in Auschwitz
Eine Entscheidung in letzter Minute bringt Überlebende, Terroropfer und ehemalige Geiseln zusammen. In einer Zeit voller Bedrohung wird Erinnerung zur bewussten Antwort auf Hass.

IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen wird in diesem Jahr doch am „March of the Living“ in Polen teilnehmen. Die Entscheidung fiel kurzfristig, nachdem die Reise ursprünglich wegen des Krieges abgesagt worden war. Dass sie nun doch stattfindet, ist mehr als organisatorischer Erfolg. Es ist ein bewusstes Signal.
Eine kleine Delegation von HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesenüberlebenden im Alter zwischen 90 und 100 Jahren wird zwischen den Lagern AuschwitzShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen und Birkenau gehen. Möglich wurde dies durch die Unterstützung von Dutzenden israelischen Technologieunternehmen. Rund 7.000 Menschen aus aller Welt werden erwartet.
Erinnerung trifft Gegenwart
Unter den Teilnehmern sind nicht nur Überlebende der Schoa, sondern auch Menschen, die erst vor kurzem Opfer von Terror wurden. Ehemalige Geiseln aus GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen werden ebenso teilnehmen wie Überlebende antisemitischer Anschläge in Australien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten.
Diese Verbindung ist kein Zufall. Sie zeigt, dass AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen nicht Vergangenheit ist, sondern Gegenwart. Seit dem 7. Oktober hat sich der Hass gegen Juden weltweit sichtbar verstärkt. Der Marsch steht deshalb in diesem Jahr unter einem klaren Motto: Erinnerung soll nicht nur bewahren, sondern zum Handeln verpflichten.
Wenn ein Holocaustüberlebender neben einem Überlebenden eines aktuellen Anschlags geht, entsteht eine stille, aber unmissverständliche Botschaft. Geschichte wiederholt sich nicht identisch, aber sie verschwindet auch nicht.
Ein Land zwischen Trauma und Verantwortung
Die Entscheidung zur Teilnahme fällt in eine Zeit, in der Israel selbst unter Beschuss stand. Während des Krieges mit dem Iran wurden auch Wohnungen von Holocaustüberlebenden beschädigt. Sirenen, Angst und Isolation sind für viele von ihnen Teil des Alltags geworden.
Berichte zeigen, wie schwer diese Situation ist. Ältere Menschen, oft allein, erreichen Schutzräume nicht rechtzeitig. Hilfsorganisationen berichten von einem massiven Anstieg an Notrufen. Viele sprechen von Einsamkeit, Angst und Erinnerungen, die durch den Krieg wieder aufbrechen.
Gerade deshalb erhält die Reise nach Auschwitz eine zusätzliche Bedeutung. Sie ist nicht nur Gedenken, sondern auch ein Akt der Selbstbehauptung. Israel zeigt: Selbst unter Druck wird die Erinnerung nicht aufgegeben.
Ein bewusst reduziertes Zeichen
Ursprünglich sollte die Delegation deutlich größer sein. Rund 1.500 Israelis konnten jedoch nicht teilnehmen, weil ihre sichere Aus- und Rückreise nicht gewährleistet werden konnte. Darunter waren weitere Überlebende, Familien von Opfern und zahlreiche junge Teilnehmer.
Dass die Delegation dennoch reist, macht die Entscheidung umso bedeutender. Es geht nicht um Größe, sondern um Präsenz.
Der Marsch selbst führt über die Strecke zwischen den ehemaligen Vernichtungslagern. Diese wenigen Kilometer stehen für das industrielle Töten von Millionen Juden. Wer diesen Weg geht, spürt die Dimension der Geschichte auf eine Weise, die keine Worte ersetzen können.
Die Botschaft hinter dem Schritt
Israel nutzt diesen Moment, um eine klare Haltung zu zeigen. Erinnerung ist kein Ritual, das man aussetzt, wenn es schwierig wird. Sie ist Teil der Identität.
Gerade in einer Zeit, in der jüdisches Leben weltweit wieder stärker bedroht ist, gewinnt diese Haltung an Gewicht. Der Marsch wird damit zu mehr als einer Gedenkveranstaltung. Er wird zu einer Antwort.
Nicht laut, nicht militärisch, sondern durch Präsenz.
Die Bilder aus Auschwitz werden zeigen, was dieser Schritt bedeutet: Menschen, die trotz Krieg, Verlust und Angst bereit sind, den Weg der Erinnerung zu gehen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 12. April 2026