Belgrad Protest mit Mordparole gegen Juden und Präsident Vučić löst scharfe Reaktionen in Israel aus


Ein Demonstrant ruft offen zum Mord an Juden und am serbischen Präsidenten auf. Was als Protest gegen eine Polizeimaßnahme begann, entwickelt sich zu einem politischen und moralischen Alarmsignal.

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In der serbischen Hauptstadt Belgrad ist es bei einer regierungskritischen Demonstration zu einer offen antisemitischen Mordparole gekommen. Während Tausende Menschen gegen eine Polizeidurchsuchung an der Universität Belgrad protestierten, rief ein Teilnehmer hörbar: „Tod Vučić und den Juden um ihn herum.“ Die Szene verbreitete sich rasch über soziale Netzwerke und internationale Medien. Die Empörung folgte unmittelbar.

Auslöser der Proteste war eine Razzia in den Räumlichkeiten der Universität. Die Behörden erklärten, man ermittle im Zusammenhang mit dem Tod eines Studenten. Universitätsvertreter widersprachen und warfen der Regierung vor, unter dem Vorwand strafrechtlicher Untersuchungen gegen studentische Proteste vorzugehen. In diesem aufgeheizten Klima versammelten sich Tausende vor dem Rektorat. Was als politischer Protest begann, wurde durch den antisemitischen Ausruf eines Einzelnen zu einem Vorfall mit internationaler Tragweite.

Klare Worte aus Jerusalem und Belgrad

In einer gemeinsamen Stellungnahme gegenüber der Jerusalem Post erklärten der israelische Knessetabgeordnete Boaz Toporovsky, der renommierte Holocaustforscher Efraim Zuroff sowie Aleksandar Nikolić unmissverständlich: Kein politisches Motiv rechtfertige solche Aufrufe.

Sie bezeichneten Präsident Aleksandar Vučić als bewährten Freund des jüdischen Volkes und des Staates Israel, insbesondere in schwierigen Zeiten. Gerade Serbien, so die Unterzeichner, habe im Zweiten Weltkrieg selbst unter nationalsozialistischer Verfolgung gelitten. Das serbische Volk habe sich damals gegen Faschismus und Nationalsozialismus gestellt und hohe Opfer gebracht. Vor diesem historischen Hintergrund sei antisemitische Hetze inakzeptabel.

Auch der serbische Minister für europäische Integration, Nemanja Starović, der zugleich die serbische Delegation bei der International Holocaust Remembrance Alliance leitet, zeigte sich erschüttert. Er sprach von schockierenden antisemitischen Ausbrüchen und expliziten Mordaufrufen. In den vergangenen Monaten habe man wiederholt vor antisemitischen Tendenzen innerhalb der sogenannten Blockadebewegung an Universitäten gewarnt. Das Ignorieren dieser Gefahr habe dazu beigetragen, dass aus ideologischer Verrohung offene Gewaltaufrufe geworden seien.

Starović forderte die Organisatoren der Proteste auf, die antisemitischen Vorfälle klar zu verurteilen und entsprechende Parolen unverzüglich von Universitätsgeländen zu entfernen. Bereits bei einem Besuch in Jerusalem im Dezember hatte er betont, Serbien bekenne sich eindeutig zum Kampf gegen Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus und jede Form der Relativierung des Holocaust.

Antisemitismus als politisches Gift

Der Vorfall in Belgrad zeigt, wie schnell politische Spannungen in eine Richtung kippen können, die weit über innenpolitische Auseinandersetzungen hinausgeht. Kritik an einer Regierung gehört zur demokratischen Ordnung. Doch der Übergang von politischer Opposition zu Hass gegen eine religiöse oder ethnische Gruppe ist ein Bruch mit grundlegenden Werten.

Dass der antisemitische Ruf nicht unwidersprochen blieb, ist ein wichtiges Signal. Sowohl israelische Vertreter als auch serbische Regierungsmitglieder stellten klar, dass solche Parolen weder Ausdruck legitimer Kritik noch Teil akzeptabler Protestkultur sind. Entscheidend wird sein, wie die serbische Gesellschaft insgesamt reagiert. Ob Universitätsleitungen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Oppositionspolitiker sich eindeutig distanzieren, wird darüber mitentscheiden, ob dieser Vorfall ein isolierter Ausbruch bleibt oder als Symptom tiefer liegender Probleme verstanden werden muss.

Präsident Vučić hatte im vergangenen Jahr erklärt, Serbien werde das jüdische Volk und den Staat Israel stets respektieren. Die Worte eines einzelnen Demonstranten stellen diese Haltung nicht automatisch infrage. Doch sie werfen die Frage auf, wie robust das gesellschaftliche Fundament gegen antisemitische Narrative tatsächlich ist.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 2. April 2026

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