Mutmaßlicher IS-Militärpolizist in Eisenach festgenommen

Mutmaßlicher IS-Militärpolizist in Eisenach festgenommen


Ein in Kuwait geborener Mann soll sich 2016 im Irak dem Islamischen Staat angeschlossen und bis Anfang 2017 als bewaffneter Militärpolizist für die Terrororganisation gearbeitet haben. Nun griff das Bundeskriminalamt in Eisenach zu. Es ist innerhalb weniger Tage bereits die nächste Festnahme eines mutmaßlichen früheren IS-Angehörigen in Deutschland.

Mutmaßlicher IS-Militärpolizist in Eisenach festgenommen
Bildnachweis: Pixabay / Symbolbild

Die Bundesanwaltschaft hat in Eisenach einen Mann festnehmen lassen, dem eine frühere Mitgliedschaft in der Terrororganisation Islamischer Staat vorgeworfen wird. Gharib S. soll sich spätestens im August 2016 im Irak dem IS angeschlossen und anschließend bis Anfang 2017 als bewaffneter Militärpolizist für die Organisation gearbeitet haben.

Beamte des Bundeskriminalamts nahmen den in Kuwait geborenen Beschuldigten am Donnerstag in Thüringen fest. Grundlage war ein Haftbefehl des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vom 15. September. Nach seiner Festnahme wurde Gharib S. dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser setzte den Haftbefehl in Vollzug und ordnete Untersuchungshaft an.

Die Bundesanwaltschaft spricht ausdrücklich von einem dringenden Tatverdacht. Dem Mann wird die mitgliedschaftliche Betätigung in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Zum Zeitpunkt der mutmaßlichen IS-Mitgliedschaft war er Heranwachsender. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Bemerkenswert ist der konkrete Vorwurf. Es geht nicht lediglich um das Verbreiten islamistischer PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen, Kontakte zu Extremisten oder nachträgliche Sympathiebekundungen. Sollte sich der Haftbefehl bestätigen, gehörte der Beschuldigte zum bewaffneten Apparat des IS und nahm als Militärpolizist eine Funktion innerhalb der Terrororganisation wahr.

Schon am Vortag griff das BKA in Hessen zu

Die Festnahme in Eisenach steht nicht allein. Nur einen Tag zuvor ließ die Bundesanwaltschaft im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg den ebenfalls in Kuwait geborenen Nuri A. festnehmen. Auch ihm wird vorgeworfen, sich 2016 im Irak dem IS angeschlossen zu haben. Er soll bis zum Frühjahr 2017 als Kämpfer für die Terrororganisation tätig gewesen sein.

Für einen Zusammenhang zwischen beiden Männern gibt es nach dem bislang veröffentlichten Ermittlungsstand keinen Beleg. Auch ist nicht bekannt, ob ihre Festnahmen Ergebnis derselben Ermittlungen sind. Auffällig bleibt jedoch, dass innerhalb von zwei Tagen zwei Männer in Deutschland festgenommen wurden, denen eine aktive Rolle im damaligen Herrschaftsapparat des IS im Irak zur Last gelegt wird.

Ähnliche Fälle beschäftigen deutsche Ermittler seit Monaten.

haOlam berichtete bereits im August über zwei Iraker in Sachsen, die 2016 und 2017 als bezahlte Kämpfer verschiedener IS-Einheiten tätig gewesen sein sollen. Die Männer wurden in Dresden und Königstein festgenommen. Bereits zuvor war in Nordhausen ein 65-jähriger Iraker in Untersuchungshaft gekommen, der sich nach Angaben der Ermittler schon 2014 freiwillig dem IS angeschlossen haben soll.

Die Verfahren unterscheiden sich im Detail. Gemeinsam ist ihnen jedoch eine Frage, die mit jeder weiteren Festnahme drängender wird: Wie viele frühere Angehörige des sogenannten Kalifats gelangten nach dessen Zusammenbruch nach Deutschland und konnten hier zunächst unerkannt leben?

Aus der Festnahme in Eisenach lässt sich noch nicht ableiten, wann Gharib S. nach Deutschland kam, welchen Aufenthaltsstatus er besitzt oder wie lange er bereits in Thüringen lebte. Die Bundesanwaltschaft hat dazu bislang keine Angaben gemacht. Gerade deshalb wäre es unseriös, aus dem Fall voreilig ein Versagen bestimmter Behörden oder des Asylsystems abzuleiten.

Die Frage nach seiner Biografie in Deutschland wird aber zwangsläufig Teil der weiteren Aufarbeitung sein.

Gleichzeitig Terroralarm in Nordrhein-Westfalen

Fast zeitgleich mit dem Zugriff in Eisenach nahmen Spezialeinsatzkräfte in Unna und Hagen drei weitere Männer in Gewahrsam. Auslöser war nach Angaben der Polizei ein nachrichtendienstlicher Hinweis. Bei den Männern handelt es sich um einen 33-jährigen Deutschen sowie zwei syrische Staatsangehörige im Alter von 20 und 24 Jahren.

Hier ist die Lage allerdings deutlich unklarer. Die Polizei spricht bislang lediglich vom Verdacht, dass eine staatsgefährdende Straftat vorbereitet worden sein könnte. Medien berichten über mögliche Gespräche zu einem bewaffneten Anschlag, offiziell bestätigt sind konkrete Anschlagsziele oder vorhandene Waffen bislang nicht. Auch eine tatsächliche Mitgliedschaft der drei Männer im IS ist derzeit nicht belegt.

Die Fälle dürfen deshalb nicht miteinander vermischt werden.

In Eisenach existiert ein Haftbefehl des Bundesgerichtshofs wegen des dringenden Verdachts einer früheren Mitgliedschaft im IS. In Nordrhein-Westfalen laufen dagegen noch Ermittlungen zu einer möglicherweise vorbereiteten schweren Straftat.

Trotzdem zeigen die nahezu gleichzeitigen Zugriffe, mit welcher Bandbreite deutsche Sicherheitsbehörden weiterhin mit islamistischem Terrorismus beschäftigt sind. Einerseits werden mutmaßliche frühere Angehörige des IS Jahre nach dessen territorialem Zusammenbruch aufgespürt. Andererseits müssen Nachrichtendienste und Polizei aktuelle mögliche Anschlagsvorbereitungen erkennen und stoppen.

Der Islamische Staat hat sein früheres Herrschaftsgebiet in Syrien und im Irak verloren. Seine Mitglieder, Unterstützer und Netzwerke verschwanden damit nicht.

Die Festnahme in Eisenach ist dafür ein weiteres Beispiel.

Sollten sich die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft bestätigen, lebte in Thüringen ein Mann, der einst bewaffnet für eine der brutalsten Terrororganisationen der Gegenwart tätig war.

Wie er nach Deutschland kam, seit wann er hier lebte und warum er erst jetzt festgenommen wurde, sind die nächsten Fragen, auf die die Ermittler Antworten geben müssen.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 2. Oktober 2026

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