Trump nach Gespräch mit Netanyahu: „Für Iran läuft die Zeit ab“ – Drohung, Diplomatie und neue Fragen nach Chinas Rolle


Nach einem Telefonat mit Netanyahu verschärft Donald Trump den Ton gegenüber Iran deutlich. Gleichzeitig bleiben Verhandlungen möglich und Chinas Rolle wächst.

Trump nach Gespräch mit Netanyahu: „Für Iran läuft die Zeit ab“ – Drohung, Diplomatie und neue Fragen nach Chinas Rolle
Bildnachweis: The White House

Die Wortwahl von US Präsident Donald Trump gehört zu den schärfsten seit dem Ende des letzten offenen militärischen Konflikts mit Iran. Nach einem Telefonat mit Israels Premierminister Benjamin Netanyahu schrieb Trump öffentlich:

„Für Iran läuft die Uhr. Sie sollten sich schnell bewegen, sonst wird nichts von ihnen übrig bleiben.“

Die Aussage fiel nicht isoliert. Laut Berichten sprachen Trump und Netanyahu über mehrere Themen, darunter Trumps China Reise, die Lage rund um Iran und regionale Entwicklungen im Nahen Osten.

Israels Regierungschef erklärte zuvor, man beobachte Iran weiterhin aufmerksam und sei auf verschiedene Szenarien vorbereitet. Die regelmäßigen Gespräche zwischen Washington und Jerusalem zeigen, wie eng beide Regierungen die Entwicklungen koordinieren.

Drohung oder Verhandlungsstrategie?

Trotz der scharfen Rhetorik deuten andere Aussagen Trumps darauf hin, dass Gespräche weiterhin möglich sind. Gegenüber Medien erklärte er, Iran wolle möglicherweise noch ein Abkommen erreichen. Gleichzeitig warte Washington auf einen neuen iranischen Vorschlag.

Ein offizielles Ultimatum nannte Trump jedoch nicht.

Das ist entscheidend.

Denn öffentliche Drohungen und verdeckte Verhandlungen schließen sich in der amerikanischen Außenpolitik nicht zwangsläufig aus. Gerade Trump nutzte in früheren Amtszeiten häufig maximale öffentliche Härte, während hinter den Kulissen Gesprächskanäle offen blieben.

China wird plötzlich wichtiger

Bemerkenswert ist ein weiterer Punkt des Berichts.

Trump behauptete nach Gesprächen mit der chinesischen Führung, auch Peking sehe die Öffnung der Straße von Hormus als notwendig an und lehne ein iranisches Atomwaffenprogramm ab.

Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Handelsrouten weltweit. Ein erheblicher Teil internationaler Energieexporte läuft durch diese Meerenge. Jede Störung kann Ölpreise und Lieferketten weltweit beeinflussen.

China wiederum ist einer der größten Abnehmer iranischen Öls.

Dadurch entsteht ein kompliziertes Bild:

Peking kritisierte den Krieg mit Iran öffentlich und sprach von einem Konflikt, der nie hätte stattfinden dürfen. Gleichzeitig könnten wirtschaftliche Interessen Chinas Stabilität im Persischen Golf wichtiger machen als politische Nähe zu Teheran.

Widerspruch bei Sanktionen

Noch auffälliger wirkt Trumps Hinweis, Sanktionen gegen chinesische Firmen zu prüfen, die iranisches Öl kaufen.

Das wäre ein erheblicher Kurswechsel.

Bisher dienten solche Maßnahmen häufig dazu, wirtschaftlichen Druck auf Iran aufrechtzuerhalten. Lockerungen könnten Signale senden, dass Washington wirtschaftliche Hebel flexibler einsetzen will, wenn größere geopolitische Ziele erreicht werden.

Für Israel steht mehr auf dem Spiel als ein Atomabkommen

Aus israelischer Sicht beschränkt sich die Sorge um Iran seit Jahren nicht auf Urananreicherung.

Jerusalem betrachtet auch Raketenprogramme, regionale Terrornetzwerke und die Unterstützung bewaffneter Gruppen als Teil derselben Bedrohung. Die Terrororganisation Hamas, die Hisbollah im Libanon, Huthi Kräfte im Jemen und verbündete Milizen im Irak werden in Israel seit Jahren als Bestandteile iranischen Einflusses in der Region gesehen.

Deshalb wird jede Diskussion über neue Vereinbarungen mit Iran in Israel meist breiter betrachtet:

Nicht nur die Frage, ob Teheran Uran anreichert.

Sondern ob sich gleichzeitig regionale Machtstrukturen verändern.

Zwischen Verhandlungen und Warnungen

Interessant bleibt, dass beide Seiten widersprüchliche Signale senden.

Iran erklärte zuletzt, man wolle Diplomatie eine Chance geben, misstraue Washington jedoch weiterhin. Gleichzeitig kamen aus Teheran Drohungen, neue militärische Schritte würden deutlich härtere Reaktionen auslösen.

Washington wiederum spricht über neue Vorschläge, während Trump öffentlich erklärt, die Zeit laufe ab.

Die Folge:

Die Region befindet sich erneut in jener gefährlichen Phase, in der Verhandlungen offiziell weiterlaufen, aber die Sprache aller Beteiligten zunehmend auf Eskalation vorbereitet.

Und genau solche Momente haben in der Vergangenheit häufiger Konflikte beschleunigt.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Montag, 18. Mai 2026

haOlam via paypal unterstützen


Hinweis: Sie benötigen kein PayPal-Konto. Klicken Sie im nächsten Schritt einfach auf „Mit Debit- oder Kreditkarte zahlen“, um per Lastschrift oder Kreditkarte zu unterstützen.

Weitere interessante Artikel

Newsletter