Schüsse in Montreal nahe jüdischen Einrichtungen: Rabbi Michael Moshe Mizrahi unter den Toten
Bei dem Angriff im jüdisch geprägten Stadtteil Côte-des-Neiges starben ein Polizist, der mutmaßliche Schütze und Rabbi Michael Moshe Mizrahi. Motiv und Schussfolge sind weiter unklar.

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Nach den tödlichen Schüssen im Montrealer Stadtteil Côte-des-Neiges ist das zivile Opfer als Rabbi Michael Moshe Mizrahi identifiziert worden. Nach Angaben jüdischer Organisationen gehörte Mizrahi zur örtlichen jüdischen Gemeinschaft und war Mitglied des lokalen Chabad-Zentrums. Bei dem Vorfall kamen außerdem ein Polizeibeamter sowie der mutmaßliche Schütze ums Leben. Eine weitere Polizistin, die zunächst in kritischem Zustand gewesen sein soll, befindet sich nach Angaben von Polizeichef Fady Dagher inzwischen in stabilem Zustand und soll nicht mehr in Lebensgefahr schweben.
Die Tat ereignete sich am Montag in einem stark jüdisch geprägten Bereich von Côte-des-Neiges, in dem sich mehrere koschere Restaurants, jüdische Schulen, Gemeindezentren und ein Chabad-Zentrum befinden. Nach ersten Berichten hatten Anwohner zwischen 20 und 30 Schüsse gehört. Die Polizei von Montreal hatte gegen 11.30 Uhr Ortszeit eine Warnung vor einer unmittelbaren Gefahr herausgegeben. Die Menschen im betroffenen Gebiet wurden aufgefordert, in Gebäuden Schutz zu suchen, Türen zu verschließen, sich von Fenstern fernzuhalten und den Anweisungen der Behörden zu folgen. Später wurde die Warnung aufgehoben.
Nach Angaben der Polizei wurde der mutmaßliche Schütze neutralisiert. Aufnahmen vom Tatort sollen einen Mann in Tarnkleidung zeigen, der leblos am Boden liegt. In der Nähe soll ein Gewehr zu sehen gewesen sein, das ersten Einschätzungen zufolge einem SKS-Gewehr ähnelte. Diese Details stammen aus Videoaufnahmen und Berichten vom Tatort; eine abschließende polizeiliche Einordnung liegt dazu bislang nicht vor. Die Behörden erklärten, es gebe nach bisherigem Stand keine Hinweise auf einen weiteren Verdächtigen.
Besonders schwer wiegt die offene Frage, wie Rabbi Michael Moshe Mizrahi ums Leben kam. Erste Berichte deuten darauf hin, dass er möglicherweise während des Schusswechsels zwischen Polizei und Angreifer getroffen wurde. Ob die tödlichen Schüsse vom Täter oder von Polizeikräften abgegeben wurden, ist bislang nicht geklärt. Polizeichef Dagher wollte sich auf einer Pressekonferenz weder abschließend zur Identität des zivilen Opfers noch zur Frage äußern, durch wessen Schüsse der Mann starb. Genau diese Fragen sind nun Teil der laufenden Ermittlungen.
Die jüdische Hilfsorganisation ZAKA benannte Mizrahi als getötetes ziviles Opfer. Moshe Blech, ein Israeli, der seit zwei Jahren in Montreal lebt und als Freiwilliger für ZAKA tätig ist, beschrieb Mizrahi als bekannten und geliebten Mann aus der Gemeinde, der mit ihnen in der Synagoge gebetet habe. Man teile die Trauer der Familie und warte auf die Ergebnisse der Untersuchung, die die genauen Umstände seines Todes klären sollen. Sobald der Zugang zum Tatort möglich sei, sollten Helfer bei der Bergung und bei den Vorbereitungen für die Beerdigung mitwirken.
Auch Mitglieder jüdischer Hilfs- und Gemeindestrukturen berichteten von dramatischen Momenten. Blech sagte, er sei mit seiner achtjährigen Tochter vor dem Haus gewesen, als die Schüsse begannen. Yitzhak Rosenblum, Mitglied der örtlichen Chevra Kadisha, der jüdischen Beerdigungsgesellschaft, schilderte, er habe in seinem Büro gearbeitet, als zahlreiche Polizeifahrzeuge vorbeirasten und kurz darauf Schüsse zu hören gewesen seien. Jüdische Geschäfte und Schulen in der Umgebung wurden während des Einsatzes abgeriegelt. Für viele Menschen vor Ort war zunächst unklar, ob jüdische Einrichtungen Ziel des Angriffs waren.
Nach bisherigem Stand ist ein antisemitisches Motiv nicht bestätigt. Rabbi Motti Seligson, ein Sprecher von Chabad in New York, erklärte unter Berufung auf Informationen von Chabad Vertretern in Montreal, der Angriff scheine nach dem bisherigen Eindruck nicht gegen die jüdische Gemeinschaft gerichtet gewesen zu sein. Auch mehrere Mitglieder der jüdischen Gemeinde vor Ort sagten gegenüber jüdischen Medien, nach ihrem bisherigen Wissen habe die Tat nicht gezielt Juden gegolten.
Diese Unterscheidung ist entscheidend. Dass ein jüdischer Mann getötet wurde und die Schüsse in unmittelbarer Nähe jüdischer Einrichtungen fielen, macht den Vorfall für die jüdische Gemeinschaft besonders erschütternd. Es bedeutet aber noch nicht, dass ein gezielter antisemitischer Angriff belegt ist. Gerade deshalb kommt es nun auf die Ermittlungen an. Sie müssen klären, welches Motiv der Täter hatte, ob er allein handelte, ob ein mögliches Manifest authentisch ist und welche Rolle es für die Tat spielte.
Nach Angaben lokaler Medien soll der mutmaßliche Schütze vor der Tat ein Manifest vorbereitet und an verschiedene Medien geschickt haben. Polizeichef Dagher bestätigte, dass die Polizei ein solches Dokument besitzt und prüft. Ob der Angriff als Hinterhalt geplant war oder ob der Täter Teil eines größeren Zusammenhangs gewesen sein könnte, sei noch nicht abschließend geklärt. Dagher sprach zugleich von einem schweren Tag für Montreal. Seit 24 Jahren sei kein Polizeibeamter der Stadt im Dienst getötet worden. Der Polizeichef nannte den Vorfall einen Alptraum.
Auch das Centre for IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen and Jewish Affairs erklärte, man verfolge die Lage genau. Die Organisation sprach den Angehörigen des getöteten Polizeibeamten ihr Beileid aus und stellte sich hinter die Einsatzkräfte, die täglich ihr Leben riskierten, um Bürger zu schützen. Montreals Bürgermeisterin Soraya Martinez Ferrada sprach der Familie, den Freunden und Kollegen des getöteten Polizisten ihr tiefes Mitgefühl aus und erklärte, ihre Gedanken seien bei allen Betroffenen dieser Tragödie.
Côte-des-Neiges ist seit Jahrzehnten ein bedeutender Ort jüdischen Lebens in Montreal. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen viele jüdische Familien aus älteren Stadtteilen weiter nach Westen in diese Gegend. Dort entstanden Synagogen, Schulen, koschere Geschäfte, Restaurants und Gemeindestrukturen. Auch die Spanish and Portuguese Synagogue, die älteste jüdische Gemeinde Kanadas, gegründet 1768, zog 1947 in dieses Viertel. Heute ist Côte-des-Neiges ein sichtbarer Teil jüdischen Lebens in Montreal, mit unterschiedlichen Gemeinden und einer größeren Chabad-Präsenz.
Die Sorge der jüdischen Gemeinschaft hat eine konkrete Vorgeschichte. In den vergangenen Jahren war die Gegend wiederholt durch Schüsse auf orthodoxe jüdische Schulen erschüttert worden, unter anderem 2023 und 2024. Vor diesem Hintergrund werden Schüsse in einem solchen Viertel nicht als gewöhnliche Polizeilage wahrgenommen. Sie treffen auf eine Gemeinschaft, die in den vergangenen Jahren immer wieder erleben musste, dass jüdische Einrichtungen Schutz brauchen und jüdisches Leben unter besonderer Beobachtung steht.
Bis die Ermittlungen abgeschlossen sind, bleibt der Fall in wesentlichen Punkten offen. Drei Menschen sind tot: ein Polizeibeamter, Rabbi Michael Moshe Mizrahi und der mutmaßliche Schütze. Eine Polizistin wurde verletzt, befindet sich aber nach Angaben der Polizei nicht mehr in Lebensgefahr. Ein mögliches Manifest wird geprüft. Ein weiterer Verdächtiger ist nach bisherigem Stand nicht bekannt. Ob Juden oder jüdische Einrichtungen Ziel der Tat waren, ist nicht belegt. Doch für die jüdische Gemeinschaft von Montreal ist der Vorfall schon jetzt ein schwerer Schock: Ein Mann aus ihrer Mitte wurde getötet, während in einem jüdisch geprägten Viertel Schüsse fielen, Schulen und Geschäfte abgeriegelt wurden und Familien in Angst auf Entwarnung warteten.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 22. Juni 2026