Treffen zwischen Larijani und Kissinger von 2015 rückt nach Tötung wieder in den Fokus
Ein lange kaum beachtetes Gespräch gewinnt durch aktuelle Entwicklungen neue Bedeutung.
Der Rückblick zeigt, wie stark sich die Beziehungen zwischen Iran und den USA verändert haben.

Ein Treffen aus dem Jahr 2015 sorgt derzeit erneut für Aufmerksamkeit. Damals soll der iranische Spitzenfunktionär Ali Larijani in New York mit dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger zusammengekommen sein. Die Begegnung fällt in eine Phase, in der sich die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran im Zuge des Atomabkommens vorsichtig entspannten.
Larijani hielt sich im September 2015 in New York auf, nahm an internationalen Konferenzen teil und führte Gespräche mit verschiedenen politischen Vertretern. In diesem Rahmen soll es auch zu dem Austausch mit Kissinger gekommen sein. Hinweise darauf stammen unter anderem aus späteren Berichten und Veröffentlichungen, die nun erneut diskutiert werden.
Inhaltlich drehte sich das Gespräch offenbar nicht nur um aktuelle Politik, sondern auch um grundlegende Fragen internationaler Ordnung. Kissinger soll seinen Gesprächspartner gefragt haben, ob Iran langfristig bereit sei, seine revolutionäre Ausrichtung zugunsten eines pragmatischen staatlichen Handelns aufzugeben. Im Kern ging es um die Frage, ob Iran sich als ideologisch geprägte Bewegung versteht oder als klassischer Nationalstaat.
Im weiteren Verlauf kam es laut Berichten zu einem ungewöhnlichen Themenwechsel. Statt geopolitischer Strategien wurde die Philosophie Immanuel Kants diskutiert, insbesondere dessen Konzept eines dauerhaften Friedens. Kissinger zeigte sich demnach überrascht über die Vertrautheit seines Gesprächspartners mit diesen Ideen. Larijani soll nicht nur mit den Inhalten vertraut gewesen sein, sondern sie sogar ins Persische übersetzt haben.
Diese Episode steht sinnbildlich für eine Phase, in der trotz tiefgreifender Differenzen noch direkte Gespräche möglich waren. Vertreter beider Seiten konnten sich auf inhaltlicher Ebene austauschen, auch wenn politische Spannungen bestehen blieben.
Rückblickend wirkt dieses Treffen wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Die Entwicklungen seitdem haben die Beziehungen deutlich verschlechtert. Militärische Konfrontationen, gegenseitige Drohungen und ein weitgehender Abbruch direkter Kontakte prägen heute das Bild.
Larijani selbst äußerte sich in einem späteren Interview ebenfalls zu dieser Begegnung. Er berichtete, Kissinger habe die historische Bedeutung Irans hervorgehoben und betont, dass Länder wie Iran und Ägypten aufgrund ihrer langen Geschichte eine besondere Rolle im Nahen Osten einnehmen. Daraus leitete Kissinger demnach die Notwendigkeit ab, langfristig einen Weg der Zusammenarbeit zu finden.
Gleichzeitig machte Larijani deutlich, dass aus iranischer Sicht eine solche Perspektive unrealistisch sei, solange grundlegende Differenzen bestehen. Er kritisierte insbesondere den Tonfall der amerikanischen Politik gegenüber Iran und wies Forderungen nach einer Kapitulation zurück.
Die erneute Aufmerksamkeit für dieses Treffen hängt auch mit den aktuellen Entwicklungen zusammen. Larijani wurde im März 2026 bei einem Luftangriff in Teheran getötet. Sein Tod markiert nicht nur das Ende einer politischen Laufbahn, sondern steht auch symbolisch für das Ende einer Phase, in der Dialog zumindest noch denkbar war.
Heute bestimmen andere Faktoren die Beziehungen. Militärische Operationen, strategische Abschreckung und gegenseitige Drohungen haben den Raum für Gespräche stark eingeschränkt. Das Treffen von 2015 erinnert daran, dass es einmal eine Zeit gab, in der selbst zwischen tief verfeindeten Staaten ein Austausch auf Augenhöhe möglich war.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44402638
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 26. März 2026