Lateinamerika rückt an Israels Seite: Ein geopolitischer Umbruch mit weitreichenden Folgen


Ein politischer Rechtsruck verändert den Kontinent und öffnet Türen für neue Allianzen mit Jerusalem. Während Israel diplomatisch Boden gewinnt, verliert der Iran an Einfluss und sucht verzweifelt nach Halt.

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In Lateinamerika vollzieht sich ein stiller, aber tiefgreifender Wandel. Länder, die über Jahre hinweg von linken Regierungen geführt wurden und Israel oft mit Misstrauen oder offener Feindseligkeit begegneten, wenden sich zunehmend einer neuen politischen Richtung zu. Der Rechtsruck, der derzeit durch große Teile des Kontinents zieht, bringt Regierungen hervor, die sich klar am Westen orientieren und bewusst die Nähe zu Israel suchen. Für Jerusalem ist dies eine historische Chance.

In den letzten Monaten hat sich eine regelrechte Kette diplomatischer Durchbrüche ergeben. Ein besonders markantes Beispiel ist Bolivien. Am 10. Dezember wurden die diplomatischen Beziehungen zu Israel offiziell erneuert, nachdem dort ein moderat-rechter Präsident gewählt worden war. Zwei Jahrzehnte sozialistischer Herrschaft gingen zu Ende, und mit ihnen auch eine lange Phase der Distanz zu Jerusalem. Wenige Tage später folgte Chile mit der Wahl eines konservativen Staatschefs, von dem in Israel erwartet wird, dass er die bislang kritische Linie gegenüber dem jüdischen Staat grundlegend korrigiert.

Auch in Honduras kam es zu einem Machtwechsel mit Signalwirkung. Der neue Präsident Nasry Asfura ließ unmittelbar nach seiner Amtseinführung den israelischen Botschafter empfangen. Ein politischer Akt, der nicht nur protokollarisch bedeutend ist, sondern klar zeigt, wohin die Reise gehen soll. Israels Botschafter in Tegucigalpa beschreibt die Situation als optimistisch wie lange nicht mehr. Die Region, so seine Einschätzung, bewege sich in Richtung Freiheit, Demokratie und engerer Anbindung an die Vereinigten Staaten. Für Israel bedeutet dies neue Partner und verlässliche Stimmen in internationalen Gremien.

Im Jerusalemer Außenministerium wird diese Entwicklung aufmerksam und entschlossen begleitet. Der zuständige Abteilungsleiter Amir Ofek spricht von einer intensiven diplomatischen Aktivität und einer Häufung bedeutender Veränderungen. Israel habe in den vergangenen Jahren schwierige Phasen mit lateinamerikanischen Regierungen erlebt, doch nun eröffne sich ein völlig neues Fenster der Möglichkeiten. Dieses Fenster, so Ofek, werde mit hohem Tempo genutzt. Kontakte würden vertieft, Projekte vorangetrieben und alte Beziehungen neu belebt.

Neben Ländern, die ihre Haltung gegenüber Israel grundlegend ändern, festigen auch traditionelle Partner ihre Zusammenarbeit. Argentinien unter Präsident Javier Milei gilt inzwischen als einer der engsten Verbündeten Jerusalems in der westlichen Hemisphäre. Milei verkündete die sogenannten Isaak-Abkommen, die den Austausch zwischen Israel und lateinamerikanischen Staaten weiter intensivieren sollen. Auch Paraguay setzt auf einen noch engeren Schulterschluss mit Israel und positioniert sich in internationalen Foren klar an dessen Seite.

Doch diese politische Annäherung ist nicht nur ein diplomatisches Spiel. Sie ist Teil eines größeren strategischen Ringens um Einfluss. Lateinamerika ist seit Jahren ein Schauplatz iranischer Aktivitäten. Teheran hat insbesondere in antiwestlichen Staaten wie Venezuela, Kuba und Nicaragua Fuß gefasst. Auch die Terrororganisation Hisbollah unterhält in der Region ein Netz aus Geschäften und Geldquellen, mit denen sie ihre weltweiten Aktivitäten finanziert. Jeder neue Verbündete Israels in Lateinamerika bedeutet deshalb auch einen Rückschlag für die iranischen Ambitionen.

Aus israelischer Sicht ist dieser Aspekt von zentraler Bedeutung. Der Iran versucht seit langem, in der Nähe der Vereinigten Staaten politische und wirtschaftliche Stützpunkte aufzubauen. Die jüngsten Regierungswechsel erschweren dieses Vorhaben erheblich. Ofek betont, dass viele lateinamerikanische Staaten die iranische Bedrohung zunehmend ähnlich wahrnehmen wie Israel. Sie sehen die Verbindung zwischen iranischer Einflussnahme, Terrorfinanzierung und organisierter Kriminalität. Gemeinsamkeiten in der Gefahrenanalyse führen zu engerer sicherheitspolitischer Kooperation.

Dabei arbeitet Israel eng mit den Vereinigten Staaten zusammen. Washington drängt mehrere Staaten der Region, iranische Agenten auszuweisen und Organisationen wie die Revolutionsgarden, Hisbollah und Hamas offiziell als Terrorgruppen einzustufen. Dieser gemeinsame diplomatische Druck zeigt Wirkung und verstärkt die Isolation Teherans auf dem Kontinent.

Doch die neuen Allianzen beruhen nicht nur auf Sicherheitsinteressen. Lateinamerikanische Staaten haben ein starkes Bedürfnis nach technologischer Modernisierung. Israel bietet genau das, was viele Länder dringend benötigen. Innovationen in der Landwirtschaft, effizientes Wassermanagement, Cybersicherheit, Nahrungsmittelproduktion und innere Sicherheit sind Bereiche, in denen Israel weltweit führend ist. Für Staaten mit wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen ist die Zusammenarbeit mit israelischen Unternehmen und Institutionen ein konkreter Mehrwert.

Trotz dieser positiven Dynamik bleibt das Bild uneinheitlich. Nicht ganz Lateinamerika folgt dem neuen Kurs. Brasilien, die größte und wichtigste Volkswirtschaft der Region, verharrt unter Präsident Lula in einer ausgesprochen israelkritischen Haltung. Die Beziehungen sind angespannt, ein neuer israelischer Botschafter wurde bislang nicht bestätigt. In Jerusalem setzt man auf die kommenden Wahlen und hofft auf einen politischen Wechsel.

Auch Kolumbien steht noch auf Distanz, doch dort könnten die bevorstehenden Wahlen eine Kehrtwende bringen. In Venezuela ist nach der Absetzung von Nicolás Maduro zwar Bewegung zu erkennen, doch die Beziehungen zu Israel sind weiterhin ungeklärt. Kuba und Nicaragua bleiben fest im antiwestlichen Lager und dürften vorerst keine Partner Jerusalems werden.

Der Politikwissenschaftler Arie Katzovitch erklärt diese Entwicklungen als Teil einer typischen lateinamerikanischen Pendelbewegung. Wenn sich Regierungen nach rechts orientieren, verbessern sich traditionell die Beziehungen zu Israel. Die derzeitige Rechtswelle sei vor allem eine Reaktion auf das Scheitern linker Regierungen, die weder wirtschaftliche Stabilität noch innere Sicherheit gewährleisten konnten. Auch der Einfluss der amerikanischen Politik unter Präsident Trump spiele eine Rolle, da Washington wieder stärker auf seinen südlichen Nachbarn einwirke.

Für Israel ist klar, dass dieser Moment nicht von Dauer sein muss. Politische Strömungen können sich schnell ändern. Deshalb setzt Jerusalem auf rasche, konkrete Schritte. Abkommen werden geschlossen, Besuche organisiert, Kooperationen in Gang gesetzt. Israel will Fakten schaffen, bevor sich das politische Klima erneut dreht.

Lateinamerika wird für Israel zunehmend zu einem zentralen Schauplatz der Außenpolitik. Dort entscheidet sich nicht nur, wer im internationalen Abstimmungsreigen an Jerusalems Seite steht. Dort entscheidet sich auch, wie weit der Iran seine Tentakel noch ausstrecken kann. Jeder neue Partner in der Region stärkt Israels Position und schwächt jene Kräfte, die seine Existenz delegitimieren wollen.

Der sogenannte blaue Welleffekt ist mehr als ein modisches Schlagwort. Er markiert eine geopolitische Verschiebung, die Israels Handlungsspielraum erheblich erweitert. Wenn Jerusalem klug handelt, könnte Lateinamerika in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten Stützpfeiler seiner internationalen Stellung werden.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 6. Februar 2026

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