Trump will Abraham-Abkommen ausweiten und stößt auf Widerstand in Pakistan


Donald Trump will weitere muslimisch geprägte Staaten zur Anerkennung Israels bewegen. Doch Pakistan und Bangladesch zeigen, wie tief die Blockaden gegen Normalisierung noch sitzen.

Trump will Abraham-Abkommen ausweiten und stößt auf Widerstand in Pakistan
Bildnachweis: Symbolbild / KI

US-Präsident Donald Trump versucht, die Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen zu einem neuen außenpolitischen Hebel im Nahen Osten und darüber hinaus zu machen. Nach seinem Vorstoß sollen mehrere muslimisch geprägte Staaten, darunter Saudi-Arabien, Katar, Pakistan, die Türkei, Ägypten und Jordanien, sich gleichzeitig dem Normalisierungsrahmen mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen anschließen. Für Washington wäre das ein diplomatischer Durchbruch. Für JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen wäre es ein strategischer Gewinn. Für viele Staaten in der islamischen Welt aber ist es ein politisches Minenfeld, in dem innenpolitischer Druck, religiöse Symbolik, antiisraelische Traditionen und nüchterne Machtinteressen aufeinanderprallen.

Besonders deutlich zeigt sich das in Pakistan. Islamabad pflegt unter Trump offenbar enge Kontakte nach Washington und hat sich in der jüngsten Iran-Krise als möglicher Vermittler präsentiert. Doch ausgerechnet diese Nähe wird nun zum Problem. Trumps Erwartung, Pakistan könne sich in Richtung Anerkennung IsraelsExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen bewegen, trifft auf ein Land, dessen politische Öffentlichkeit seit Jahrzehnten stark pro-palästinensisch geprägt ist. Die Anerkennung Israels gilt dort nicht als normale außenpolitische Entscheidung, sondern als ideologisch aufgeladene Frage nationaler und religiöser Identität.

Pakistans Außenminister Ishaq Dar stellte deshalb klar, dass sich die Linie Islamabads nicht geändert habe. Pakistan werde Israel nicht anerkennen, solange kein unabhängiger palästinensischer Staat auf Grundlage der Grenzen vor 1967 mit Ostjerusalem als Hauptstadt errichtet sei. Diese Position ist nicht neu, erhält aber durch Trumps Druck neues Gewicht. Dar spricht nicht nur zu Washington, sondern vor allem nach innen. Er signalisiert der eigenen Bevölkerung, den religiösen Parteien und den Sicherheitseliten, dass Pakistan nicht bereit ist, eine amerikanische Forderung gegen den eigenen politischen Grundkonsens durchzusetzen.

Damit steht Trump vor einem klassischen Problem amerikanischer Nahost- und Südasienpolitik: Strategische Vernunft und innenpolitische Wirklichkeit anderer Staaten laufen nicht automatisch in dieselbe Richtung. Aus israelischer Sicht spricht viel für eine Ausweitung der Abraham-Abkommen. Normalisierung schafft wirtschaftliche, sicherheitspolitische und diplomatische Brücken. Sie nimmt antiisraelischen Kräften das Monopol über die regionale Erzählung. Sie zeigt, dass Israel nicht isoliert werden kann, solange Staaten ihre eigenen Interessen ernst nehmen. Doch für Regierungen wie jene in Islamabad ist genau dieser Schritt innenpolitisch riskant.

Pakistan ist dabei kein Randstaat. Es ist eine Atommacht, ein Schlüsselstaat Südasiens, ein Land mit großem Einfluss in Teilen der islamischen Welt und ein wichtiger Partner für Washington in sicherheitspolitischen Fragen. Wenn Pakistan Israel anerkennen würde, hätte das eine Wirkung weit über die bilateralen Beziehungen hinaus. Andere muslimisch geprägte Staaten könnten sich leichter bewegen. Die alte Erzählung, Israel sei in der islamischen Welt grundsätzlich unverhandelbar, würde weiter bröckeln. Genau deshalb ist der Widerstand so stark.

Bangladesch zeigt eine zweite Dimension dieser Blockade. Das Land will den Vermerk „Except Israel“ wieder in neue Reisepässe aufnehmen. Damit wird Bürgern signalisiert, dass Israel weiterhin ausdrücklich ausgeschlossen bleibt. Nach Berichten aus Bangladesch soll die Formulierung schrittweise in neuen Pässen wieder erscheinen, während bestehende Pässe zunächst gültig bleiben. Diese Entscheidung ist symbolisch, aber Symbole sind in diesem Konflikt nicht nebensächlich. Ein Staat, der Israel im Pass ausdrücklich ausschließt, macht Ablehnung zu einem Verwaltungsakt. Die Botschaft lautet: Normalisierung ist nicht nur politisch unerwünscht, sie soll im Dokument des Bürgers sichtbar bleiben.

Gerade dieser Schritt macht deutlich, dass die Abraham-Abkommen noch lange nicht automatisch in die weitere islamische Welt ausstrahlen. Seit 2020 haben die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und weitere Staaten gezeigt, dass Normalisierung mit Israel möglich ist, wenn Führung, Interessen und strategische Lage zusammenkommen. Doch Pakistan und Bangladesch folgen einer anderen Logik. Hier ist der Druck der Straße stärker, die ideologische Prägung tiefer und die Sorge größer, von religiösen oder politischen Gegnern als Verräter an der palästinensischen Sache dargestellt zu werden.

Das palästinensische Thema bleibt dabei für viele Regierungen ein Schutzschild und ein Vorwand zugleich. Es ist ein reales politisches Anliegen, weil die ungelöste palästinensische Frage in der islamischen Welt große emotionale Bedeutung hat. Zugleich dient sie Regierungen immer wieder dazu, eine Entscheidung zu vermeiden, die ihren langfristigen strategischen Interessen durchaus nützen könnte. Pakistan könnte von offenen Beziehungen zu Israel in den Bereichen Technologie, Landwirtschaft, Wasser, Sicherheit und Medizin profitieren. Bangladesch ebenfalls. Doch solange Israel innenpolitisch als Feindbild funktioniert, ist Pragmatismus schwer vermittelbar.

Für Israel ist diese Lage widersprüchlich. Einerseits zeigen Trumps Bemühungen, dass der jüdische Staat nicht mehr nur als regionaler Sonderfall behandelt wird, sondern als möglicher Partner in einer größeren Ordnung vom Nahen Osten bis Südasien. Andererseits zeigt der Widerstand, wie fest antiisraelische Reflexe in vielen politischen Kulturen noch verankert sind. Es reicht nicht, dass Israel wirtschaftlich stark, technologisch führend und sicherheitspolitisch unverzichtbar ist. In vielen Ländern muss zuerst eine jahrzehntelang gepflegte Erzählung aufgebrochen werden, nach der Israel nicht als Staat mit legitimen Interessen, sondern als moralisches Problem gilt.

Trump setzt auf Druck, Tempo und politische Symbolik. Das kann Bewegung erzeugen, aber auch Trotzreaktionen auslösen. Wenn Washington Staaten öffentlich auffordert, sich den Abraham-Abkommen anzuschließen, zwingt es deren Regierungen zu sichtbaren Antworten. Für autoritäre oder fragile Systeme kann das gefährlich sein. Sie müssen dann nicht nur mit den USA verhandeln, sondern vor der eigenen Öffentlichkeit erklären, warum sie Israel anerkennen sollten. In Pakistan könnte eine solche Debatte schnell von religiösen Parteien, antiwestlichen Kräften und Teilen des politischen Establishments genutzt werden, um jede Annäherung als Unterwerfung unter Washington darzustellen.

Trotzdem sollte man Trumps Initiative nicht vorschnell abschreiben. Die Abraham-Abkommen haben bereits bewiesen, dass alte Gewissheiten im Nahen Osten veränderbar sind. Auch Staaten, die Israel jahrzehntelang ablehnten, können ihre Interessen neu bewerten, wenn die strategische Lage sich verschiebt. Iran, islamistischer Terror, wirtschaftliche Modernisierung, Energiefragen, Handelswege und technologische Zusammenarbeit schaffen neue Anreize. Die Frage ist, ob diese Anreize in Pakistan und Bangladesch stärker werden können als ideologische Blockaden.

Für Jerusalem bleibt entscheidend, dass Normalisierung nicht um den Preis falscher Illusionen erkauft wird. Eine Anerkennung Israels ist nur dann tragfähig, wenn sie nicht als heimlicher Handel gegen die eigene Öffentlichkeit betrieben wird, sondern politisch belastbar ist. Israel braucht Partner, die nicht bei jeder Krise zurückweichen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass Normalisierung mit Staaten möglich ist, deren Führung bereit ist, gegen antiisraelische Reflexe eigene Interessen zu verteidigen. Wo diese Bereitschaft fehlt, bleibt jeder Schritt unsicher.

Die kommenden Monate könnten deshalb zeigen, ob Trumps Druck Pakistan in Bewegung bringt oder das Gegenteil bewirkt. Islamabad wird versuchen, die Beziehungen zu Washington zu pflegen, ohne Israel anzuerkennen. Washington wird prüfen, wie groß der Hebel tatsächlich ist. Bangladesch wiederum signalisiert mit der Passfrage, dass eine Normalisierung derzeit politisch kaum gewollt ist. In beiden Ländern wird Israel weniger nach konkretem Verhalten bewertet als nach einem historischen und religiösen DeutungsrahmenFraming: Wie Sprache Wahrnehmung lenktFraming bedeutet, dass Informationen durch Sprache, Auswahl, Bilder und Zusammenhänge in einen bestimmten Deutungsrahmen gesetzt werden. Dadurch kann dieselbe Tatsache unterschiedlich wahrgenommen werden.Mehr lesen, der jede Annäherung erschwert.

Die Abraham-Abkommen stehen damit an einer neuen Grenze. Ihre erste Phase zeigte, dass Israel und arabische Staaten gemeinsame Interessen offen benennen können. Die nächste Phase wäre schwieriger: Sie müsste Staaten erfassen, in denen Israel nicht nur außenpolitisch umstritten, sondern tief in der politischen Identität als Gegenbild verankert ist. Pakistan und Bangladesch sind dafür die entscheidenden Beispiele.

Für Israel ist die Richtung dennoch klar. Jeder Staat, der Beziehungen zu Jerusalem normalisiert, schwächt das alte Boykottdenken. Jeder offene Kanal durchbricht die Vorstellung, Israel könne dauerhaft isoliert werden. Doch gerade die Widerstände in Südasien zeigen, dass dieser Prozess keine diplomatische Formsache ist. Er ist ein Kampf um politische Wirklichkeit gegen ideologische Gewohnheit.

Trump will die Abraham-Abkommen ausweiten. Pakistan bremst. Bangladesch geht demonstrativ auf Distanz. Daraus entsteht kein Scheitern, aber eine harte Lektion: Normalisierung mit Israel ist dort am schwierigsten, wo Regierungen über Jahrzehnte zugelassen haben, dass Feindschaft zur politischen Selbstverständlichkeit wurde. Genau deshalb bleibt der Druck notwendig. Nicht weil Israel Anerkennung erbetteln müsste, sondern weil die islamische Welt entscheiden muss, ob sie weiter an alten Verweigerungen festhält oder endlich beginnt, mit dem jüdischen Staat so umzugehen, wie er ist: als dauerhafte, legitime und unverzichtbare Realität im Nahen Osten.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 5. Juni 2026

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