Wieder Terror in Jordanien: Polizist bei Messerangriff in Amman getötet
Knapp zwei Wochen nach dem Massaker an christlichen Trauergästen erschüttert ein neuer Terroranschlag Jordanien. Diesmal trifft es einen Polizisten mitten in der Hauptstadt. Die Sicherheitsbehörden sprechen von einer geplanten Tat.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
In der jordanischen Hauptstadt Amman ist am Donnerstag, dem 5. November 2026, ein Polizist bei einem Messerangriff getötet worden. Ein weiterer Sicherheitsbeamter wurde verletzt. Die jordanische Sicherheitsdirektion bezeichnete die Tat nach ersten Ermittlungen ausdrücklich als Terroranschlag gegen Angehörige der Polizei. Der mutmaßliche Täter wurde noch am Tatort festgenommen.
Der Angriff ereignete sich gegen 12.20 Uhr auf der stark befahrenen Al-Madina-al-Munawara-Straße in der Nähe der sri-lankischen Botschaft. Nach Angaben der jordanischen Behörden griff ein Mann den diensthabenden Polizeibeamten Jawad Ali Khalaf al-Salayta unvermittelt mit einer Stichwaffe an und verletzte ihn schwer.
Eine Polizeistreife, die sich in unmittelbarer Nähe befand, griff ein. Bei der anschließenden Auseinandersetzung wurde der Angreifer überwältigt und festgenommen. Der verantwortliche Streifenführer erlitt Verletzungen im Gesicht und musste ebenfalls im Krankenhaus behandelt werden. Sein Zustand wird als stabil beschrieben.
Für al-Salayta kam jede Hilfe zu spät. Er wurde noch in ein Krankenhaus gebracht, erlag dort jedoch seinen Verletzungen. Die jordanische Sicherheitsdirektion bestätigte seinen Tod und sprach seiner Familie und seinen Kollegen ihr Beileid aus.
Nach den ersten Erkenntnissen der Ermittler hatte der Angreifer die Tat vorbereitet und gezielt Sicherheitskräfte ins Visier genommen. Über seine Identität und eine mögliche Zugehörigkeit zu einer Terrororganisation machten die Behörden zunächst keine Angaben. Auch ein konkretes ideologisches Motiv wurde noch nicht veröffentlicht.
Nach einem Bericht des jordanischen Staatssenders Al-Mamlaka soll der Täter außerdem versucht haben, dem angegriffenen Polizisten dessen Dienstwaffe abzunehmen. Diese Einzelheit wurde nicht in allen offiziellen Mitteilungen bestätigt.
Nach dem Kirchenmassaker wächst die Sorge vor weiterer Gewalt
Der Anschlag fällt in eine Zeit erheblicher sicherheitspolitischer Spannungen in Jordanien. Erst am 23. Oktober hatten bewaffnete Terroristen eine christliche Trauerfeier an der griechisch-orthodoxen St.-Georgs-Kirche im Dorf Hamoud in der Provinz Karak angegriffen.
Die Täter eröffneten das Feuer auf Menschen, die sich zur Beerdigung versammelt hatten. Neun Menschen wurden getötet, Dutzende weitere verletzt. Die Tat richtete sich gegen eine christliche Gemeinde und erschütterte das Königreich, in dem Anschläge dieser Größenordnung vergleichsweise selten sind.
Über den Angriff hatten wir bereits unmittelbar nach der Tat berichtet. Damals war die Opferzahl noch niedriger, weil die Behörden das vollständige Ausmaß des Massakers erst später bestätigen konnten.
Inzwischen haben die jordanischen Ermittler ihre Untersuchungen weitgehend abgeschlossen. Am 3. November erhob die Staatsanwaltschaft des Staatssicherheitsgerichts mehrere Terrorismusanklagen gegen die mutmaßlichen Beteiligten. Dazu gehören neun Anklagepunkte wegen terroristischer Handlungen mit Todesfolge, der Einsatz von Waffen sowie die Verbreitung der Ideologie einer Terrororganisation.
Am 4. November begann das Verfahren vor dem Staatssicherheitsgericht. Den Angeklagten werden neben der Beteiligung am Massaker auch die Vorbereitung terroristischer Handlungen und der Besitz entsprechender Waffen vorgeworfen.
Die Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Täter des Kirchenanschlags sind damit inzwischen wesentlich weiter fortgeschritten als zum Zeitpunkt der ersten Meldungen.
Ob zwischen dem Anschlag auf die Kirche und der Messerattacke in Amman ein Zusammenhang besteht, ist allerdings nicht geklärt. Die zeitliche Nähe allein reicht dafür nicht aus. Auch eine gemeinsame organisatorische Verantwortung ist bislang nicht nachgewiesen.
Dennoch zeigen beide Vorfälle, dass Jordanien gegenwärtig mit unterschiedlichen Formen terroristischer Gewalt konfrontiert ist. Während in Karak eine christliche Trauergemeinde angegriffen wurde, richtete sich der neue Anschlag unmittelbar gegen staatliche Sicherheitskräfte.
Jordanien reagiert mit verschärfter Terrorbekämpfung
König Abdullah II. hatte bereits nach dem Massaker in Karak eine entschlossene Reaktion gegen terroristische Gruppen angekündigt. Die Sicherheit und Einheit Jordaniens dürften nicht durch bewaffnete Extremisten gefährdet werden.
Im Anschluss daran griff die jordanische Luftwaffe mutmaßliche Stellungen extremistischer Gruppen im Süden Syriens an. Die jordanischen Behörden erklärten, die Angriffe hätten sich gegen Netzwerke gerichtet, die mit dem Kirchenmassaker in Verbindung gebracht würden.
Nach jordanischen Angaben wurden dabei zahlreiche Angehörige des sogenannten Islamischen Staates getötet. Syrien berichtete dagegen auch über zivile Todesopfer und kritisierte die Verletzung seiner Souveränität. Beide Regierungen vereinbarten anschließend eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit.
Die Entwicklung verdeutlicht, wie eng Jordaniens innere Sicherheit mit den Verhältnissen in seinen Nachbarstaaten verbunden ist. Das Königreich grenzt an Syrien, den Irak, Saudi-Arabien sowie IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen. Die Instabilität in Teilen der Region stellt die jordanischen Sicherheitsbehörden seit Jahren vor erhebliche Herausforderungen.
Jordanien hat wiederholt versucht, den Schmuggel von Waffen und Drogen aus Syrien zu unterbinden. Zugleich müssen die Sicherheitskräfte verhindern, dass bewaffnete Extremisten die Grenzen überschreiten oder innerhalb des Landes Unterstützungsnetzwerke aufbauen.
Erst Ende Oktober meldete das jordanische Militär einen bewaffneten Zwischenfall an der syrischen Grenze. Nach Angaben der Streitkräfte versuchte eine Gruppe von 14 Bewaffneten, die Grenze zu überqueren. Jordanische Soldaten eröffneten das Feuer, mehrere Angreifer wurden getroffen, andere flohen zurück nach Syrien.
Ob diese Grenzvorfälle, das Kirchenmassaker und die Messerattacke in Amman miteinander verbunden sind, lässt sich aus den bisher veröffentlichten Erkenntnissen nicht ableiten.
Für Jordanien ist die Bedrohung dennoch besonders ernst. Das Land gehört zu den wichtigsten arabischen Partnern Israels und unterhält seit 1994 einen Friedensvertrag mit dem jüdischen Staat. Eine Destabilisierung des Königreichs hätte deshalb auch Folgen für die Sicherheitslage an Israels östlicher Grenze.
Jordanien spielt zudem eine wichtige Rolle bei der regionalen Terrorbekämpfung und arbeitet dabei mit westlichen Sicherheitsbehörden zusammen.
Der jüngste Anschlag zeigt, dass selbst in der Hauptstadt, unter vergleichsweise hoher Polizeipräsenz und in unmittelbarer Nähe diplomatischer Einrichtungen, tödliche Angriffe möglich sind.
Dabei verdienen die Opfer besondere Aufmerksamkeit. Der getötete Polizist Jawad Ali Khalaf al-Salayta war im Dienst, als er angegriffen wurde. Ein zweiter Beamter wurde verletzt, als er versuchte, den Täter aufzuhalten.
Zwei Wochen nach dem Massaker an christlichen Trauergästen hat der Terror in Jordanien ein weiteres Menschenleben gefordert.Noch ist nicht bekannt, wer hinter dem neuen Angriff steht oder ob er Teil eines größeren Netzwerks ist. Die jordanischen Sicherheitsbehörden müssen nun klären, ob der festgenommene Täter allein handelte und ob weitere Anschläge vorbereitet wurden.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 5. November 2026