Pahlavi spricht von Rissen im Regime: Militärs und Beamte sollen sich heimlich abwenden
Reza Pahlavi behauptet, Teile des iranischen Staats- und Militärapparats hätten begonnen, sich innerlich von der Islamischen Republik zu lösen. Belegen lassen sich diese geheimen Kontakte bislang nicht. Dass das Regime unter erheblichem innerem Druck steht, zeigen jedoch die Proteste, die Repression und die wachsende Nervosität Teherans.

Bildnachweis: ir.voanews.com
Reza Pahlavi sieht den Kampf gegen die Islamische Republik in einer neuen Phase. Vor Tausenden Unterstützern beim Treffen „Cyrus the Great II“ in Toronto erklärte der im ExilDiaspora: Jüdisches Leben außerhalb IsraelsDiaspora bezeichnet die Zerstreuung eines Volkes außerhalb seiner historischen Heimat. In jüdischem Zusammenhang meint der Begriff besonders die jüdischen Gemeinschaften außerhalb Israels. Die jüdische Diaspora entstand durch Exil, Vertreibung, Migration und jahrhundertelanges Leben als Minderheit.Mehr lesen lebende frühere Kronprinz, Angehörige des iranischen Militärs und ziviler Staatsstrukturen würden sich zunehmend vom Regime absetzen. Vorerst geschehe dies meist nicht öffentlich: Einige blieben formal auf ihren Posten, verweigerten aber zunehmend Aufgaben oder suchten über gesicherte Kanäle Kontakt zur Opposition.
Pahlavi bezeichnete diesen Prozess als „active defection“, also als aktive Absetzbewegung innerhalb des Systems. Nach seiner Darstellung untergraben diese Personen die Repressionsstrukturen inzwischen „still, aber entschlossen“ von innen.
Diese Angaben sind politisch bedeutend, aber bislang nicht unabhängig überprüfbar. Pahlavi nennt aus Sicherheitsgründen keine Namen, Dienststellen oder Zahlen. Ob es sich um einzelne Kontakte oder tatsächlich um eine breitere Entwicklung innerhalb des Staatsapparats handelt, lässt sich von außen derzeit nicht feststellen.
Genau diese Grenze ist wichtig. Dass Pahlavi einen Zerfallsprozess beschreibt, macht ihn noch nicht zur bewiesenen Tatsache.
Nach dem Januar-Aufstand ist die Ruhe nur äußerlich
Unstrittig ist dagegen, dass die Islamische Republik seit den Protesten vom Januar unter erheblichem innerem Druck steht.
Human Rights Watch dokumentierte nach dem 8. Januar koordinierte Massentötungen von Demonstranten und Passanten durch iranische Sicherheitskräfte. Die Organisation spricht von Tausenden mutmaßlich Getöteten und weist darauf hin, dass Internetabschaltungen und staatliche Informationskontrolle eine genaue Opferzahl bis heute erschweren.
Die von der „JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post“ genannte Zahl von mehr als 40.000 Toten ist dagegen keine allgemein bestätigte Opferbilanz. Sie entspricht deutlich höheren Schätzungen aus Oppositions- und Exilkreisen. Deshalb sollte sie nicht als gesicherte Zahl übernommen werden.
Pahlavi ordnete die Januar-Proteste in eine längere Entwicklung ein: von Protesten 2017 und 2019 über die landesweite Bewegung nach dem Tod Mahsa Aminis 2022 bis zum Aufstand Anfang dieses Jahres. Sein Argument: Die Protestbewegung sei nicht verschwunden, sondern habe ihre Methoden verändert.
Das iranische Regime selbst behandelt Pahlavi inzwischen offen als Gegner. Die iranische Justiz leitete 2026 Verfahren gegen ihn und Exiljournalisten ein und warf ihnen vor, die Januar-Proteste angeheizt zu haben. haOlam berichtete bereits darüber, wie Teheran versucht, auch außerhalb des Landes tätige Oppositionelle und Medien unter Druck zu setzen.
Pahlavi erklärte in Toronto zugleich ausdrücklich, ein Zusammenbruch des Systems sei weder automatisch noch unmittelbar zu erwarten. Der Sturz der Islamischen Republik sei ein mehrstufiger Prozess. Diese Einschränkung ist bemerkenswert, weil sie seine Aussagen über angebliche Absetzbewegungen innerhalb des Regimes relativiert: Auch nach seiner eigenen Darstellung ist die Machtfrage keineswegs entschieden.
Opposition soll sich auf vier Punkte einigen
Für die Zeit nach einem möglichen Ende der Islamischen Republik versucht Pahlavi gleichzeitig, unterschiedliche Oppositionsgruppen auf einen Minimalkonsens festzulegen.
Monarchisten und Republikaner, Linke und Rechte sollten nach seiner Vorstellung vier Grundsätze akzeptieren: die territoriale Einheit Irans, die Trennung von Religion und Staat, individuelle Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetz sowie freie Wahlen, in denen die Iraner selbst über ihre künftige Staatsform entscheiden.
Damit versucht Pahlavi, eine Frage zunächst auszuklammern, an der sich Irans Opposition seit Jahrzehnten spaltet: ob nach einem Regimewechsel wieder eine Monarchie entstehen oder eine Republik geschaffen werden soll.
In Toronto erhielt diese Debatte auch kanadische Unterstützung. Der konservative Parteivorsitzende Pierre Poilievre forderte strengere Kontrollen von Personen mit Verbindungen zu den RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen sowie weitere Maßnahmen gegen Vermögen des Regimeumfelds. Kanada führt die Islamischen Revolutionsgarden seit Juni 2024 offiziell als Terrororganisation nach seinem Strafrecht.
Die zentrale Frage bleibt jedoch innerhalb Irans.
Ob tatsächlich Militärangehörige, Beamte und Funktionäre in größerer Zahl beginnen, dem Regime die Gefolgschaft zu verweigern, lässt sich derzeit nicht verlässlich messen. Pahlavis Aussagen sind deshalb als Aussagen eines führenden Oppositionspolitikers zu behandeln, nicht als bestätigte Geheimdienstlage.
Was sich hingegen dokumentieren lässt, ist ein Regime, das auf Protest mit massiver Gewalt reagiert, Oppositionelle auch im Ausland verfolgt und seine Bevölkerung mit Hinrichtungen, Haft und Überwachung einschüchtert.
Pahlavis These lautet, dass diese Repression inzwischen nicht mehr nur Widerstand erzeugt, sondern auch innerhalb des Systems Loyalität kostet.
Ob daraus tatsächlich eine offene Absetzbewegung entsteht, wird sich erst zeigen, wenn diejenigen, von denen Pahlavi spricht, ihre Deckung verlassen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 24. September 2026