Teheran rekrutiert Kindersoldaten: Zwölfjährige bewaffnet, Elfjähriger bereits „im Dienst“ getötet
Das iranische Regime zieht Kinder gezielt in seine militärischen Strukturen. Zwölfjährige wurden bereits mit Sturmgewehren und an Kontrollposten dokumentiert, ein Elfjähriger starb dort. Jetzt kündigt Teheran Trainingsprogramme auch für Kinder unter 15 Jahren an und erhebt „Selbstaufopferung“ zum Erziehungsziel.

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Die Islamische Republik rekrutiert Kinder für militärische und sicherheitsrelevante Aufgaben. Das ist keine harmlose „Jugendmobilisierung“ und keine patriotische Freizeitveranstaltung. Amnesty International dokumentierte bereits im Frühjahr Zwölfjährige mit AK-Sturmgewehren, Minderjährige auf Patrouillen und an Kontrollpunkten der RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen. Die Menschenrechtsorganisation bezeichnete die Rekrutierung und Mobilisierung von Kindern unter 15 Jahren ausdrücklich als Kriegsverbrechen. Nun bestätigt das Regime selbst, dass seine neue „Janfada“-Kampagne auch auf Kinder unter 15 ausgeweitet werden soll.
Kampagnensprecher Sasan Zare erklärte gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur ILNA, dass bereits 15-Jährige ausgebildet würden. Wegen der Nachfrage seien nun besondere Trainingsangebote für jüngere Altersgruppen vorgesehen. Die JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post berichtet ausdrücklich, dass Kinder unter 15 Jahren für die Kampagne geschult werden sollen. Iran International gibt Zares Aussagen etwas vorsichtiger wieder: Für Unter-15-Jährige werde zunächst von militärischen Konzepten, Patriotismus und „Selbstaufopferung“ gesprochen, während formelles Waffentraining für diese Altersgruppe bestritten werde. Entscheidend ist jedoch, was Zare selbst als Ziel formuliert: Kinder sollen möglichst früh so geprägt werden, dass Opferbereitschaft für Staat und Regime Teil ihres Wertesystems wird.
Bei älteren Teilnehmern lässt Teheran ohnehin keinen Zweifel am militärischen Charakter. Vorgesehen sind Ausbildung für Kriegsvorbereitung, Überwachung, Nachrichtengewinnung, lokale Sicherung, den Einsatz kleiner militärisch nutzbarer Drohnen sowie möglicherweise schultergestützter Waffen. Die Basij stellt die organisatorische Plattform, die Inhalte werden von ihr genehmigt, weitere Teile der iranischen Streitkräfte sollen Ausbildungskapazitäten bereitstellen. Gleichzeitig soll der Imam-Hussein-Platz in Teheran zeitweise in ein militärisches Trainingslager verwandelt werden. Das Regime bringt seine Militarisierung damit bewusst aus Kasernen mitten in den öffentlichen Raum.
Der Elfjährige am Kontrollposten war kein Einzelfall aus der Propaganda
Wie tödlich diese Politik bereits ist, zeigt der Fall Alireza Jafari. Der Elfjährige wurde am 29. März an einem Kontrollposten der Revolutionsgarden in Teheran getötet. Die Basij-Lehrerorganisation bestätigte nach iranischen Medienberichten, dass der Fünftklässler dort „im Dienst“ gewesen sei. Seine Mutter berichtete, der Vater habe wegen Personalmangels nicht nur Alireza, sondern auch dessen erst neunjährigen Bruder mit zum Kontrollpunkt genommen. Amnesty wertete zudem 16 Fotos und Videos aus, die Minderjährige mit Waffen oder gemeinsam mit Revolutionsgarden und Basij an Kontrollstellen, auf Patrouillen und bei militarisierten Veranstaltungen zeigen.
Bereits Ende März hatte ein Funktionär des IRGC-Kommandos Mohammad Rasoulollah erklärt, das Mindestalter für die Kampagne „Kämpfer zur Verteidigung der Heimat“ liege bei zwölf Jahren. Minderjährige sollten nicht nur Essen verteilen oder Verbände tragen. Offiziell angekündigt wurden auch operative und sicherheitsbezogene Aufgaben wie Patrouillen, Kontrollposten und logistische Unterstützung militärischer Strukturen. haOlam hatte über diese Rekrutierung bereits berichtet. Die neue Janfada-Kampagne ist deshalb keine plötzliche Entgleisung, sondern die Fortsetzung einer bereits dokumentierten staatlichen Praxis.
Der Begriff „Selbstaufopferung“ macht deutlich, worum es dem Regime zusätzlich geht. Kinder sollen nicht nur verfügbar gemacht, sondern ideologisch darauf vorbereitet werden, ihren eigenen Tod für Staat, Revolutionsgarden und Basij als Tugend zu betrachten. Zare erklärte, die Kampagne stehe unter einem Slogan, wonach man nur ein Leben habe und dieses für Iran gebe. Dass ein Staat einen solchen Gedanken gezielt Kindern vermitteln will, ist keine Erziehung zu Verantwortung. Es ist politische Indoktrination mit militärischem Ziel.
Völkerrechtlich ist die Rekrutierung von Kindern unter 15 Jahren für bewaffnete Kräfte oder ihr aktiver Einsatz in Feindseligkeiten klar verboten und als Kriegsverbrechen eingeordnet. Die Vereinten Nationen zählen die Rekrutierung und Verwendung von Kindern zu den sechs schwersten Verstößen gegen Kinder in bewaffneten Konflikten. Dabei umfasst der Begriff Kindersoldaten ausdrücklich nicht nur Jugendliche, die unmittelbar schießen, sondern auch Kinder, die als Späher, Boten, Wachpersonal oder in anderen militärischen Unterstützungsfunktionen eingesetzt werden.
Teheran versucht, diesen Vorgang mit Worten wie „Patriotismus“, „Widerstand“ und „Selbstaufopferung“ zu verklären. Die belegten Fakten sind einfacher: Das Regime hat Zwölfjährige rekrutiert, Minderjährige bewaffnet eingesetzt und einen Elfjährigen an einem militärischen Kontrollpunkt verloren. Statt diese Praxis nach internationaler Kritik zu beenden, sollen nun noch jüngere Kinder systematisch an dieselbe Ideologie und dieselben Strukturen herangeführt werden. Amnesty nennt das Rekrutierung von Kindersoldaten. Genau so sollte man es auch nennen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 23. September 2026