Iranischer Machtkampf um Trump-Deal: Teherans Hardliner wollen keinen Preis zahlen


In Iran wächst der Widerstand gegen eine Verständigung mit den USA. Während Trump noch über den Deal entscheidet, kämpfen in Teheran Präsident, Parlament, Staatsfernsehen und Hardliner um die Frage, wer die Bedingungen diktiert.

Iranischer Machtkampf um Trump-Deal: Teherans Hardliner wollen keinen Preis zahlen
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Der mögliche Iran-Deal mit den USA wird nicht nur in Washington entschieden. Mindestens ebenso hart wird in Teheran darum gerungen, ob das Regime überhaupt bereit ist, einen Preis für eine Einigung zu zahlen. Nach Berichten der New York Times, von N12 und Iran International wächst innerhalb der iranischen Führung der Widerstand gegen die Verhandlungen mit Präsident Donald Trump. Besonders die harten Kräfte im Regime versuchen, jede Verständigung als Schwäche erscheinen zu lassen.

Der Konflikt trifft Iran in einer besonders verletzlichen Lage. Die Wirtschaft steht unter massivem Druck, die Folgen des Krieges sind schwer, und die Verhandlungen mit Washington sollen eine Verlängerung der Feuerpause sowie Gespräche über das Atomprogramm ermöglichen. Reuters berichtete, dass Iran und die USA weiter über zentrale Streitpunkte ringen. Zugleich ist Irans hochangereichertes Uran ein entscheidender Hebel in den Gesprächen. Vor den Angriffen verfügte Iran laut IAEA über 440,9 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran. Ein Teil davon soll weiter vorhanden sein, was den Druck auf jede Vereinbarung erhöht.

In Teheran kämpfen nun mehrere Lager gegeneinander. Präsident Massud Peseschkian kritisierte nach israelischen Berichten das staatliche Fernsehen, weil es die Verhandlungen als Niederlage darstelle und die gesellschaftlichen Gräben vertiefe. Er verwies darauf, dass selbst die frühere oberste Führung den Weg an den Verhandlungstisch gebilligt habe. Genau das ist der Kern des Streits: Ein Teil des Systems erkennt, dass Iran ohne Einigung wirtschaftlich und politisch weiter ausblutet. Ein anderer Teil will jede Konzession an die USA verhindern und den Krieg als Beweis iranischer Stärke verkaufen. Iran International berichtet ebenfalls von wachsendem Druck gegen Peseschkian und pragmatischere Kräfte.

Die Hardliner gehen dabei offen in die Offensive. In Teheran versammelten sich Unterstützer des radikalen Lagers und forderten die Fortsetzung der Konfrontation. Der Parlamentsabgeordnete Ebrahim Azizi, Vorsitzender des Ausschusses für Sicherheit und Außenpolitik, erklärte, Trump müsse wissen, dass Iran als „Sieger auf dem Schlachtfeld“ die Bedingungen festlege. Diese Sprache zeigt, wie sehr die Führung um Deutungshoheit ringt. Während Washington militärischen Druck, Sanktionen und Verhandlungen kombiniert, will das radikale Lager in Iran jeden Eindruck vermeiden, Teheran sei zu Zugeständnissen gezwungen worden.

Besonders bemerkenswert ist, dass sich der Druck inzwischen auch gegen den neuen obersten Führer Mojtaba Khamenei richtet. Nach N12-Berichten veröffentlichte der radikale Geistliche und Abgeordnete Hamid Rezaei einen Beitrag mit der Frage, wer für die oberste Führung geeignet sei. Er spielte dabei auf familiäre Herkunft an und deutete an, dass Verwandtschaft allein keine politische Legitimation schaffe. In einem System, das Loyalität nach außen inszeniert, ist ein solcher Angriff mehr als eine persönliche Spitze. Er zeigt, dass selbst die Spitze des Regimes nicht mehr unangreifbar wirkt.

Auch hinter den Kulissen soll der Machtkampf scharf geführt werden. Zwei iranische Vertreter berichteten laut N12, Ali Bagheri Kani, ein Vertreter des harten Lagers im Umfeld des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, habe an Khamenei geschrieben und das Verhandlungsteam um Mohammed Bagher Ghalibaf als zu nachgiebig gegenüber den Amerikanern dargestellt. Ziel war offenbar, den Handlungsspielraum der Unterhändler zu begrenzen und Ghalibafs Position zu schwächen. Iran International berichtet ebenfalls, dass die Debatte über ein mögliches Abkommen den Druck auf Ghalibaf massiv erhöht habe.

Gleichzeitig zeigt ein anderes Detail, wie ernst die Lage im Inneren sein dürfte. Peseschkian und Ghalibaf sollen bereits im April gemeinsam vor einer schweren Haushaltskrise, wirtschaftlicher Not und möglichen Massenprotesten gewarnt haben, falls kein Abkommen mit den USA erreicht werde. Bagheri Kani soll sich geweigert haben, diesen Brief zu unterstützen, und dessen Inhalt an radikale Parlamentarier weitergegeben haben. Sollte diese Darstellung zutreffen, dann geht es nicht nur um Außenpolitik. Es geht um die Stabilität des Regimes selbst.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist dieser innere Machtkampf entscheidend. Ein Regime, das nach außen verhandelt und nach innen zugleich von Hardlinern blockiert wird, ist kein verlässlicher Vertragspartner. Wenn Teheran heute behauptet, Trump übertreibe oder erfinde zentrale Punkte des möglichen Memorandums, während radikale Kräfte jede Einigung sabotieren wollen, dann muss JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen besonders vorsichtig sein. Ein Deal, der schon vor Abschluss in Teheran umstritten ist, kann morgen leicht gebrochen, umgedeutet oder als taktische Pause genutzt werden.

Die Lage zeigt auch, warum Iran nicht wie ein normaler Staat behandelt werden kann. Dort verhandelt nicht eine einheitliche Regierung mit klarer Verantwortung, sondern ein Geflecht aus Präsident, Parlament, RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen, Sicherheitsrat, Staatsmedien, Geistlichkeit und Machtzentren um die oberste Führung. Genau diese Zersplitterung macht Vereinbarungen gefährlich. Was ein Lager unterschreibt, kann ein anderes sabotieren. Was nach außen als Diplomatie erscheint, kann nach innen als Verrat bekämpft werden.

Trump will einen Deal, der Iran von der Atomwaffe abhält. Iran will wirtschaftliche Entlastung, Zugriff auf eingefrorene Gelder und internationale Luft. Die Hardliner wollen beides vermeiden, wenn der Preis dafür echte Kontrolle und strategische Zugeständnisse sind. Für Israel darf deshalb nicht entscheidend sein, ob es in den kommenden Tagen eine politische Formel gibt. Entscheidend ist, ob Iran überprüfbar geschwächt wird.

Teherans Machtkampf ist damit keine Randnotiz. Er ist der Schlüssel zum Verständnis der gesamten Verhandlungslage. Ein Iran, dessen radikale Kräfte den eigenen Präsidenten, das Verhandlungsteam und sogar die oberste Führung unter Druck setzen, wird jede Lücke nutzen. Für Jerusalem bleibt deshalb nur eine nüchterne Schlussfolgerung: Diplomatie ist nur dann sinnvoll, wenn sie Irans Fähigkeiten tatsächlich beschneidet. Alles andere wäre eine Feuerpause für ein Regime, das im Inneren schon am nächsten Bruch arbeitet.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 30. Mai 2026

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