Netanjahu soll Trump um weitere Wahlkampfhilfe gebeten haben

Netanjahu soll Trump um weitere Wahlkampfhilfe gebeten haben


Zwei Tage vor der Knessetwahl berichtet ein amerikanischer Insider über neue Bitten Netanjahus an Donald Trump. Der US-Präsident hat sich bereits öffentlich für ihn ausgesprochen. Der Likud weist den Bericht entschieden zurück.

Netanjahu soll Trump um weitere Wahlkampfhilfe gebeten haben
Bildnachweis: The White House

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu soll US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Tagen mehrfach um zusätzliche öffentliche Unterstützung für seinen Wahlkampf gebeten haben. Das berichtet der israelische Journalist Barak Ravid unter Berufung auf eine amerikanische und eine israelische Quelle. Der Likud bestreitet die Darstellung.

Nach den Informationen des Senders N12 führten Netanjahu und Trump innerhalb von drei Tagen zwei Gespräche. Dabei soll der israelische Regierungschef seinen Wunsch geäußert haben, dass Trump seine bereits veröffentlichte Wahlempfehlung erneut und möglichst deutlich bekräftigt.

Der Bericht geht noch weiter: Netanjahu habe dem amerikanischen Präsidenten sogar Formulierungsvorschläge für zusätzliche Unterstützungserklärungen unterbreitet. Außerdem soll er angeregt haben, dass Trump direkt mit israelischen Journalisten telefoniert, um sich erneut für seine Wiederwahl auszusprechen.

Ein amerikanischer Informant bezeichnete Netanjahus angebliche Bemühungen gegenüber Ravid als Zeichen politischer Verzweiflung. Im Weißen Haus werde dies nach Darstellung der Quelle als Hinweis verstanden, dass Netanjahu selbst mit einer schwierigen Ausgangslage rechne.

Diese Einschätzung ist die Interpretation einer anonymen Quelle, kein belegter Einblick in Netanjahus tatsächliche Erwartungen.

Der Likud widersprach dem Bericht ausdrücklich. Netanjahu habe Trump weder jetzt noch vor dessen erster Unterstützungserklärung um eine Wahlempfehlung gebeten. Das Büro des Ministerpräsidenten wollte sich zu den Angaben nicht äußern. Eine eigene Stellungnahme des Weißen Hauses zu den neuen Vorwürfen lag zunächst nicht vor.

Trumps Einmischung in den Wahlkampf ist dagegen öffentlich dokumentiert.Am 18. Oktober sprach sich der US-Präsident ausdrücklich für Netanjahus Wiederwahl aus. Dabei stellte er die weitere Zusammenarbeit gegen die iranische Bedrohung in den Mittelpunkt und bezeichnete Netanjahu als den für Washington geeigneten Partner.

Am folgenden Tag bedankte sich Netanjahu in einem veröffentlichten Telefongespräch bei Trump. Beide sprachen über Iran und die weitere Zusammenarbeit. Trump erklärte dabei, seine Unterstützungserklärung selbst verfasst zu haben.

Die amerikanische Wahlempfehlung ist besonders bemerkenswert, weil sie unmittelbar vor einer demokratischen Wahl in einem verbündeten Staat erfolgt. Oppositionspolitiker wie Gadi Eisenkot betonen deshalb, dass ausschließlich die israelischen Bürger über ihre nächste Regierung entscheiden.

Hinter Trumps Unterstützung stehen zugleich amerikanische Interessen. Die Zusammenarbeit mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen betrifft den Iran, die regionale Sicherheitsordnung und die Ausweitung diplomatischer Beziehungen zu arabischen Staaten.

Nach Informationen von Axios betrachten manche Berater Trumps einen möglichen Regierungswechsel in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen keineswegs ausschließlich als Nachteil. Sie sehen darin auch Chancen, amerikanische Ziele im Nahen Osten unter einer anderen israelischen Führung durchzusetzen.

Für Netanjahu ist die öffentliche Rückendeckung des US-Präsidenten dennoch ein wichtiges Wahlkampfthema. Er präsentiert seine persönliche Beziehung zu Trump als Vorteil für Israels SicherheitStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen und internationale Stellung.

Ob er dafür tatsächlich zusätzliche Unterstützung angefordert hat, bleibt umstritten. Die vorliegenden Angaben beruhen auf anonymen Quellen und werden von seiner Partei bestritten.

Unabhängig davon zeigt die Entwicklung, welche Rolle das Verhältnis zu Washington im israelischen Wahlkampf spielt. Am 27. Oktober entscheiden jedoch die israelischen Wähler, nicht der amerikanische Präsident.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 25. Oktober 2026

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