Hebron: Israel räumt Wohngebiete und zerstört Gebäude nach Hamas-Anschlag
Nach dem Mord an zwei israelischen Soldaten verschärft die Armee ihren Einsatz in Hebron. Hunderte Familien sind von Evakuierungen betroffen. Zugleich werfen neue Berichte Fragen zur Grundlage der großflächigen Maßnahmen auf.

Bildnachweis: Sete Ruiz
Israels Armee hat ihre Anti-Terror-Operation in Hebron ausgeweitet. Nach dem tödlichen HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Anschlag vom Freitag durchsuchten Sicherheitskräfte rund 200 Gebäude und weitere Orte, nahmen zehn Verdächtige fest und zerstörten mehrere Bauwerke nahe dem Tatort. Gleichzeitig mussten zahlreiche palästinensische Bewohner ihre Häuser verlassen.
Nach Angaben der israelischen Streitkräfte leben in dem betroffenen Gebiet etwa 2.000 Angehörige des Jaaba-Clans. Die Armee bezeichnet die Großfamilie als Hamas-nah. Aus ihr stammten auch die beiden Terroristen, die am Freitag die Soldaten Ron Yonatan Roytman (23) und Yuval Shai Svilem (20) ermordeten. Drei weitere Soldaten wurden verletzt.
Nach militärischer Einschätzung hatten die Angreifer ursprünglich einen größeren Anschlag auf Verkehrsteilnehmer der Straße 35 geplant. Beide Terroristen wurden beim anschließenden Feuergefecht getötet.
An dem laufenden Einsatz sind unter anderem die israelischen Spezialeinheiten Duvdevan und Maglan, Fallschirmjäger, Grenzpolizisten und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet beteiligt.
Die Sicherheitskräfte durchsuchen das Gebiet nach Waffen und terroristischer Infrastruktur. Nach israelischen Medienberichten blieben die bisherigen Kontrollen von rund 200 Orten weitgehend ohne entsprechende Funde. Zehn Personen wurden zur weiteren Befragung festgenommen.
Parallel begann die Armee, Gebäude und andere Anlagen nahe dem Anschlagsort abzureißen. IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen begründet dies mit fehlenden Baugenehmigungen und möglichen Sicherheitsrisiken. Die beiden Attentäter hatten bei ihrem Angriff Gebäude in der Nähe eines Kontrollpunkts als Deckung genutzt.
Besonders umstritten sind die umfangreichen Evakuierungen.
Die israelische Armee erklärt, Bewohner hätten das Einsatzgebiet vorübergehend über festgelegte Kontrollpunkte verlassen können. Palästinensische Behörden berichten hingegen von zwangsweisen Räumungen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters waren bis Samstag etwa 1.200 Menschen vertrieben worden. Andere örtliche Angaben nennen rund 1.500 Betroffene.
DieJerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Postspricht von Maßnahmen gegen ein Gebiet mit etwa 2.000 Bewohnern. Diese Zahl bezeichnet jedoch zunächst die geschätzte Größe der betroffenen Clan-Gemeinschaft und ist nicht mit einer unabhängig bestätigten Zahl tatsächlich evakuierter Personen gleichzusetzen.
Sicherheitsoperation oder kollektive Bestrafung?
Die Räumungen werfen eine grundlegende Frage auf: Welche konkrete Verbindung besteht zwischen den Bewohnern und den terroristischen Aktivitäten, gegen die sich der Einsatz richtet?
Die israelische Armee verweist auf die mutmaßliche Hamas-Nähe des Clans und die Herkunft der Attentäter. Auf Nachfragen derJerusalem Postkonnten Militärvertreter jedoch keine konkreten Angaben dazu machen, wie viele der betroffenen Bewohner persönlich an terroristischen Aktivitäten beteiligt sein sollen.
Damit ist keineswegs ausgeschlossen, dass Sicherheitskräfte weitere TerrorzellenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen oder WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen aufspüren. Die Zugehörigkeit zu einer Großfamilie begründet für sich genommen allerdings noch keine individuelle Verantwortung für die Taten einzelner Angehöriger.
Die Unterscheidung ist auch völkerrechtlich entscheidend. Militärische Sicherheitsmaßnahmen können zulässig sein, müssen jedoch eine rechtliche Grundlage haben und dürfen nicht allein auf die Bestrafung unbeteiligter Menschen abzielen.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz hatten unmittelbar nach dem Anschlag umfassende Maßnahmen gegen das Wohngebiet der Täter angekündigt.
DieJerusalem Postkritisiert nun ausdrücklich, dass die bisher veröffentlichten Angaben der Armee die außergewöhnliche Reichweite der Räumungen und Abrisse nicht ausreichend erklären.
Israel steht vor der Aufgabe, weitere Anschläge zu verhindern und terroristische Netzwerke zu zerschlagen. Die beiden ermordeten Soldaten und der mutmaßlich geplante größere Angriff verdeutlichen die konkrete Bedrohung.
Der Schutz der israelischen Bevölkerung und die Verantwortung einzelner Terroristen rechtfertigen jedoch nicht automatisch Maßnahmen gegen sämtliche Angehörige ihrer Familien.
Ob die Armee für die einzelnen Evakuierungen und Gebäudezerstörungen ausreichende Sicherheitsgründe vorweisen kann, bleibt nach den bislang veröffentlichten Informationen offen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 25. Oktober 2026