Steinattacke auf israelische Knessetkandidatin: Autoscheibe während Videoaufnahme zertrümmert

Steinattacke auf israelische Knessetkandidatin: Autoscheibe während Videoaufnahme zertrümmert


Fleur Hassan-Nahoum gerät bei einem Besuch im Westjordanland unter Beschuss mit Steinen. Eine Scheibe ihres Fahrzeugs zerbricht, Insassen werden leicht verletzt. Die Polizei sucht nach den Angreifern.

Steinattacke auf israelische Knessetkandidatin: Autoscheibe während Videoaufnahme zertrümmert
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Ein gezielter Steinwurf auf ein fahrendes Fahrzeug hat am Montag im Westjordanland zu Verletzten geführt. Unter den Insassen befand sich Fleur Hassan-Nahoum, frühere stellvertretende Bürgermeisterin Jerusalems und Kandidatin der Partei Amcha IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen für die Knessetwahl am 27. Oktober. Eine Videoaufnahme zeigt, wie ein Stein während der Fahrt eine Seitenscheibe zertrümmert. Nach israelischen Medienberichten wurden mehrere Personen leicht verletzt.

Der Angriff ereignete sich bei Turmus Ayya nördlich von Ramallah. Hassan-Nahoum war mit einem Team und internationalen Gästen auf einer Informationsreise unterwegs, die gemeinsam mit der Organisation Regavim veranstaltet wurde. Die Teilnehmer sollten einen Einblick in die politischen und sicherheitspolitischen Verhältnisse im Westjordanland erhalten.

Noch während Hassan-Nahoum vor laufender Kamera sprach, wurde die Situation gefährlich. Auf dem Video ist eine Warnung zu hören, die Insassen sollten ihre Köpfe senken. Sekunden später schlägt ein Stein ein und lässt eine Fahrzeugscheibe zerbrechen.

Ein solcher Angriff ist keine harmlose Form des Protests. Ein schwerer Stein, der auf ein fahrendes Auto geworfen wird, kann den Fahrer treffen, die Kontrolle über das Fahrzeug gefährden und Menschen tödlich verletzen. Dass die Insassen diesmal mit vergleichsweise leichten Verletzungen davonkamen, mindert die Gefährlichkeit der Tat nicht.

Hassan-Nahoum zeigte nach dem Angriff den Stein, der nach ihren Angaben durch das Fenster geflogen war. Sie verwies darauf, dass Steinwürfe keineswegs ungefährlich seien und Menschen dadurch getötet werden könnten.

Die israelische Polizei teilte mit, Beweismaterial zu sammeln, um die mutmaßlichen Täter zu identifizieren.

Angriff während einer politischen Informationsreise

Hassan-Nahoum steht auf Platz fünf der Kandidatenliste von Amcha Israel, einer Partei unter Führung des früheren israelischen Brigadegenerals Ofer Winter. Sie engagiert sich seit Jahren für die internationale Darstellung israelischer Politik.

Die Reise nach Turmus Ayya war Teil dieses Engagements. Nach Angaben der Veranstalter nahmen auch internationale Meinungsmacher und Gäste daran teil, die sich vor Ort über die Situation informieren sollten.

Regavim setzt sich für israelische Interessen und Siedlungsaktivitäten im Westjordanland ein. Die Organisation steht wegen ihrer politischen Positionen und ihrer Arbeit zu palästinensischer Bautätigkeit seit Jahren in der Kritik.

Unabhängig von diesen Positionen ist ein Steinangriff auf ein fahrendes Fahrzeug durch nichts gerechtfertigt. Politische Ablehnung berechtigt weder zur Gefährdung von Menschen noch zur Anwendung von Gewalt.

Nach Angaben der Partei Amcha Israel wurde das Fahrzeug beim Verlassen der Ortschaft von mehreren Palästinensern umringt. Anschließend seien Steine und weitere Gegenstände geworfen worden. Ein Teil dieses Geschehens ist auf Video festgehalten. Die vollständige Zahl und Identität der beteiligten Angreifer müssen die Ermittlungen klären.

Hassan-Nahoum erklärte nach dem Vorfall, sie werde sich durch palästinensischen Terror nicht davon abhalten lassen, international für Israel einzutreten.

Parteichef Ofer Winter reagierte mit scharfer Kritik an der bisherigen Sicherheitspolitik. Er fragte, wie lange israelische Bürger noch Angst vor Steinwürfen, Schussangriffen und Terroranschlägen haben müssten. Die Regierung müsse ihre Haltung gegenüber gewalttätigen Gegnern grundsätzlich verändern.

Die Äußerungen sind zugleich Teil des Wahlkampfs. Winter nutzt den Angriff auf seine Kandidatin, um seine sicherheitspolitischen Forderungen zu unterstreichen. Die strafrechtliche Bewertung der Tat und die politischen Konsequenzen sind jedoch getrennte Fragen.

Westjordanland: Gewalt darf nicht nach Herkunft bewertet werden

Besondere Bedeutung erhält der Vorfall durch die Ereignisse der vergangenen Tage. Erst am Freitag wurde die amerikanische Fotojournalistin Heidi Levine bei einem Angriff maskierter israelischer Extremisten auf palästinensische Olivenbauern schwer verletzt. Am Samstag gerieten europäische Diplomaten bei einem weiteren Übergriff im Westjordanland in Gefahr.

Die israelischen Sicherheitsbehörden stehen damit vor unterschiedlichen Bedrohungen: palästinensischen Angriffen auf israelische Zivilisten und Gewalt jüdischer Extremisten gegen PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen sowie ausländische Besucher.

Israel Ganz, Vorsitzender des Regionalrats Mateh Binyamin, kritisierte nach dem Angriff auf Hassan-Nahoum die internationale Berichterstattung. Seiner Ansicht nach werde Gewalt gegen Israelis anders behandelt als Gewalt durch Israelis.

Dabei bezeichnete er den zuvor dokumentierten Angriff auf Heidi Levine als Provokation. Diese Darstellung steht im Gegensatz zu den Berichten über ihre schweren Verletzungen und den Ermittlungen gegen mutmaßliche Angreifer.

Die beiden Fälle dürfen nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Der Angriff auf eine israelische Politikerin ist ebenso aufzuklären wie die Misshandlung einer amerikanischen Journalistin. Wer Gewalt verurteilt, muss dies unabhängig von der Nationalität der Opfer und Täter tun.

Gerade Steinwürfe auf Fahrzeuge sind eine seit Langem bekannte Gefahr im Westjordanland. Sie können innerhalb weniger Sekunden lebensbedrohliche Situationen schaffen. Täter müssen deshalb identifiziert und entsprechend dem geltenden Recht verfolgt werden.

Die aktuellen Videoaufnahmen liefern wichtige Hinweise auf den Ablauf des Angriffs. Offen bleibt zunächst, wer den Stein warf, wie viele Personen beteiligt waren und ob der Überfall im Voraus geplant wurde.

Für die israelische Sicherheitslage ist der Vorfall dennoch ein weiterer Beleg dafür, wie schnell politische Spannungen in unmittelbare Gewalt umschlagen können.

Eine Kandidatin, die mit internationalen Gästen durch das Westjordanland fährt, muss damit rechnen können, dass staatliche Sicherheitskräfte ihre körperliche Unversehrtheit schützen. Das gilt unabhängig von ihrer Partei und ihren politischen Ansichten.

Hassan-Nahoum und die übrigen Insassen hatten Glück, dass der Steinwurf keine schwereren Folgen hatte. Die Ermittler müssen nun feststellen, wer für den Angriff verantwortlich ist.

Ein geworfener Stein verliert seine tödliche Wirkung nicht dadurch, dass jemand ihn als politischen Protest bezeichnet.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Montag, 19. Oktober 2026

haOlam-News unterstützen

haOlam-News ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

Weitere interessante Artikel

Newsletter