Er suchte gezielt eine Airline nach Tel Aviv: FZ1073-Angriff war offenbar monatelang geplant
Ben Gurion war offenbar von Anfang an das Ziel. Bereits im Juli soll Hamam al-Hammami einen ersten Anschlagsversuch nur wegen eines befreundeten Crewmitglieds abgebrochen haben.

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Der Angriff auf Flydubai-Flug FZ1073 erscheint nach den jüngsten Ermittlungsergebnissen immer weniger wie die spontane Tat eines plötzlich durchdrehenden Co-Piloten. Hamam al-Hammami soll sich vielmehr gezielt eine Fluggesellschaft gesucht haben, die nach IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen fliegt, bereits vor seiner Einstellung einen Anschlag geplant, bei früheren Landungen Informationen gesammelt und im Juli einen ersten Versuch erst im letzten Moment abgebrochen haben. Nach Berichten von Channel 12, Ynet und JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post sagte der omanische Pilot in seiner Vernehmung, sein Ziel sei von Anfang an Israel gewesen. „Der Traum war, in Ben Gurion einzuschlagen“, soll er erklärt haben.mako
Damit bekommt der vereitelte Terroranschlag vom 30. September eine noch gefährlichere Dimension. Nach den neuen Angaben suchte al-Hammami vor seiner Einstellung ausdrücklich nach Fluggesellschaften, die Tel Aviv bedienen. Er habe sich bei verschiedenen Airlines beworben und Flydubai schließlich gerade deshalb gewählt, weil das Unternehmen regelmäßig nach Israel fliegt. Der Plan sei bereits entstanden, bevor er dort überhaupt einen Arbeitsplatz hatte. Al-Hammami war anschließend mehrfach beruflich in Israel. Bei einer Landung im Juni soll er sich nach den Ermittlungsergebnissen besonders auf die Umgebung des Flughafens konzentriert und Informationen für den späteren Anschlag gesammelt haben. Im Juli habe er den Plan erstmals umsetzen wollen. Dass es damals nicht geschah, soll keine sicherheitsbehördliche Kontrolle verhindert haben. Nach Channel 12 brach er den Angriff ab, weil sich ein Crewmitglied an Bord befand, mit dem er persönlich befreundet war.mako
Er wollte offenbar bis zum letzten Moment wie ein normaler Linienflug wirken
Der mutmaßliche Plan war erschreckend einfach. Al-Hammami soll den Kapitän unbemerkt ausschalten, den planmäßigen Kurs nach Israel fortsetzen und sämtliche Freigaben für die Landung in Ben Gurion erhalten haben wollen. Erst unmittelbar vor dem Ziel sollte die Maschine nach den von Channel 12 veröffentlichten Vernehmungsangaben in ein Gebäude oder ein Flugzeug auf dem Flughafengelände gesteuert werden. Damit hätte Israel möglicherweise nur Sekunden Zeit gehabt, überhaupt zu erkennen, dass aus einem regulär anfliegenden Passagierflugzeug eine fliegende Waffe geworden war.Times of Israel
Andere Berichte nennen ein etwas anderes mögliches Ziel. Die italienische Zeitung Corriere della Sera berichtete unter Berufung auf israelische Geheimdienstinformationen, al-Hammami habe einen Wolkenkratzer in Tel Aviv treffen wollen. Ynet berichtet dagegen, Ben Gurion sei das Hauptziel gewesen. Sollte der Anflug auf Israel scheitern, habe al-Hammami nach dortigen Angaben erwogen, eine amerikanische Militärbasis in Jordanien anzugreifen. Welche Zielvariante letztlich seinem tatsächlichen Plan entsprach, ist noch nicht abschließend geklärt. Der gemeinsame Kern der Berichte ist jedoch eindeutig: Der Co-Pilot wollte die Boeing nicht irgendwo abstürzen lassen, sondern sie offenbar gezielt für einen Massenanschlag verwenden.Times of Israel
Am 30. September scheiterte dieses Vorhaben an Kapitän Smit Machchhar und den Menschen an Bord. Al-Hammami bat nach den bisherigen Rekonstruktionen zunächst darum, im Cockpit beten zu dürfen, und griff den indischen Kapitän anschließend von hinten mit der dort für Notfälle vorhandenen Axt an. Machchhar wurde schwer verletzt, schaffte es aber trotz seiner Verletzungen, die Cockpittür zu entriegeln. Passagiere und weitere Piloten gelangten nach vorn und überwältigten den Angreifer. Während des Kampfes stürzte die Boeing innerhalb weniger Sekunden mehr als 16.000 Fuß ab. Die Maschine konnte stabilisiert und später im saudi-arabischen Tabuk gelandet werden. Die Vereinigten Arabischen Emirate bezeichnen den Vorgang inzwischen offiziell als versuchten Terrorakt.Reuters
Was die neuen Erkenntnisse besonders brisant macht, ist die Vorgeschichte des Mannes. Al-Hammami war nach übereinstimmenden Berichten bereits 2024 bei OmanStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen Air wegen extremistischer Auffälligkeiten aus dem aktiven Flugbetrieb entfernt worden. Sicherheitsstellen sollen bei ihm extremistisches Material beziehungsweise entsprechende ideologische Auffälligkeiten festgestellt haben. Trotzdem gelangte er später wieder ins Cockpit, wurde von Flydubai eingestellt und flog mehrfach ausgerechnet nach Israel. Australien untersucht inzwischen ebenfalls seine Vergangenheit. Er hatte dort studiert, und australische Sicherheitsbehörden prüfen mögliche Kontakte sowie Hinweise auf seine Radikalisierung. Nach bisherigen israelischen Erkenntnissen spricht vieles dafür, dass er den Anschlag allein vorbereitete. Ein Auftrag durch Iran oder eine Terrororganisation ist bislang nicht nachgewiesen. „Lone Wolf“ bedeutet in diesem Fall allerdings offensichtlich nicht „spontan“. Sollte sich seine Aussage bestätigen, plante al-Hammami seinen Anschlag über Monate und richtete selbst seine berufliche Laufbahn darauf aus.Financial Times
Das Sicherheitsversagen wird mit jeder neuen Erkenntnis größer
haOlam berichtete bereits am Samstag, dass al-Hammami trotz seiner bekannten Vorgeschichte wieder fliegen konnte. Inzwischen ist bekannt, dass Israel die Namen und Nationalitäten der Besatzungsmitglieder vor dem Flug erhalten hatte, der Omaner aber keine Warnung auslöste. Gleichzeitig zeigen interne israelische Unterlagen, dass seit Jahren vor unzureichenden Kontrollen ausländischer Flüge gewarnt wurde. Das Verkehrsministerium führt selbst keine nachrichtendienstlichen Hintergrundprüfungen ausländischer Piloten durch, Schin Bet und Mossad überprüften ebenfalls nicht systematisch sämtliche ausländischen Cockpitbesatzungen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat inzwischen eine umfassende Überprüfung des Systems angeordnet.AP News
Nach den neuen Ermittlungsergebnissen ist diese Aufarbeitung dringender, als es unmittelbar nach dem Anschlag bereits erschien. Denn al-Hammami soll nicht zufällig auf einem Flug nach Israel gesessen haben. Er soll genau dorthin gewollt haben. Er suchte nach einer Fluggesellschaft mit Israel-Verbindung, flog die Strecke mehrfach, erkundete nach den Berichten Ben Gurion und verschob einen bereits geplanten Anschlag lediglich aus persönlicher Rücksicht auf einen Bekannten.
Gerade der letzte Punkt zeigt die moralische Kälte des Plans. Mehr als 170 Menschen an Bord und möglicherweise Hunderte weitere am Flughafen sollten offenbar sterben. Ein einzelner Bekannter war für den mutmaßlichen Täter im Juli dagegen Grund genug, noch einige Monate zu warten.
Am 30. September saß dieser Bekannte offenbar nicht mehr im Weg.
Dass Ben Gurion nicht zum Schauplatz eines Anschlags nach dem Muster des 11. September wurde, war nach allem, was inzwischen bekannt ist, nicht das Ergebnis eines funktionierenden internationalen Sicherheitssystems. Der Mann war zuvor aufgefallen, seine extremistische Vorgeschichte war bekannt, er war aus einem Cockpit entfernt worden, Israel hatte seit Jahren interne Warnungen vor Kontrolllücken und seine Besatzungsdaten lagen vor.
Trotzdem saß er wieder am Steuer einer Boeing auf dem Weg nach Tel Aviv.
Gerettet wurden die Menschen schließlich von einem schwer verletzten Kapitän, Passagieren und zusätzlichen Piloten, die innerhalb weniger Minuten handelten.
Je mehr über al-Hammamis Vorbereitung bekannt wird, desto weniger lässt sich dieses Ergebnis als bloße Sicherheitslücke beschreiben.
Es war ein beinahe vollendetes Sicherheitsversagen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 5. Oktober 2026