Als der Jet abstürzte, griff der Klempner ein: Die Männer, die Flug FZ1073 retteten
Ein schwer verletzter Kapitän, ein außer Kontrolle geratener Jet und Passagiere, die innerhalb weniger Sekunden handeln mussten. Einen Tag nach dem dramatischen Zwischenfall auf dem Flug von Dubai nach Israel wird deutlicher, wer die Katastrophe verhinderte.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Als Flydubai-Flug FZ1073 am Mittwoch plötzlich an Höhe verlor, saß Yaniv Hayoun wie jeder andere Passagier in der Kabine. Er ist Klempner, kein Pilot. Wenig später stand er im Cockpit, in dem der Kapitän schwer verletzt worden war und der Co-Pilot nach den bisherigen Erkenntnissen versucht haben soll, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen.
Mehrere israelische Passagiere reagierten sofort. Sie drangen nach vorn, überwältigten den Co-Piloten und zogen ihn aus seinem Sitz. Während andere den Mann festhielten, versuchte Hayoun, die Maschine wieder zu stabilisieren. Erst danach konnten ausgebildete Piloten an Bord die Kontrolle vollständig übernehmen und das Flugzeug sicher im saudischen Tabuk landen.
Inzwischen sind die Namen der Männer bekannt, die in diesen Minuten entscheidend handelten. Neben Hayoun waren Asaf Rajuan und Zvika Manes an der Überwältigung des Co-Piloten beteiligt. Dr. Shota Musayev kümmerte sich um den schwer verletzten indischen Kapitän Smit Machchhar und half, dessen Zustand bis zur Landung zu stabilisieren.
Auch der Kapitän selbst spielte offenbar eine entscheidende Rolle. Trotz seiner Verletzungen gelang es ihm nach den bisherigen Berichten, den Zugang zum Cockpit zu ermöglichen. Ohne diesen Moment hätte die Situation möglicherweise einen völlig anderen Verlauf genommen.
Was anfangs wie ein kaum zu überblickender Zwischenfall wirkte, erscheint einen Tag später als Kette von Entscheidungen, bei denen Sekunden über das Leben von 174 Menschen entschieden.
Trump: „Wenn du den ganzen Tag Rohre hebst, bist du stark“
Die Geschichte erreichte inzwischen auch das Weiße Haus.
US-Präsident Donald Trump berichtete vor Journalisten, er habe mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu über den Vorfall gesprochen. Besonders beeindruckt zeigte er sich von Hayouns Rolle. Netanyahu habe ihm geschildert, dass ein israelischer Klempner ohne Flugerfahrung nach vorn gegangen sei, bei der Überwältigung des Co-Piloten geholfen und anschließend versucht habe, die Maschine abzufangen.
Trump reagierte mit einem seiner typischen Kommentare: Wer den ganzen Tag Rohre hebe, müsse schließlich stark sein.
Gleichzeitig machte er deutlich, dass er die Schilderung aus Netanyahus Bericht kannte und nicht jeden einzelnen Punkt selbst überprüfen könne.
Diese Einschränkung ist wichtig. Die offizielle Untersuchung des Vorfalls läuft weiter. Flydubai bestätigte einen schweren Zwischenfall im Cockpit und die sichere Landung in Saudi-Arabien, warnte aber ausdrücklich vor Spekulationen über Ursache und Motiv. Israelische Stellen prüfen weiterhin den Verdacht, dass der Co-Pilot die Maschine möglicherweise gezielt zum Absturz bringen wollte. Ein terroristisches Motiv ist bislang nicht abschließend nachgewiesen.
An der Reaktion der Passagiere ändert diese offene Frage nichts.
Rajuan schilderte nach seiner Rückkehr nach IsraelAliyah: Die jüdische Rückkehr nach IsraelAliyah bedeutet wörtlich „Aufstieg“ und bezeichnet die Einwanderung von Juden nach Israel. Der Begriff ist eng mit Zionismus, jüdischer Diaspora, Rückkehr nach Zion und dem israelischen Rückkehrgesetz von 1950 verbunden.Mehr lesen, wie plötzlich Schreie durch die Kabine gingen. Kurz darauf habe das Flugzeug massiv an Höhe verloren. Als der Blick ins Cockpit möglich wurde, sei Blut zu sehen gewesen. Mehrere Männer seien daraufhin nach vorn gegangen und hätten gemeinsam versucht, den Co-Piloten zu überwältigen.
Manes berichtete von einem heftigen Kampf, der sich über längere Zeit hingezogen habe. Am Ende musste der Mann gefesselt werden. Nach seiner Darstellung wurden dazu zunächst sogar Kopfhörer aus dem Unterhaltungssystem des Flugzeugs verwendet.
In dieser Situation gab es keinen vorbereiteten Ablauf, keine Zeit für lange Absprachen und keine Möglichkeit, auf professionelle Hilfe von außen zu warten. Die Menschen an Bord mussten mit dem handeln, was ihnen unmittelbar zur Verfügung stand.
Hayoun schilderte Netanyahu später, der verletzte Kapitän habe unmittelbar an der Cockpittür gelegen. Im Cockpit selbst habe er den Co-Piloten zwischen den Sitzen und Instrumenten gesehen. Gemeinsam mit den anderen habe er ihn herausgezogen. Danach habe er versucht, das Flugzeug wieder unter Kontrolle zu bringen.
Auf Netanyahus Frage, woher er wusste, was zu tun war, erklärte Hayoun, dass er sich für Luftfahrt interessiere und entsprechende Dokumentationen gesehen habe.
Das ersetzt keine Ausbildung. In diesen Sekunden genügte offenbar jedoch ein grundlegendes Verständnis dafür, was getan werden musste, bis ausgebildete Piloten übernehmen konnten.
Nicht ein Held, sondern mehrere
Gerade die inzwischen bekannten Aussagen zeigen, dass die Geschichte nicht auf einen einzigen Namen reduziert werden sollte.
Hayoun war nicht allein. Rajuan betonte nach der Landung ausdrücklich, dass mehrere Männer gemeinsam gehandelt hätten. Manes sagte ebenfalls, die anderen Beteiligten seien genauso Helden wie er. Dr. Musayev stellte klar, dass auch seine medizinische Hilfe nur ein Teil einer gemeinsamen Leistung gewesen sei.
Israels Präsident Isaac Herzog kündigte deshalb an, Yaniv Hayoun, Asaf Rajuan, Zvika Manes und Dr. Shota Musayev für die Präsidentenauszeichnung für zivile Tapferkeit vorzuschlagen. Auch Kapitän Smit Machchhar würdigte Herzog ausdrücklich für seinen Einsatz trotz schwerer Verletzungen.
haOlam berichtete bereits am Mittwoch über den Vorfall und den bestehenden Terrorverdacht. Damals waren zahlreiche Details noch ungeklärt. Inzwischen wird deutlicher, wie knapp die Maschine offenbar einer Katastrophe entging und warum sie am Ende sicher auf saudischem Boden landete.
Es waren keine Spezialkräfte und keine eigens ausgebildeten Einsatzteams, die in diesem Moment eingriffen.
Es waren Passagiere.
Ein Klempner, ein Versicherungsmakler, weitere Reisende, ein Arzt und ein schwer verletzter Kapitän handelten, als innerhalb weniger Augenblicke aus einem normalen Linienflug eine lebensbedrohliche Situation wurde.
Sie hatten keine Zeit, sich darauf vorzubereiten.
Sie mussten einfach handeln.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 1. Oktober 2026