Nachfolge bei den Huthis: Abd al-Malik bereitet offenbar seinen Sohn Jibril vor

Nachfolge bei den Huthis: Abd al-Malik bereitet offenbar seinen Sohn Jibril vor


Gerüchte über den Gesundheitszustand des Huthi-Chefs treffen auf Berichte über eine vorbereitete Machtübergabe an seinen Sohn. Die Frage ist längst nicht mehr nur jemenitische Innenpolitik: Die Terrororganisation kontrolliert strategische Gebiete am Bab al-Mandab und ist zu einem der wichtigsten Werkzeuge Irans geworden.

Nachfolge bei den Huthis: Abd al-Malik bereitet offenbar seinen Sohn Jibril vor
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Wer führt die HuthisHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen, wenn Abd al-Malik al-HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen stirbt, ausgeschaltet wird oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr handlungsfähig ist? Diese Frage beschäftigt die Führung der vom Iran unterstützten Terrororganisation offenbar immer intensiver. Neue Berichte aus dem Jemen nennen inzwischen einen Namen besonders häufig: Jibril al-Huthi, den 28 Jahre alten Sohn des langjährigen Huthi-Chefs.

Das jemenitische Nachrichtenportal Yemen Future berichtete Anfang September unter Berufung auf Quellen aus dem Umfeld der Huthi-Führung, Abd al-Malik habe seinen Sohn zum bevorzugten beziehungsweise einzigen Kandidaten für seine Nachfolge gemacht. Auch Al Hadath und weitere arabische Medien griffen die Angaben auf. Von einer stillen Zustimmung Irans und von Widerstand innerhalb der Familie und der Führungsspitze ist ebenfalls die Rede. Unabhängig bestätigt sind diese internen Absprachen bislang nicht.

Dass ausgerechnet jetzt über die Nachfolge gesprochen wird, ist allerdings plausibel. Seit israelische und amerikanische Angriffe nicht mehr nur RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen und Infrastruktur, sondern auch die Führungsebene der Huthis treffen, ist die Frage nach der Kontinuität an der Spitze zu einem realen Sicherheitsproblem der Organisation geworden. 2025 tötete IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen unter anderem den Ministerpräsidenten der Huthi-Regierung Ahmed al-Rahawi. Der damalige Generalstabschef Muhammad Abd al-Karim al-Ghamari starb später an Verletzungen, die er bei einem israelischen Angriff erlitten hatte.

Hinzu kommen seit Monaten Gerüchte über Abd al-Maliks eigenen Gesundheitszustand. Oppositionsnahe jemenitische Medien berichteten im Sommer über eine mögliche schwere Erkrankung oder einen medizinischen Notfall. Belastbare unabhängige Belege dafür gibt es nicht. N12 verweist ebenfalls darauf, dass Behauptungen über Krankheit, Verletzung oder gar Tod des Huthi-Chefs seit Jahren kursieren und aus seinen aufgezeichneten Auftritten keine verlässliche Diagnose abgeleitet werden kann.

Gerade deshalb sollte nicht aus Gerüchten über seinen Gesundheitszustand eine Tatsache gemacht werden. Sicher ist etwas anderes: Innerhalb der Huthi-Führung wird seit längerem über eine Nachfolgeregelung gesprochen.

Eine Terrororganisation als Familienunternehmen

Das Problem der Huthis ist dabei strukturell. Sie verfügen über keinen transparenten Mechanismus für einen Führungswechsel. Abd al-Malik hat die Bewegung seit rund zwei Jahrzehnten extrem auf seine Person und seine Familie zugeschnitten.

Reuters beschrieb das Huthi-Herrschaftssystem nach umfangreichen Recherchen als repressives Regime mit ausgeprägtem Personenkult um Abd al-Malik. Familienmitglieder und besonders loyale Gefolgsleute besetzen zentrale politische, militärische und sicherheitsrelevante Positionen.

Die Ursprünge dieser Machtstruktur reichen weit zurück. Die Huthi-Bewegung entstand aus dem zayditisch-schiitischen Milieu im Norden des Jemen. Ihr ursprünglicher Anführer Hussein al-Huthi wurde 2004 bei Kämpfen mit Regierungstruppen getötet. Danach übernahm zunächst sein Vater Badr al-Din eine Übergangsrolle, bevor Abd al-Malik zum dominierenden Führer aufstieg.

Unter ihm entwickelte sich aus einer regionalen religiös-politischen Bewegung eine hochgerüstete Terrororganisation, die große Teile des Jemen beherrscht, Israel mit ballistischen Raketen und Drohnen angreift und Handelsschiffe im Roten Meer bedroht.

Die Vereinigten Staaten führen Ansar Allah, wie die Huthis offiziell heißen, seit März 2025 wieder als ausländische Terrororganisation. Bereits zuvor waren Abd al-Malik und andere Führungspersonen mit Sanktionen belegt worden.

Einer der möglichen Konkurrenten Jibrils ist Abd al-Khaliq al-Huthi, ein jüngerer Bruder Abd al-Maliks und langjähriger militärischer Funktionär. Er steht bereits seit 2014 auf der Sanktionsliste der Vereinten Nationen und gilt als eine der militärisch bedeutenden Figuren innerhalb des Familienclans.

N12 verweist darauf, dass Abd al-Khaliq zumindest zeitweise als möglicher Nachfolger betrachtet wurde. Mitte August wurde Hussein al-Hatfi getötet, der nach Berichten aus dem Jemen die persönliche Schutztruppe Abd al-Khaliqs führte. Der Vorfall soll innerhalb der Führung die Sorge verstärkt haben, dass Bewegungen und Aufenthaltsorte hochrangiger Funktionäre nach außen durchsickern. Gleichzeitig tauchten erneut Berichte auf, Abd al-Malik wolle mehrere mögliche Nachfolger vorbereiten oder sich endgültig auf Jibril festlegen.

Dass Jibril überhaupt genannt wird, ist ebenfalls nicht neu. Berichte über seine Vorbereitung als möglicher Erbe reichen mindestens ein Jahrzehnt zurück. Schon 2016 meldeten arabische Medien, Abd al-Malik wolle seinen damals noch sehr jungen Sohn langfristig an die Spitze führen. Solche frühen Berichte waren schwer nachprüfbar. Dass dieselbe Personalie nun erneut und erheblich konkreter auftaucht, macht sie jedoch bemerkenswert.

Heute geht es bei der Nachfolge um eine globale Handelsroute

Ein Machtwechsel bei den Huthis wäre vor zehn Jahren vor allem für den jemenitischen Bürgerkrieg bedeutsam gewesen. Heute sind die Auswirkungen erheblich größer.

Die Terrororganisation hat sich in den vergangenen Tagen entlang der Küste des Roten Meeres weiter ausgebreitet. Regierungskreise im Jemen meldeten die Einnahme von Mocha, Dhubab und der strategischen Insel Perim mitten im Bab al-Mandab. Damit befindet sich die Organisation unmittelbar an einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt.

Reuters berichtete zudem unter Berufung auf jemenitische, iranische und regionale Quellen, RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen hätten die jüngste Offensive mit Waffen, Beratung und operativer Unterstützung begleitet. Iran bestreitet weiterhin eine direkte Kontrolle der Huthis. Die militärischen, finanziellen und technischen Verbindungen zwischen beiden Seiten sind jedoch seit Jahren umfassend dokumentiert.

Genau deshalb ist entscheidend, wer nach Abd al-Malik die Organisation übernimmt.

Ein Nachfolger, der noch enger an Teheran gebunden ist, könnte die Integration der Huthis in Irans regionale Terrorachse weiter vertiefen. Ein innerfamiliärer Machtkampf könnte dagegen rivalisierende Fraktionen hervorbringen und die militärische Geschlossenheit schwächen. Ebenso möglich wäre ein Kompromiss, bei dem Jibril die religiös-politische Führung übernimmt, während erfahrenere Kommandeure wesentliche Teile des Militär- und Sicherheitsapparates kontrollieren.

N12 weist zu Recht darauf hin, dass ein solcher Führungswechsel weit über die Huthis selbst hinauswirken würde. Betroffen wären Iran, Saudi-Arabien, Israel und die gesamte Sicherheitslage am Roten Meer. Auch eine Spaltung der Bewegung ist nicht ausgeschlossen, gerade weil es innerhalb des zayditischen Milieus seit langem Kritik an der politischen Radikalisierung, am Personenkult und am wachsenden iranischen Einfluss gibt.

Doch darauf zu hoffen, dass der Tod oder die Ausschaltung Abd al-Maliks die Huthi-Terrororganisation automatisch zerfallen lässt, wäre gefährlich.

Diesen Fehler machte bereits der frühere jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh. Nach der Tötung von Hussein al-Huthi im Jahr 2004 glaubte er, die Bewegung werde ohne ihren charismatischen Gründer an Bedeutung verlieren. Das Gegenteil geschah. Sie überstand mehrere Kriege, eroberte 2014 Sanaa und beseitigte 2017 schließlich Saleh selbst, nachdem das zeitweilige Bündnis mit ihm zerbrochen war.

Heute sind die Huthis erheblich mächtiger als damals.

Sie verfügen über Raketen, Drohnen, militärische Produktionskapazitäten, iranische Unterstützung und inzwischen Positionen an einer Meerenge, deren Sicherheit für Israel, Saudi-Arabien, Europa und den Welthandel von unmittelbarer Bedeutung ist.

Deshalb entscheidet die Nachfolge Abd al-Maliks nicht nur darüber, wer künftig in Sanaa das letzte Wort hat.

Es geht darum, wer eine Terrororganisation kontrollieren wird, die inzwischen die Fähigkeit besitzt, Israel anzugreifen und eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt unter militärischen Druck zu setzen.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 13. September 2026

haOlam-News unterstützen

haOlam-News ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

Weitere interessante Artikel

Newsletter