Israel plant eigenen Tarnkappenjet: Die Rückkehr des Lavi-Traums
Innerhalb von zehn Jahren will Israel eigene Tarnkappenjets und unbemannte Kampfflugzeuge entwickeln. Dahinter steht eine bittere Erkenntnis: Selbst engste Verbündete können Waffenlieferungen eines Tages verweigern.

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IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen will eine der letzten großen Abhängigkeiten seiner Verteidigung überwinden. Ein hochrangiger israelischer Regierungsvertreter hat in Washington erstmals offen das Ziel formuliert, innerhalb der kommenden zehn Jahre einen eigenen Tarnkappen-Kampfjet und autonome Kampfflugzeuge zu entwickeln. Israel soll künftig nicht mehr vollständig darauf angewiesen sein, dass andere Staaten seine Luftwaffe mit den entscheidenden Flugzeugen versorgen.
„Ich kann mir vorstellen, dass Israel sein eigenes Tarnkappenflugzeug produziert“, sagte der Regierungsvertreter vor Journalisten. Wenn damit gerechnet werden müsse, dass andere Länder solche Systeme eines Tages nicht mehr liefern, müsse Israel rechtzeitig beginnen, sie selbst zu bauen. Der Zeithorizont liege bei etwa zehn Jahren. Zugleich sollen unbemannte Kampfflugzeuge entstehen, die gemeinsam mit bemannten Jets in feindlichen Lufträumen operieren können.
Das ist zunächst eine strategische Zielsetzung, noch kein öffentlich vorgestelltes Entwicklungsprogramm. Weder ein endgültiger Entwurf noch ein festes Budget oder eine Entscheidung über Hersteller wurden bekannt gegeben. Dennoch ist die Aussage bemerkenswert. Israel denkt nicht mehr nur darüber nach, einzelne Bauteile, Raketen oder elektronische Systeme im eigenen Land herzustellen. Es erwägt die Rückkehr in die höchste Klasse des militärischen Flugzeugbaus.
Die Botschaft richtet sich dabei nicht gegen die Vereinigten Staaten. Washington bleibt Israels wichtigster militärischer Partner, und die israelische Luftwaffe baut ihre Flotte amerikanischer F-35I und F-15IA weiter aus. Im Mai beschloss Israel zusätzliche Staffeln beider Flugzeugtypen. Allein dadurch soll die Zahl der F-35 langfristig auf 100 steigen.
Doch Freundschaft darf nicht mit vollständiger Abhängigkeit verwechselt werden. Die vergangenen Kriegsjahre haben Israel gezeigt, wie schnell Waffenlieferungen, Ersatzteile und Munition zum Gegenstand politischen Drucks werden können. Selbst Staaten, die Israel grundsätzlich unterstützen, müssen mit Regierungswechseln, Parlamenten, Gerichten und einer zunehmend feindseligen öffentlichen Stimmung rechnen. JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen kann seine Existenz nicht davon abhängig machen, ob eine künftige Regierung in Washington, Berlin, London oder Paris bereit ist, eine dringend benötigte Lieferung freizugeben.
Ein Kampfflugzeug ohne Piloten soll neben dem F-35 kämpfen
Besonders weitreichend sind die Pläne für autonome Kampfflugzeuge. Dabei geht es nicht um gewöhnliche Aufklärungsdrohnen, die über Stunden ein Gebiet beobachten oder einzelne Ziele angreifen. Vorgesehen sind schnelle, bewaffnete Flugzeuge, die gemeinsam mit bemannten Kampfjets in stark verteidigte Lufträume eindringen.
Ein Pilot könnte dabei mehrere unbemannte Begleiter führen. Diese würden vorausfliegen, gegnerische Radaranlagen aufspüren, elektronische Störmaßnahmen übernehmen, Raketen tragen oder besonders gefährliche Ziele angreifen. Im Ernstfall könnten sie feindliches Feuer auf sich ziehen, ohne dass ein israelischer Pilot sein Leben riskieren müsste.
Die Vereinigten Staaten verfolgen mit ihrem Programm für „Collaborative Combat Aircraft“ bereits ein vergleichbares Konzept. Die US-Luftwaffe entwickelt mit General Atomics und Anduril die Typen FQ-42 und FQ-44. Sie sollen bemannte Flugzeuge unterstützen, die Reichweite eines Einsatzverbandes erhöhen und zusätzliche Waffen in den Kampf bringen. Die ersten Modelle wurden nach Angaben der US-Luftwaffe bereits für die weitere Entwicklung und Fertigung ausgewählt.
Für Israel wären solche Flugzeuge besonders wertvoll. Das Land verfügt nur über eine vergleichsweise kleine Zahl hoch ausgebildeter Piloten. Jeder Verlust wiegt schwer. Gleichzeitig muss die Luftwaffe Ziele in großer Entfernung erreichen, moderne Flugabwehr überwinden und oft über feindlichem Gebiet handeln. Ein Schwarm autonomer Begleitflugzeuge könnte die bemannten Jets schützen, gegnerische Verteidigungssysteme überlasten und Angriffe ermöglichen, für die heute deutlich mehr Flugzeuge benötigt werden.
Israel besitzt dafür wichtige Voraussetzungen. Die heimische Industrie gehört bei Drohnen, Radarsystemen, elektronischer Kriegführung, Lenkwaffen, künstlicher Intelligenz und militärischer Datenverarbeitung zur Weltspitze. Israel Aerospace Industries, Elbit Systems und Rafael entwickeln bereits zahlreiche Teile, die für ein solches Flugzeug notwendig wären. Auch die technische Infrastruktur ist vorhanden. IAI betreibt eigene Windkanäle für Flugkörper und Luftfahrzeuge, darunter Anlagen für Geschwindigkeiten bis Mach 12.
Die große Herausforderung liegt nicht allein in der Entwicklung. Ein moderner Tarnkappenjet benötigt leistungsfähige Triebwerke, besondere Werkstoffe, hochentwickelte Sensoren, sichere Datenverbindungen und eine industrielle Fertigung, die über viele Jahre zuverlässig große Stückzahlen liefern kann. Ein solches Vorhaben würde Milliarden kosten und erhebliche Teile des israelischen Verteidigungshaushalts binden.
Gerade deshalb ist der genannte Zeitraum von zehn Jahren äußerst ehrgeizig. Möglich wäre auch, dass Israel zunächst ein unbemanntes Tarnkappenflugzeug entwickelt und den bemannten Kampfjet später folgen lässt. Ein autonomes Flugzeug benötigt kein Cockpit, keine Lebenserhaltungssysteme und muss nicht dieselben Belastungsgrenzen für einen Menschen einhalten. Es könnte damit schneller und günstiger entwickelt werden.
Der Lavi flog bereits – dann stoppte Israel sich selbst
Der Gedanke eines eigenen israelischen Kampfjets ist nicht neu. In den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelte Israel zunächst den Kfir und später den Lavi. Der Lavi war kein bloßes Modell auf einem Zeichentisch. Er absolvierte 1986 seinen Erstflug und bewies, dass Israel ein modernes Kampfflugzeug entwerfen und bauen konnte.
1987 stoppte die israelische Regierung das Programm nach einer äußerst knappen Abstimmung. Der Lavi war zu teuer geworden, zugleich wuchs der politische und wirtschaftliche Druck aus den Vereinigten Staaten. Nur drei vollständige Prototypen wurden gebaut. Anders als gelegentlich behauptet, wurde der Lavi niemals an ausländische Luftwaffen verkauft. Exportiert wurde der ältere Kfir, der bis heute in mehreren Staaten genutzt oder modernisiert wird. IAI selbst hält fest, dass der Lavi wegen seiner Kosten eingestellt wurde, das dabei gewonnene Wissen jedoch später zahlreichen israelischen Luft- und Raumfahrtprogrammen zugutekam.
Die Einstellung des Lavi hinterließ eine Wunde im israelischen Selbstverständnis. Das Land hatte bewiesen, dass es einen eigenen Kampfjet bauen konnte, entschied sich jedoch aus finanziellen und politischen Gründen dagegen. Seitdem stammen sämtliche bemannten Kampfflugzeuge der israelischen Luftwaffe aus amerikanischer Produktion.
Heute stellt sich die Frage unter völlig anderen Bedingungen. Israel ist technologisch stärker, seine Rüstungsindustrie ist größer und seine Verteidigungsexporte erreichen Rekordwerte. Zugleich hat der Krieg gezeigt, dass das Land enorme Mengen an Munition und Ersatzteilen benötigt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte deshalb, Israel müsse eine umfangreiche eigene Munitionsindustrie schaffen und seine Abhängigkeit von Lieferungen aus dem Ausland deutlich verringern.
Diese Unabhängigkeit bedeutet nicht, jedes Bauteil im eigenen Land herzustellen. Kein moderner Kampfjet entsteht vollkommen abgeschottet von internationalen Lieferketten. Auch ein israelisches Flugzeug könnte Triebwerke oder bestimmte Komponenten aus dem Ausland benötigen. Entscheidend wäre jedoch, dass Israel die Entwicklung kontrolliert, eigene Systeme einbauen kann und nicht bei jeder Modernisierung oder jedem Einsatz von der Zustimmung eines ausländischen Herstellers abhängig ist.
Genau darin liegt der Unterschied zum F-35. Israel besitzt mit dem F-35I „Adir“ zwar eine besonders weitreichend angepasste Version und integriert eigene elektronische Systeme. Die grundlegende Plattform, das Triebwerk, wesentliche Ersatzteile und die internationale Versorgung bleiben jedoch amerikanisch kontrolliert.
Ein eigener Tarnkappenjet würde Israel nicht von den Vereinigten Staaten entfernen. Er könnte die Partnerschaft sogar stabiler machen, weil sie nicht länger von einseitiger Abhängigkeit geprägt wäre. Verbündete arbeiten am stärksten zusammen, wenn beide Seiten über Fähigkeiten verfügen, die der andere benötigt.
Der Plan ist teuer, technisch gewaltig und keineswegs sicher. Doch die Frage lautet nicht nur, was ein eigener Kampfjet kostet. Israel muss auch fragen, was es kosten würde, in einem künftigen Krieg dringend benötigte Flugzeuge, Ersatzteile oder Software nicht zu erhalten.
Der Lavi wurde vor fast vier Jahrzehnten gestoppt, weil Israel glaubte, sich dauerhaft auf amerikanische Kampfflugzeuge verlassen zu können. Nach dem 7. Oktober und fast drei Jahren Krieg ist diese Gewissheit verschwunden. Israel kann Partner haben, aber seine Verteidigung darf niemals von fremder Erlaubnis abhängen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 31. Juli 2026