VAE griffen Iran offenbar gemeinsam mit Israel und den USA an
Ein Bericht des Wall Street Journal legt offen, wie tief die Emirate im Krieg gegen Iran bereits eingebunden waren. Sollte sich das bestätigen, wäre es ein geopolitischer Einschnitt mit Folgen für den gesamten Golf.

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Der Krieg gegen Iran ist vorbei, aber seine politischen Folgen werden erst jetzt sichtbar. Ein neuer Bericht des Wall Street Journal zeichnet ein Bild, das die Machtverhältnisse im Nahen Osten in einem anderen Licht erscheinen lässt: Demnach sollen die Vereinigten Arabischen Emirate während des Krieges Dutzende Luftangriffe gegen iranische Ziele geflogen haben, gestützt auf amerikanische und israelische Geheimdienstinformationen. Sollte dieser Bericht in seinem Kern zutreffen, dann war der Krieg gegen Iran nicht nur eine Konfrontation zwischen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, den USA und der Islamischen Republik. Dann war er auch der Moment, in dem ein wichtiger arabischer Staat still und entschlossen auf die Seite der Gegner Teherans trat.
Laut dem Bericht reagierten die Emirate damit auf massive iranische Angriffe auf ihre eigene Infrastruktur. Mehr als 2.800 Raketen und Drohnen habe Iran gegen die VAE eingesetzt, mehr als gegen jedes andere Land, sogar mehr als gegen Israel. Das ist eine Zahl, die erklärt, warum sich Abu Dhabi nicht länger mit vorsichtigen diplomatischen Formeln begnügen wollte. Wer in diesem Ausmaß beschossen wird, führt keinen theoretischen Streit mehr über regionale Balance. Er verteidigt sich.
Die gemeldeten Ziele zeigen, wie ernst die Lage gewesen sein soll. Genannt werden Angriffe auf Qeshm und Abu Musa in der Straße von Hormus, auf Bandar Abbas und auf die Raffinerie auf Lavan Island. Besonders heikel ist der Bericht über einen Angriff auf den petrochemischen Komplex von Asaluyeh. Gerade dieser Schlag sorgte international für Kritik. US-Präsident Donald Trump soll Israel sogar aufgefordert haben, Angriffe auf Energieanlagen einzustellen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte später allerdings, Israel habe dort allein gehandelt. Schon dieser Widerspruch zeigt, wie sensibel das Thema ist und wie groß das Interesse aller Beteiligten sein dürfte, ihre jeweilige Rolle nur begrenzt offenzulegen.
Trotzdem passt der Bericht in ein größeres Muster. Die Beziehungen zwischen Israel und den Emiraten haben sich seit den Abraham-Abkommen stetig vertieft. Der Krieg gegen Iran scheint diese Entwicklung noch einmal beschleunigt zu haben. Nach Angaben des Wall Street Journal entsandte Israel sogar Iron-Dome-Batterien und Soldaten in die Emirate. Mehrere hochrangige israelische Vertreter sollen Abu Dhabi besucht haben, darunter der Mossad-Chef, der Shin-Bet-Direktor, Generalstabschef Eyal Zamir und sogar Netanyahu selbst. Dass ein solcher Besuch zwischenzeitlich bestritten und später doch wieder bestätigt wurde, spricht ebenfalls dafür, wie heikel und zugleich real diese sicherheitspolitische Nähe inzwischen geworden ist.
Für Israel ist diese Entwicklung strategisch bedeutsam. Seit Jahren war klar, dass die Bedrohung durch Iran nicht nur JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen betrifft. Auch die Golfstaaten wissen, dass Teheran nicht bloß mit Worten arbeitet, sondern mit Raketen, Drohnen, Stellvertretern und Erpressung. Doch zwischen gemeinsamem Interesse und offener militärischer Zusammenarbeit liegt eine große Schwelle. Wenn die Emirate diese Schwelle im Krieg überschritten haben, dann verändert das die Sicherheitsarchitektur der Region. Israel wäre dann nicht mehr nur ein stiller Partner gegen Iran, sondern Teil einer faktischen regionalen Verteidigungsachse.
Gleichzeitig zeigt der Bericht, wie tief die Risse innerhalb der arabischen Welt inzwischen verlaufen. Saudi-Arabien und Katar sollen sich geweigert haben, sich militärisch zu koordinieren. Der emiratische Präsident Mohammed bin Zayed soll darüber verärgert gewesen sein. Schon zuvor hatte Bloomberg über Spannungen zwischen Abu Dhabi und seinen Nachbarn berichtet. Wenn Saudi-Arabien die härtere Linie der Emirate gegenüber Iran kritisch sieht, dann ist das mehr als ein taktischer Unterschied. Es ist ein Streit darüber, wie weit man bereit ist zu gehen, wenn Teheran die Region direkt angreift.
Auch der Austritt der Emirate aus OPEC und OPEC+ Ende April bekommt durch diese Berichte ein neues Gewicht. Was zunächst wie eine energiepolitische Entscheidung wirkte, könnte in Wahrheit Ausdruck eines tieferen strategischen Bruchs gewesen sein. Wer sich militärisch gegen Iran stellt, seine Nachbarn als zu zögerlich erlebt und enger mit Israel kooperiert, wird auch seine wirtschaftlichen und außenpolitischen Prioritäten neu ordnen.
Für Israel ist das eine Chance, aber keine Einladung zur Selbstzufriedenheit. Die gemeinsame Front gegen Iran beruht nicht auf romantischer Nähe, sondern auf hartem Eigeninteresse. Die Emirate handeln nicht aus Sympathie, sondern weil sie verstanden haben, dass ein aggressiver Iran die gesamte Region bedroht. Gerade deshalb ist diese Partnerschaft wertvoll. Sie ist realitätsnah, nüchtern und sicherheitspolitisch belastbar. Doch sie bleibt verletzlich. Ein Machtwechsel in Washington, neue Spannungen im Golf oder ein Versuch Teherans, die arabischen Staaten wieder gegeneinander auszuspielen, könnten diese Annäherung schnell unter Druck setzen.
Der Bericht des Wall Street Journal ist daher mehr als eine militärische Enthüllung. Er beschreibt möglicherweise einen Wendepunkt. Israel ist im Kampf gegen Iran nicht mehr so isoliert, wie es viele seiner Gegner gern behaupten. Teile der arabischen Welt sehen inzwischen sehr klar, dass die Bedrohung aus Teheran nicht nur eine israelische Warnung war, sondern eine gemeinsame Realität. Wenn die Emirate tatsächlich an der Seite Israels und der USA gegen iranische Ziele vorgingen, dann war das ein Signal an die gesamte Region: Die Zeit, in der Iran seine Nachbarn angreifen konnte, ohne eine koordinierte Antwort zu riskieren, ist vorbei.
Noch ist offen, wie viel von dem Bericht offiziell bestätigt werden wird. Doch schon die Tatsache, dass solche Details nun öffentlich kursieren, zeigt, wie weit die sicherheitspolitische Wirklichkeit der Region sich verändert hat. Der Krieg ist beendet. Die neue Ordnung danach wird gerade erst sichtbar.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 30. Mai 2026