Nach dem Iran-Krieg bleibt Gaza Israels ungelöstes Problem
Während Israel gemeinsam mit den Vereinigten Staaten militärisch gegen Iran vorgeht, ist die Lage im Gazastreifen vergleichsweise ruhig. Doch die Ruhe ist trügerisch. Experten warnen: Sobald der Krieg mit Iran endet, wird der Gazastreifen erneut zum zentralen politischen und militärischen Problem Israels werden.

Der Krieg gegen Iran dominiert derzeit die militärische und politische Aufmerksamkeit Israels. Doch strategische Analysen in Jerusalem zeigen, dass ein anderes Problem damit keineswegs verschwindet. Der Gazastreifen bleibt auch nach einem möglichen Ende des Iran-Krieges ein ungelöster Konfliktherd.
Mehr als zwei Jahre nach dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel im Oktober 2023 ist der Krieg gegen die Organisation weiterhin nicht vollständig abgeschlossen. Zwar gilt seit Oktober 2025 eine fragile Waffenruhe. Diese hat größere Kämpfe bisher verhindert, doch sie hat das grundlegende Problem nicht gelöst.
Hamas existiert weiterhin als militärische und politische Kraft im Gazastreifen. Die Organisation wurde militärisch geschwächt, doch sie kontrolliert nach wie vor große Teile des Gebiets.
Sicherheitsanalysten in Israel warnen deshalb, dass Hamas die aktuelle Phase nutzt, um sich neu zu organisieren. Während sich der Fokus Israels auf Iran richtet, gewinnt die Organisation Zeit, ihre Strukturen zu stabilisieren.
Eine Expertin für Terrorismusforschung erklärt, Hamas funktioniere ähnlich wie andere Verbündete Irans in der Region. Selbst wenn Führungspersonen getötet werden, sei das System darauf ausgelegt, schnell Ersatz zu finden.
Hamas bleibt strategisches Problem
Viele israelische Analysten gehen davon aus, dass Israel nach dem Iran-Krieg erneut vor denselben Fragen stehen wird wie zuvor. Hamas bleibt militärisch präsent und politisch einflussreich.
Ein israelischer Sicherheitsexperte beschreibt die aktuelle Situation im Gazastreifen als eine Art eingefrorenen Zustand. Weder wurde eine neue politische Ordnung etabliert, noch ist Hamas vollständig entmachtet worden.
Teil eines internationalen Plans war die Idee einer technokratischen Verwaltung für Gaza. Diese Regierung sollte aus Fachleuten bestehen und das Gebiet verwalten, ohne direkt einer politischen Organisation zu gehören.
Dieses Konzept wurde bisher jedoch nicht umgesetzt. Hamas hat verhindert, dass eine solche Verwaltung im Gazastreifen tatsächlich die Kontrolle übernimmt.
Israelische Stellen betonen zugleich, dass militärische Operationen gegen Hamas weiterhin stattfinden. Auch während der Waffenruhe greift die israelische Armee regelmäßig Infrastruktur der Terrororganisation an.
Dabei geht es vor allem um Tunnelanlagen, Waffenfabriken und Raketenstellungen. Wenn Hamas gegen die Waffenruhe verstößt, reagiert Israel militärisch.
Washington erhöht politischen Druck
Eine zusätzliche Dimension entsteht durch die Rolle der Vereinigten Staaten. Präsident Donald Trump hat erhebliches politisches Kapital investiert, um den Krieg zwischen Israel und Hamas zu beenden.
Deshalb erwarten viele Beobachter, dass Washington nach dem Ende des Iran-Krieges verstärkt auf eine politische Lösung im Gazastreifen drängen wird.
Israel musste bereits in den vergangenen Monaten Entscheidungen treffen, die ursprünglich nicht geplant waren. Dazu gehörte unter anderem die zeitweise Öffnung des Grenzübergangs Rafah für humanitäre Hilfe.
Der Übergang wurde später wieder geschlossen, nachdem sich der Konflikt mit Iran intensivierte. Israel erklärte, der Grenzübergang werde wieder geöffnet, sobald es die Sicherheitslage erlaube.
Humanitäre Lieferungen gelangen weiterhin über den Übergang Kerem Shalom in den Gazastreifen. Dennoch liegen die Liefermengen deutlich unter dem Bedarf, den internationale Organisationen für die Versorgung der Bevölkerung angeben.
Gaza bleibt politisches Dilemma
Der Gazastreifen bleibt damit ein strategisches Dilemma für Israel. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte zu Beginn des Krieges erklärt, Hamas müsse entmachtet und entwaffnet werden.
Dieses Ziel wurde bisher nicht vollständig erreicht. Hamas kontrolliert weiterhin große Teile des Gazastreifens, auch wenn ihre militärischen Fähigkeiten reduziert wurden.
Hinzu kommt ein innenpolitischer Konflikt. Teile der israelischen Regierungskoalition fordern eine vollständige militärische Kontrolle über Gaza und sogar eine erneute jüdische Besiedlung des Gebiets.
Netanyahu hat solche Forderungen bisher abgelehnt, auch wegen des internationalen Drucks, insbesondere aus Washington.
Für Israel entsteht dadurch ein strategisches Problem. Eine vollständige militärische Kontrolle über Gaza würde internationale Spannungen auslösen. Gleichzeitig bleibt Hamas eine dauerhafte Bedrohung, solange sie weiterhin die Macht im Gazastreifen ausübt.
Der Iran-Krieg hat die Aufmerksamkeit der Welt vorübergehend auf eine andere Front gelenkt. Doch sobald dieser Konflikt endet, wird Gaza erneut ins Zentrum der politischen Debatte rücken.
Das kleine Gebiet am Mittelmeer bleibt damit eines der schwierigsten und ungelösten Probleme der israelischen Sicherheitspolitik.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By WAFA (Q2915969) in contract with a local company (APAimages) - Correspondence with Wiki Palestine (Q117834684), Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=138775621
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 15. März 2026