Israels Außenminister Sa’ar in Jerusalem: Israel sucht keinen endlosen Krieg gegen Iran, deutscher Außenminister Wadephul sieht Teheran nicht zu Diplomatie bereit
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul ist zu Gesprächen nach Jerusalem gereist. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz machte Israels Außenminister Gideon Sa’ar klar: Israels militärisches Vorgehen gegen Iran hat ein Ziel und soll kein dauerhafter Krieg werden.

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul hat am Dienstag Israel besucht und in Jerusalem Gespräche mit seinem israelischen Amtskollegen Gideon Sa’ar geführt. Es ist der erste Besuch eines europäischen Außenministers in Israel seit Beginn der militärischen Operation gegen das iranische Regime. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz wurde deutlich, wie unterschiedlich die Ausgangslage der Konfliktparteien derzeit ist: Israel spricht von klar definierten militärischen Zielen, während Deutschland keine diplomatische Bewegung aus Teheran erkennt.
Gideon Sa’ar erklärte in Jerusalem unmissverständlich, dass Israel keinen endlosen Krieg gegen den Iran anstrebt. Das militärische Vorgehen richte sich gegen konkrete Bedrohungen, die das iranische Regime über Jahre aufgebaut habe. Dazu zählen nach israelischer Einschätzung insbesondere das Raketenprogramm des Iran, militärische Infrastruktur sowie die Unterstützung von Terrororganisationen in der Region.
Israel führe die militärische Kampagne gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und stehe in enger Abstimmung mit Washington. Einen festen Zeitrahmen für das Ende der Operation nannte Sa’ar bewusst nicht. Stattdessen erklärte er, Israel werde gemeinsam mit den amerikanischen Partnern entscheiden, wann der Zeitpunkt erreicht sei, die militärischen Angriffe zu beenden.
Aus Sicht Jerusalems steht dabei eine zentrale Frage im Mittelpunkt: die langfristige Beseitigung existenzieller Bedrohungen für den Staat Israel. Diese Bedrohung sieht Israel im iranischen Regime selbst und in dessen regionaler Strategie. Seit Jahren unterstützt Teheran ein Netzwerk bewaffneter Gruppen im Nahen Osten. Dazu gehören unter anderem die Hisbollah im Libanon und die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen. Beide Organisationen werden von Israel als Teil der iranischen Sicherheitsstrategie betrachtet, die darauf abzielt, Israel militärisch unter Druck zu setzen.
Sa’ar erklärte deshalb, dass Israel sich nicht mit begrenzten oder symbolischen Ergebnissen zufriedengeben werde. Die militärische Kampagne solle Bedingungen schaffen, unter denen die Bedrohung aus dem Iran langfristig zurückgedrängt werde.
Der israelische Außenminister äußerte sich auch zur politischen Führung in Teheran. Nach der Tötung von Ali Khamenei im Zuge der israelisch amerikanischen Militärschläge hat dessen Sohn Motjaba Khamenei die Führung übernommen. Sa’ar erklärte, aus israelischer Sicht gebe es bislang keinen Hinweis darauf, dass sich die ideologische Linie des Regimes dadurch verändern werde. Der neue Machthaber sei nach Einschätzung Jerusalems ebenso extrem wie sein Vorgänger.
Sa’ar erklärte außerdem, dass politische Veränderungen im Iran langfristig möglich seien. Diese Veränderungen könnten auch nach dem Ende der militärischen Kampagne eintreten. Entscheidend sei aus israelischer Sicht, dass Bedingungen entstehen, unter denen die iranische Bevölkerung ihre politische Zukunft selbst bestimmen könne.
Während Israel seine militärischen Ziele erläuterte, zeichnete der deutsche Außenminister ein nüchterneres Bild der diplomatischen Lage. Johann Wadephul erklärte in Jerusalem, Deutschland hoffe weiterhin auf eine politische Lösung des Konflikts. Gleichzeitig räumte er ein, dass derzeit kaum Anzeichen für ernsthafte Gespräche mit Teheran existieren.
Nach Einschätzung des deutschen Außenministers wären sowohl Israel als auch die Vereinigten Staaten grundsätzlich bereit für diplomatische Gespräche. Doch aus dem Iran gebe es derzeit keine Signale, die auf Verhandlungsbereitschaft hindeuteten. Wadephul verwies dabei auf die fortgesetzten regionalen Aktivitäten des iranischen Regimes sowie auf die Unterstützung bewaffneter Gruppen.
Solange sich diese Haltung nicht ändere, bleibe eine diplomatische Lösung schwer erreichbar. Deutschland werde dennoch versuchen, politische Kommunikationskanäle offen zu halten.
Der Besuch Wadephuls in Jerusalem zeigt zugleich, dass Deutschland den direkten Austausch mit Israel auch in einer Phase militärischer Konfrontation aufrechterhalten will. Für Israel bleibt jedoch entscheidend, dass die militärische Bedrohung durch das iranische Regime nicht nur kurzfristig reduziert, sondern langfristig neutralisiert wird.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Außenministerium Israel
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 10. März 2026