Iran setzt Streubomben-ähnliche Gefechtsköpfe ein


Ein besonderer iranischer Gefechtskopf sorgt bei Raketenangriffen für viele Einschlagstellen gleichzeitig. Ein ehemaliger Kommandeur der israelischen Luftverteidigung erklärt, warum dieses System trotz kleinerer Sprengsätze gefährlich bleibt.

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Bei den jüngsten iranischen Raketenangriffen auf Israel kommt teilweise ein spezieller Gefechtskopf zum Einsatz, der sich noch in der Atmosphäre öffnet und mehrere kleinere Sprengsätze freisetzt. Der Effekt ist eine große Zahl möglicher Einschlagorte, die sich über ein weites Gebiet verteilen und damit deutlich mehr Sirenen und Alarmzonen auslösen.

Der ehemalige Kommandeur der israelischen Luftverteidigung, Brigadegeneral a.D. Ran Kochav, erläutert, dass viele Beobachter diese Waffe falsch einordnen. Es handle sich weder um klassische Streubomben noch um sogenannte Mehrfachsprengköpfe moderner Interkontinentalraketen.

Bei einem klassischen Mehrfachsprengkopf würde sich ein großer Sprengkopf gezielt in zwei oder drei größere Sprengköpfe aufteilen. Diese würden jeweils auf ein bestimmtes Ziel gesteuert. Solche Systeme werden vor allem von technologisch sehr fortgeschrittenen Armeen eingesetzt und sind in der aktuellen Konfrontation bisher nicht zu sehen.

Auch echte Streumunition sei es nicht. Streubomben, die nach internationalem Recht in vielen Staaten verboten sind, verteilen eine große Zahl kleiner Bomben über ein Zielgebiet. Das iranische System unterscheide sich davon.

Der verwendete Gefechtskopf wird von Militäranalysten als „verstreuender Gefechtskopf“ beschrieben. Er öffnet sich in einer Höhe von etwa sieben bis zehn Kilometern über dem Boden. In seinem Inneren befinden sich etwa zwanzig bis vierundzwanzig kleine Sprengsätze mit einem Gewicht von jeweils zwei bis fünf Kilogramm.

Sobald sich der Gefechtskopf öffnet, fallen diese kleinen Bomben frei Richtung Boden. Sie detonieren entweder beim Aufprall oder zerbrechen in der Luft und explodieren kurz darauf.

Die auffälligen Lichtpunkte, die bei solchen Angriffen am Himmel zu sehen sind, werden häufig missverstanden. Sie entstehen nicht durch Explosionen, sondern durch Temperaturunterschiede und Reibung mit der Luft, wenn die kleinen Sprengsätze aus dem geschlossenen Gefechtskopf austreten und mit Sauerstoff in Kontakt kommen.

Am Boden ist die Wirkung jeder einzelnen Explosion kleiner als bei einem großen Raketen­sprengkopf. Der Effekt wird häufig mit der Explosion einer Handgranate verglichen.

Für Menschen, die sich in einem Schutzraum oder einem verstärkten Schutzraum in Gebäuden befinden, stellt diese Art von Waffe in der Regel keine unmittelbare Gefahr dar. Befindet sich jedoch jemand im Freien oder kommt in Kontakt mit einer noch nicht detonierten Bombe, kann die Explosion tödlich sein.

Die jüngsten Ereignisse zeigen diese Gefahr deutlich. Obwohl die meisten Verletzten in den bisherigen Angriffswellen nicht durch diese Art von Munition getroffen wurden, kann der Schaden dennoch tödlich sein. Ein solcher Fall ereignete sich am Montag in der Stadt Yehud im Zentrum Israels.

Der Einsatz dieser Gefechtsköpfe beeinflusst auch das Warnsystem der israelischen Luftverteidigung. Weil sich die kleinen Sprengsätze nach dem Öffnen in unterschiedliche Richtungen bewegen, kann der mögliche Einschlagbereich nicht mehr genau vorhergesagt werden.

Dadurch vergrößert sich der Bereich, in dem Warnsirenen ausgelöst werden müssen. Das bedeutet, dass deutlich mehr Städte und Ortschaften gleichzeitig Alarm erhalten.

Für die Luftabwehr selbst verändert sich die Vorgehensweise jedoch nicht. Raketen werden weiterhin möglichst früh abgefangen, bevor sich der Gefechtskopf öffnet und die kleinen Sprengsätze freisetzt.

Wenn ein Abfangversuch erfolgreich ist, kommt es gar nicht erst zur Streuung. Erst wenn ein Abfangversuch scheitert, öffnet sich der Gefechtskopf und die einzelnen Sprengsätze verteilen sich über ein größeres Gebiet.

Nach militärischen Einschätzungen handelt es sich bei diesen Raketen nur um einen kleinen Teil des iranischen Arsenals. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa fünf bis sieben Prozent der abgefeuerten Raketen mit einem solchen Gefechtskopf ausgestattet sind.

Die Wirkung ist daher zweischneidig. Einerseits vergrößert sich das Gebiet möglicher Einschläge deutlich, was mehr Alarmmeldungen und mehrere Einschlagstellen zur Folge hat. Andererseits ist die Sprengkraft der einzelnen Explosionen deutlich geringer als bei einem großen Raketen­sprengkopf.

Trotzdem bleibt die Gefahr erheblich. Militärische Experten betonen deshalb, dass die Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung unverändert bleiben müssen. Wer sich bei Raketenalarm sofort in einen Schutzraum begibt, ist auch gegen diese Art von Angriff weitgehend geschützt.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot

Artikel veröffentlicht am: Montag, 9. März 2026

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