Israel vertieft Bodenoffensive im Südlibanon: Armee spricht von strategischem Fehler der Hisbollah
Israels Armee treibt ihre Bodenoperation im Südlibanon weiter voran. Ziel ist es, die militärischen Fähigkeiten der Hisbollah systematisch zu schwächen und die Bedrohung für die Gemeinden im Norden dauerhaft zu beseitigen.

Fast eine Woche nachdem die Hisbollah in den Krieg eingetreten ist, intensivieren die israelischen Streitkräfte ihre Bodenoperation im Südlibanon. Nach Angaben der Armee konzentriert sich die militärische Strategie darauf, die Infrastruktur der Terrororganisation systematisch zu zerstören und ihre militärischen Fähigkeiten zu zermürben.
Militärische Planer sprechen inzwischen offen davon, dass die Entscheidung der Hisbollah, sich an den Kämpfen zu beteiligen, ein schwerer strategischer Fehler gewesen sei. Israel sei auf ein solches Szenario vorbereitet gewesen und habe bereits zuvor detaillierte Operationspläne entwickelt, um die Organisation militärisch zurückzudrängen.
Die laufende Bodenoffensive verfolgt ein klares Ziel. Israelische Einheiten sollen die Infrastruktur der Hisbollah bis zur sogenannten dritten Dorflinie im Südlibanon zerstören und die Kämpfer der Organisation hinter den Litani-Fluss zurückdrängen. Dort soll eine entmilitarisierte Sicherheitszone entstehen, die direkte Begegnungen zwischen Terroristen der Hisbollah und israelischen Zivilisten verhindern soll.
Im Mittelpunkt der Operation steht die systematische Reinigung der Grenzregion von Waffenlagern, Raketenstellungen und anderen militärischen Einrichtungen. Mehrere israelische Verbände sind an dieser Operation beteiligt. Dazu gehören unter anderem die 401. Panzerbrigade sowie die Divisionen 91 und 146.
Diese Einheiten führen derzeit erweiterte Operationen entlang der ersten Dorflinie im Südlibanon durch. Ziel ist es, einen Sicherheitsstreifen in einer Tiefe von etwa fünf bis sieben Kilometern von der israelischen Grenze zu schaffen.
Die militärische Führung betont dabei einen zentralen Grundsatz der Operation. Die Terrororganisation soll gezwungen werden, auf die israelische Armee zu treffen und nicht auf israelische Zivilisten. Aus diesem Grund hat die Armee bislang entschieden, die Ortschaften im Norden Israels nicht zu evakuieren, obwohl die Hisbollah weiterhin Raketen und Drohnen in Richtung Israel abfeuert.
Stattdessen versucht Israel, die Kampfzone weiter in den Libanon zu verlagern. Die Frontlinie soll möglichst weit von den israelischen Gemeinden entfernt bleiben.
Aus Sicht der israelischen Armee bietet die aktuelle Situation eine seltene strategische Gelegenheit. Der militärische Druck auf die Hisbollah fällt in eine Phase wachsender internationaler und innerlibanesischer Kritik an der Organisation.
Auch militärisch hat die Hisbollah in den vergangenen Tagen schwere Verluste erlitten. Nach israelischen Angaben wurden in der vergangenen Woche mehr als 600 Ziele im Libanon angegriffen. Dabei setzte die israelische Luftwaffe über 820 Präzisionswaffen ein.
Nach militärischen Schätzungen wurden etwa 200 Kämpfer der Hisbollah ausgeschaltet. Unter ihnen befinden sich rund 80 Mitglieder der Eliteeinheit Radwan. Diese Einheit gilt als besonders gefährliche Angriffsformation der Organisation und war ursprünglich für Operationen gegen israelische Gemeinden vorgesehen.
Unter den Getöteten befinden sich außerdem mehrere hochrangige Kommandeure der Organisation. Drei Führungspersonen sowie drei Bataillonskommandeure wurden nach israelischen Angaben ausgeschaltet. Darüber hinaus wurden etwa siebzig Artillerieaktivisten der Hisbollah getötet.
Auch die militärische Infrastruktur der Organisation wurde massiv beschädigt. Israelische Angriffe zerstörten etwa 130 Einrichtungen, die für Raketenabschüsse, Logistik oder operative Planung genutzt wurden.
Die Luftwaffe führte außerdem 27 Angriffswellen im Raum Beirut durch. Fünf dieser Angriffe richteten sich gegen Ziele im südlichen Stadtteil Dahieh, der als wichtiges Zentrum der Hisbollah gilt.
Nach Einschätzung israelischer Militäranalysten hat die Organisation besonders im Bereich ihrer Kommandostruktur schwere Verluste erlitten. Viele operative Führungsstellen wurden zerstört, wodurch die Koordination der Kämpfer erschwert wird.
Besonders isoliert ist derzeit die Radwan-Einheit. Diese Eliteformation, die ursprünglich für Angriffe im Südlibanon vorbereitet worden war, befindet sich laut militärischer Einschätzung nun in einer schwierigen Lage. Israelische Kräfte haben ihre Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der für die Hisbollah problematisch ist. Nach israelischer Einschätzung besteht derzeit kaum direkte operative Koordination zwischen Iran und der Organisation. Die Hisbollah ist gezwungen, einen großen Teil der Kämpfe eigenständig zu führen.
Dennoch bleibt die Bedrohung bestehen. Die Organisation setzt weiterhin auf Guerillataktiken und feuert regelmäßig Raketen auf israelische Städte. Die militärische Führung in Israel betont deshalb, dass die Verteidigung gegen solche Angriffe niemals vollständig lückenlos sein kann.
Der Krieg fordert auch auf israelischer Seite Opfer. In der Nacht wurden zwei Soldaten der militärischen Ingenieurtruppen im Grenzgebiet zum Libanon getötet. Sie waren an einer Bergungsoperation für ein gepanzertes Fahrzeug beteiligt. Noch wird untersucht, ob sie durch Raketenbeschuss oder durch Mörsergranaten getroffen wurden.
Parallel zur Bodenoffensive entwickelt Israel auch neue Technologien zur Verteidigung gegen Raketenangriffe. Im Norden des Landes werden inzwischen Laser-Abwehrsysteme eingesetzt, die erstmals im realen Kampfeinsatz getestet werden.
Nach Angaben militärischer Quellen zeigen diese Systeme bereits vielversprechende Ergebnisse. Dennoch betonen Experten, dass zusätzliche Systeme benötigt werden, um den Luftraum vollständig zu sichern.
Im Nordkommando der Armee bereitet man sich darauf vor, dass die Kämpfe noch lange dauern könnten. Anders als in früheren Konflikten soll diesmal kein Zeitdruck die militärischen Entscheidungen bestimmen.
Das strategische Ziel bleibt klar: die Feuerkraft der Hisbollah zu brechen und die Bedrohung für die israelischen Gemeinden im Norden dauerhaft zu beseitigen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: IDF
Artikel veröffentlicht am: Montag, 9. März 2026