PA TV spricht von „Vorwand“ verschweigt aber eigene Sicherheitsanweisungen
Während iranische Raketen auf israelische Städte fallen, wirft das Staatsfernsehen der Palästinensischen Autonomiebehörde Israel vor, muslimische Heiligtümer aus Bosheit geschlossen zu haben. Dass alle religiösen Stätten betroffen sind und selbst palästinensische Behörden vor Versammlungen warnen, bleibt unerwähnt.

Die Berichterstattung des offiziellen Senders der Palästinensischen Autonomiebehörde zeichnet ein klares Bild: Israel nutze den Krieg als „Vorwand“, um das Freitagsgebet an der Al Aqsa Moschee in Jerusalem sowie die Ibrahimi Moschee in Hebron zu unterbinden. Moderatoren und Reporter sprechen von einer Besatzungsmacht, die nur auf eine Gelegenheit gewartet habe, um Gläubige auszuschließen. Der Kontext jedoch wird systematisch ausgeblendet.
Tatsächlich beruhte die Maßnahme auf einer landesweiten Sicherheitsanweisung des israelischen Heimatschutzes. Angesichts der massiven iranischen Raketenangriffe wurden Versammlungen untersagt, unabhängig von Religion oder Ort. In Jerusalem veröffentlichte die Stadtverwaltung eine klare Mitteilung: Alle heiligen Stätten in der Altstadt seien vorübergehend geschlossen, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. Diese Regelung galt gleichermaßen für die Klagemauer wie für die Al Aqsa Moschee und die Grabstätte der Patriarchen in Hebron.
Bilder der leeren Klagemauer sprechen eine deutliche Sprache. Auch jüdische Gläubige hatten keinen Zugang. Doch dieser Umstand findet im Programm von PA TV keinen Platz. Stattdessen entsteht der Eindruck gezielter Diskriminierung muslimischer Beter.
Besonders aufschlussreich ist, dass selbst die palästinensische Polizei nahezu identische Empfehlungen aussprach. Bürger wurden aufgefordert, nicht auf Dächer zu steigen, keine Menschenansammlungen zu bilden und sich in sichere Bereiche zu begeben. Die Warnung war eindeutig: Große Gruppen könnten angesichts von Raketen und Trümmerteilen eine unmittelbare Lebensgefahr darstellen. Diese Hinweise bestätigen, dass es sich um eine allgemeine Sicherheitslage handelt, nicht um eine religiös motivierte Einschränkung.
Auch aus Hebron kommen Details, die das offizielle Narrativ relativieren. Der Direktor der Ibrahimi Moschee, Scheich Mu’taz Abu Sanina, bestätigte in einem lokalen Radiosender, dass das gesamte Gebäude geschlossen wurde, einschließlich des Bereichs, der überwiegend von Juden genutzt wird. Auf Nachfrage erklärte er ausdrücklich, es habe keine Festnahmen oder Misshandlungen gegeben. Man sei informiert worden, die Anlage werde wegen der angespannten Lage vollständig geschlossen, und man habe das Gelände geordnet verlassen. Sobald sich die Situation beruhige, werde man über eine Wiedereröffnung informieren.
Diese Aussagen stehen im klaren Gegensatz zur Wortwahl des Staatsfernsehens in Ramallah. Dort wird die Maßnahme als böswilliger Akt dargestellt. Der Umstand, dass es sich um eine temporäre, sicherheitsbedingte Entscheidung handelt, bleibt unerwähnt. Ebenso fehlt der Hinweis, dass Israel in solchen Situationen regelmäßig religiöse Stätten aller Konfessionen schließt, um Menschenleben zu schützen.
Die selektive Darstellung ist kein Zufall. In Zeiten militärischer Auseinandersetzungen wird die Kontrolle über das Narrativ zu einem politischen Instrument. Indem PA TV die Schließungen als Angriff auf die Religionsfreiheit inszeniert, bedient es eine emotional aufgeladene Symbolik. Jerusalem und Hebron sind nicht nur religiöse Orte, sondern Identitätsanker im palästinensischen Diskurs. Wer dort Einschränkungen meldet, weiß um die Wirkung.
Aus israelischer Sicht ist die Sachlage eindeutig. Wenn Raketen auf Städte zielen, steht der Schutz von Menschenleben über allem. Dass dies auch bedeutet, Gebete temporär auszusetzen, ist eine bittere, aber nachvollziehbare Konsequenz. Die Gleichbehandlung aller heiligen Stätten unterstreicht, dass es sich nicht um eine konfessionelle Maßnahme handelt.
Die Frage ist daher nicht, ob Gläubige ihre Moscheen betreten durften, sondern ob Medien ihrer Verantwortung gerecht werden, vollständige Informationen zu liefern. Wer entscheidende Fakten ausblendet, formt kein Bild der Realität, sondern ein politisches Konstrukt. Gerade in Zeiten des Krieges entscheidet solche Berichterstattung darüber, ob Spannungen weiter angeheizt oder nüchtern eingeordnet werden.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 4. März 2026