Hamas und PFLP verherrlichen Khamenei die Palästinensische Autonomiebehörde schweigt demonstrativ


Während radikale Organisationen Teherans gestürzten Machthaber als Märtyrer feiern, bleibt Ramallah auffallend kühl. Das Schweigen ist kein Zufall, sondern politisches Kalkül in einem Moment, der die Machtachsen der Region neu ordnet.

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Die Reaktionen auf den Tod von Ali Khamenei legen die ideologischen Bruchlinien im palästinensischen Lager offen. Zwei als Terrororganisationen eingestufte Gruppen, die Hamas und die Volksfront zur Befreiung Palästinas, veröffentlichten ausführliche Nachrufe, in denen sie den iranischen Revolutionsführer als historischen Wegweiser des Kampfes gegen Israel würdigten. Die Palästinensische Autonomiebehörde hingegen beschränkte sich auf sachliche Meldungen zum Kriegsgeschehen und vermied jede Form offizieller Trauerbekundung.

Die Erklärung der Hamas war besonders deutlich. In ihrem Telegram Kanal sprach sie von einem Märtyrer, würdigte dessen jahrzehntelange Unterstützung für die palästinensische Sache und hob ausdrücklich die militärische, politische und diplomatische Hilfe hervor, die Iran der Organisation gewährt habe. Auch der Angriff vom 7. Oktober wurde in diesem Zusammenhang genannt. Die Botschaft war klar: Khamenei habe den bewaffneten Kampf gegen Israel nicht nur ideologisch legitimiert, sondern konkret gefördert. Der Tod des iranischen Führers werde an diesem Ziel nichts ändern.

Ähnlich formulierte die Volksfront zur Befreiung Palästinas ihre Stellungnahme. Sie bezeichnete Khamenei als Führer der Revolution und als zentrale Stütze jener Kräfte, die sich der amerikanischen Vorherrschaft und dem sogenannten zionistischen Projekt entgegenstellten. Sein Tod sei ein Verlust für alle, die an der Beseitigung Israels arbeiteten. Zugleich rief die Organisation zu engerer Koordination der Widerstandsfronten auf.

Diese Rhetorik steht in scharfem Kontrast zum Verhalten der Palästinensischen Autonomiebehörde. Ramallah verzichtete auf jede symbolische Geste, keine Flaggen auf Halbmast, keine Würdigungen, keine emotionalen Worte. Die offiziellen Medien berichteten nüchtern über die militärische Entwicklung, ohne den iranischen Machthaber zu glorifizieren. Wer die Vergangenheit kennt, erkennt die politische Botschaft dahinter.

Als der Hamas Führer Ismail Haniyeh im vergangenen Jahr getötet wurde, sprach die Autonomiebehörde von einem großen nationalen Symbol und einem schweren Verlust. Diese emphatische Sprache fehlt nun vollständig. Der Unterschied erklärt sich aus der geopolitischen Lage. Die Vereinigten Staaten sind diesmal direkt militärisch beteiligt. Offene Solidarität mit Teheran würde die ohnehin angespannte Beziehung zwischen Washington und Ramallah weiter belasten. Zudem hat Iran mit seinen Angriffen mehrere arabische Staaten getroffen. Eine öffentliche Trauerbekundung für Khamenei würde die Autonomiebehörde in Gegensatz zu wichtigen regionalen Partnern bringen.

Auch historische Erfahrungen spielen eine Rolle. In den frühen neunziger Jahren stellte sich die PLO offen auf die Seite Saddam Husseins. Die Folgen waren diplomatische Isolation und finanzielle Einbußen. Dieses Kapitel ist in Ramallah nicht vergessen. Die Führung weiß, wie schnell politische Fehlentscheidungen existenzielle Konsequenzen haben können.

Aus israelischer Sicht verdeutlichen die Nachrufe von Hamas und Volksfront erneut, dass der Konflikt nicht allein territorialer Natur ist. Beide Organisationen definieren sich ideologisch über die Ablehnung der jüdischen Staatlichkeit. Wenn sie Khamenei als Unterstützer ihres Kampfes preisen, bestätigen sie indirekt, dass Irans Engagement in der Region kein defensiver Reflex, sondern strategische Investition in einen langfristigen Konfrontationskurs war.

Gleichzeitig zeigt das Schweigen der Autonomiebehörde, dass selbst innerhalb der palästinensischen Politik ein Bewusstsein für internationale Realitäten existiert. Ramallah versucht, sich als pragmatischer Akteur darzustellen, der nicht in die ideologische Frontstellung zwischen Teheran und Jerusalem hineingezogen werden will. Ob dieses Kalkül langfristig aufgeht, bleibt offen. Die innerpalästinensische Spaltung vertieft sich dadurch weiter.

Für Israel ist die Lage ambivalent. Einerseits bestätigen die offenen Solidaritätsbekundungen der Terrororganisationen die sicherheitspolitische Einschätzung, dass iranische Unterstützung ein zentraler Motor ihrer militärischen Fähigkeiten war. Andererseits offenbart das taktische Schweigen der Autonomiebehörde, dass der regionale Druck auf Teheran Wirkung zeigt und Allianzen nicht mehr selbstverständlich sind.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob aus der rhetorischen Solidarität konkrete Schritte folgen oder ob die Hamas und die Volksfront isolierter dastehen, als ihre Wortwahl vermuten lässt. Sicher ist nur eines: Der Tod Khameneis hat nicht nur in Teheran eine Machtlücke gerissen, sondern auch die ideologischen Loyalitäten in der palästinensischen Arena neu sichtbar gemacht.

Thematische Einordnung


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Khamenei.ir, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=181156204

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 3. März 2026

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