Hamas entführte Matán Angrest am 7. Oktober und folterte ihn 738 Tage, weil er überlebte


Sie nannten ihn „Diamant“, weil er der einzige Überlebende seines geheimen Panzerteams war und Dinge wusste, die die Hamas um jeden Preis erfahren wollte. Jetzt berichtet Matán Angrest erstmals über die Entführung am 7. Oktober, die Folter in Gaza und die Entscheidung, lieber zu sterben als militärische Geheimnisse preiszugeben.

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Matán Angrest versteht zunächst nicht, was er sieht. Es ist früher Morgen am 7. Oktober, und vor ihm fährt plötzlich eine weiße Toyota mit palästinensischem Kennzeichen über israelisches Gebiet, direkt am Militärposten Nahal Oz, wo er seit Monaten stationiert ist. Für einen Moment glaubt er, seine Augen täuschen ihn. Doch dann fallen Schüsse. Innerhalb von Sekunden bricht die Realität zusammen, die bis dahin sein Alltag war. Terroristen der Hamas sind in Israel eingedrungen. Es ist der Beginn eines Tages, der sein Leben für immer zerstören und gleichzeitig darüber entscheiden wird, dass er überlebt, während die drei Männer sterben, mit denen er noch Stunden zuvor gesprochen hatte.

Matán Angrest steigt mit Daniel Peretz, Itai Chen und Tomer Leibovich in den Panzer. Sie sind nicht nur eine militärische Einheit. Sie sind Freunde. Männer, die zusammen essen, zusammen schlafen, zusammen warten. Über Funk hören sie, dass Terroristen den Posten angegriffen haben und dass bereits Soldaten gefallen sind. Ihr Kommandant Daniel Peretz sagt einen Satz, den Matán Angrest nie vergessen wird. Sie müssen verhindern, dass jemand entführt wird. Niemand kann in diesem Moment wissen, dass genau dies sein eigenes Schicksal sein wird.

Als sie später erneut auf Terroristen treffen, entscheidet sich Daniel Peretz, anzugreifen. Matán Angrest fährt den Panzer direkt auf sie zu. Explosionen erschüttern die Umgebung. Er sieht die Angreifer aus nächster Nähe. Er denkt nur noch daran, wie er sie aufhalten kann. Dann wird der Panzer getroffen. Die letzten Momente seiner Freunde spielen sich in Sekunden ab. Daniel Peretz stirbt. Itai Chen stirbt. Tomer Leibovich stirbt. Matán Angrest überlebt. Schwer verletzt wird er von Hamas Terroristen aus dem zerstörten Panzer gezogen und in den Gazastreifen verschleppt.

Als er wieder zu sich kommt, liegt er auf dem Boden eines Hauses. Seine Hand ist verbrannt. Sein Körper reagiert kaum. Acht Männer sitzen vor ihm. Sie beginnen sofort, ihn zu verhören. Sie wollen wissen, wer er ist. Was er weiß. Was er gesehen hat. Für sie ist er kein Mensch. Er ist ein Preis. Sie geben ihm einen Namen. Diamant.

Die Folter beginnt früh. Elektrokabel werden auf seine verletzte Hand gelegt. Strom durchfährt seinen Körper. Er schreit. Seine Entführer wiederholen es. Immer wieder. Sie stellen dieselben Fragen. Sie wollen Informationen. Sie wollen Antworten. Matán Angrest weiß, dass es Dinge gibt, die er nicht sagen darf. Dinge, die er selbst unter diesen Umständen nicht preisgeben kann. Er sagt später, dass es Informationen gab, die unter eine einfache Regel fielen. Stirb und sag sie nicht.

Wochenlang ist er allein. Er kann sich kaum bewegen. Niemand hilft ihm. Niemand sagt ihm, ob er jemals zurückkehren wird. Die Zeit verliert ihre Bedeutung. Nach etwa sechs Monaten hört er über ein Radio, dass seine drei Freunde tot sind. Daniel. Itai. Tomer. Er ist der einzige Überlebende. Er sitzt allein und denkt an sie. An ihre Stimmen. An ihr Lachen. An den letzten Tag ihres Lebens.

Die Hamas hält ihn insgesamt 738 Tage gefangen. Immer wieder wird er verhört. Immer wieder wird er isoliert. Manchmal trifft er andere israelische Geiseln, darunter Gali Berman. Diese Begegnungen geben ihm für kurze Zeit Hoffnung. Doch sie dauern nie lange. Immer wieder wird er zurück in die Isolation gebracht. Zurück in die Angst.

Er sagt später, dass er jede Nacht mit einem Gedanken einschlief. Wenn sie mehr über mich herausfinden, ist es mein Ende.

Nach mehr als zwei Jahren geschieht etwas, womit er nicht mehr gerechnet hat. Seine Entführer holen ihn aus dem Raum. Seine Augen werden verbunden. Er wird an einen anderen Ort gebracht. Dort trifft er andere Geiseln, darunter Alon Ohel und Guy Gilboa Dalal. Ein Hamas Mitglied sagt ihnen, dass sie freigelassen werden. Nach 738 Tagen endet seine Gefangenschaft.

Matán Angrest kehrt nach Israel zurück. Doch das Leben, das er kannte, existiert nicht mehr. Seine Freunde sind tot. Seine Gefangenschaft ist vorbei. Aber die Erinnerungen bleiben. Die Folter bleibt. Die Stimmen bleiben.

Matán Angrest lebt.

Und er ist der einzige, der erzählen kann, was mit ihnen geschehen ist.

Thematische Einordnung


Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 27. Februar 2026

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