USA verlegen 5700 IS Häftlinge nach Irak: Misstrauen gegenüber Damaskus wächst


Washington lässt tausende mutmaßliche IS Kämpfer aus Syrien in den Irak bringen. Der Schritt gilt als deutliches Signal: Das Vertrauen in die neue Führung in Damaskus ist begrenzt.

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Die Entscheidung des US Zentralkommandos, rund 5700 mutmaßliche Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates aus Haftanstalten im Nordosten Syriens in den Irak zu verlegen, ist weit mehr als eine logistische Maßnahme. Sicherheitsexperten werten den Schritt als politisches Zeichen. Washington traut der neuen syrischen Führung unter Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa offenbar nicht zu, die komplexe und explosive Gefangenenfrage dauerhaft zu kontrollieren.

Der Machtwechsel in Damaskus nach dem Sturz des Assad Systems hatte in westlichen Hauptstädten zunächst vorsichtigen Optimismus ausgelöst. US Präsident Donald Trump suchte frühzeitig den Kontakt zu al Sharaa, der unter seinem früheren Kampfnamen Abu Mohammad al Julani international bekannt wurde. Doch Skepsis ist geblieben. Al Sharaa war einst in dschihadistischen Netzwerken aktiv. Kritiker bezweifeln, dass ideologische Brüche glaubhaft vollzogen wurden.

Der Transfer der Gefangenen fällt in eine Phase erheblicher Unsicherheit im Nordosten Syriens. Nach einer schnellen Offensive syrischer Regierungstruppen gegen die kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte verloren diese die Kontrolle über mehrere Haftanstalten. In al Shaddadi gelang Dutzenden mutmaßlichen IS Kämpfern die Flucht, ehe ein Großteil wieder gefasst wurde. Solche Vorfälle nähren Zweifel an der Fähigkeit Damaskus, tausende radikalisierte Häftlinge sicher zu verwahren.

Das Gefangenenproblem ist kein Randthema. In Lagern wie al Hol sitzen neben Kämpfern auch deren Familienangehörige, darunter zahlreiche ausländische Staatsbürger. Die Verwaltung solcher Einrichtungen erfordert erhebliche personelle, finanzielle und juristische Ressourcen. Nach Einschätzung von Fachleuten ist die neue syrische Führung dafür derzeit nicht ausreichend gerüstet. Zwischen militärischer Terrorbekämpfung und langfristiger Inhaftierung liegen organisatorisch Welten.

Für den Irak ist die Übernahme der Gefangenen ambivalent. Bagdad hatte 2017 den militärischen Sieg über den Islamischen Staat verkündet, nachdem rund 40 Prozent des zuvor kontrollierten Territoriums zurückerobert worden waren. Doch die Organisation ist nicht verschwunden. Geheimdienstberichte gehen davon aus, dass sich die Zahl aktiver Kämpfer in der Region wieder erhöht hat. Entlang der syrisch irakischen Grenze nehmen Anschläge zu.

Iraks Außenminister Fuad Hussein machte deutlich, dass sein Land internationale Unterstützung benötigt. Tausende zusätzliche Gefangene stellten ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Bagdad bemüht sich darum, Herkunftsstaaten zur Rücknahme ihrer Staatsbürger zu bewegen. Europäische Länder zeigen sich zurückhaltend, während Staaten in Südasien möglicherweise eher bereit sein könnten, ihre Bürger zurückzunehmen.

Für Israel birgt die Entwicklung zusätzliche Risiken. Der Rückzug amerikanischer Kräfte aus Teilen der Region verändert das strategische Gleichgewicht. In den vergangenen Jahren galten die von Kurden kontrollierten Haftanstalten als relativ stabile Lösung. Nun verschiebt sich die Verantwortung in ein Land, das selbst starkem iranischem Einfluss ausgesetzt ist. Teheran strebt danach, seinen Einfluss im Irak zu festigen und könnte instabile Sicherheitslagen strategisch nutzen.

Zwar steht der Islamische Staat in ideologischer Feindschaft zu Iran, doch geopolitische Zweckbündnisse sind in der Region keine Seltenheit. Sollte Bagdad unter innenpolitischem Druck geraten, könnten radikale Netzwerke neue Handlungsspielräume gewinnen. Für Israel bedeutet dies, dass Entwicklungen im irakischen Sicherheitsapparat aufmerksam beobachtet werden müssen.

Neben strategischen Fragen werfen Menschenrechtsorganisationen juristische Bedenken auf. Frühere Prozesse gegen mutmaßliche IS Mitglieder im Irak standen wegen kurzer Verfahrensdauer, fehlender anwaltlicher Vertretung und mutmaßlicher Foltervorwürfe in der Kritik. Auch die Anwendung der Todesstrafe ist international umstritten. Die Verlagerung syrischer Staatsbürger in irakische Haft wirft zudem völkerrechtliche Fragen auf.

Die Verlegung der Gefangenen ist somit Ausdruck einer doppelten Realität: Washington will eine unmittelbare Sicherheitslücke schließen, sendet jedoch zugleich ein Signal des Misstrauens an Damaskus. Die Stabilisierung Syriens bleibt fragil. Solange Zweifel an der Kontrolle über radikale Netzwerke bestehen, werden die Vereinigten Staaten und ihre Partner keine Risiken eingehen.

Für Israel ist entscheidend, dass sich keine neue Terrorinfrastruktur entlang der östlichen Flanke etabliert. Der Kampf gegen dschihadistische Organisationen endet nicht mit territorialen Niederlagen. Er verlagert sich in Haftanstalten, Grenzregionen und politische Machtkämpfe. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Irak die zusätzliche Verantwortung tragen kann oder ob die Region erneut in einen gefährlichen Kreislauf gerät.

Thematische Einordnung


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Y. Boechat (VOA) - Syria Camp Housing Hardcore IS Families Spiraling "Out of Control", Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83344188

Artikel veröffentlicht am: Montag, 16. Februar 2026

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