Netanyahu fordert in Washington: US-Iran-Deal muss Irans Atomprogramm und Terrornetzwerke umfassen
Nach einem dreistündigen Treffen mit Präsident Trump stellt Israels Premier klare Bedingungen. Ein Abkommen mit Teheran darf sich nicht nur auf Urananreicherung beschränken, sondern muss Raketen und Stellvertreterarmeen einschließen.

Der Ton war nüchtern, der Inhalt jedoch unmissverständlich. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat nach seinem jüngsten Besuch in Washington deutlich gemacht, welche Linie Jerusalem gegenüber den laufenden amerikanisch-iranischen Gesprächen erwartet. Wer mit Teheran verhandelt, so seine Botschaft, darf nicht nur über Zentrifugen sprechen. Ein tragfähiges Abkommen müsse das gesamte Bedrohungsspektrum umfassen: Atomwaffenambitionen, ballistische Raketen und die Finanzierung bewaffneter Stellvertreter in der Region.
Das Treffen mit US-Präsident Donald Trump dauerte drei Stunden und war damit deutlich länger als ursprünglich angesetzt. Es war bereits das siebte persönliche Gespräch der beiden seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im vergangenen Jahr. Öffentlich trat Netanyahu zurückhaltend auf, der Zugang erfolgte ohne große mediale Inszenierung. Inhaltlich jedoch ließ er keinen Zweifel daran, dass Israel bei der Iran-Frage keine kosmetischen Lösungen akzeptieren wird.
Netanyahu erklärte vor dem Abflug aus den Vereinigten Staaten, Verhandlungen mit Teheran müssten „Elemente beinhalten, die für den Staat Israel und aus meiner Sicht für die gesamte internationale Gemeinschaft entscheidend sind“. Er nannte ausdrücklich drei Bereiche: das Atomprogramm, die Entwicklung ballistischer Raketen sowie Irans Aktivitäten über bewaffnete Gruppen im Nahen Osten. Damit ist klar, dass Jerusalem eine Wiederholung früherer Abkommen, die sich im Kern auf Anreicherung und Inspektionen konzentrierten, ablehnt.
Mehr als nur Uran
Israels Sicherheitsestablishment betrachtet das iranische Atomprogramm nicht isoliert. Aus Sicht Jerusalems bildet es nur eine Säule einer umfassenderen Strategie Teherans, regionalen Einfluss auszubauen und Israel militärisch einzukreisen. Die Unterstützung von Milizen im Libanon, in Syrien, im Irak und im Gazastreifen ist dabei kein Nebenschauplatz, sondern integraler Bestandteil iranischer Machtprojektion.
Netanyahu betonte, er bleibe skeptisch gegenüber jeder Vereinbarung mit dem Regime in Teheran. Zugleich habe Präsident Trump ihm versichert, dass harte Bedingungen dazu führen könnten, dass Iran einem „guten Deal“ zustimme. Trump wiederum schrieb nach dem Treffen auf seiner Plattform Truth Social, es sei „nichts Endgültiges“ erreicht worden. Er ließ jedoch anklingen, dass Teheran wisse, mit wem es verhandle, und erinnerte an frühere amerikanische Militärschläge, die Iran schmerzhaft getroffen hätten.
Aus israelischer Sicht ist diese Wortwahl kein Zufall. Abschreckung funktioniert nur, wenn sie glaubwürdig ist. Jerusalem weiß aus Erfahrung, dass Teheran Zugeständnisse oft taktisch einsetzt, um Zeit zu gewinnen. Ein Abkommen, das lediglich das Atomprogramm temporär einfriert, während Raketenarsenale wachsen und Terrorstrukturen weiter finanziert werden, würde die strategische Lage Israels langfristig verschlechtern.
Gaza und die Region
Neben Iran sprachen Netanyahu und Trump auch über die Lage in Gaza und die weitere Stabilisierung der Region. Trump sprach von „echtem Frieden im Nahen Osten“. In Jerusalem wird eine solche Formulierung mit Vorsicht aufgenommen. Frieden ist für Israel kein Schlagwort, sondern ein Sicherheitszustand, der nur durch klare rote Linien und konsequente Durchsetzung entsteht.
Für Netanyahu steht fest: Ein Abkommen mit Iran darf nicht zu Lasten der israelischen Sicherheit gehen. Die Forderung, Raketenprogramme und Stellvertreterarmeen ausdrücklich einzubeziehen, ist Ausdruck dieser Haltung. Israel will verhindern, dass ein diplomatischer Erfolg in Washington strategische Nachteile in Jerusalem schafft.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Washington bereit ist, diese umfassende Linie durchzuhalten. Für Israel ist die Sache eindeutig: Ein Deal, der die nukleare Dimension isoliert behandelt und die militärische Infrastruktur Irans in der Region ausklammert, wäre kein Fortschritt, sondern ein Risiko.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 13. Februar 2026