Irans Regime bröckelt: Diplomaten fliehen in den Westen


Zwei hochrangige Vertreter des iranischen Außenministeriums kehren Teheran den Rücken. Ihre Flucht könnte westlichen Geheimdiensten tiefe Einblicke in das Atomprogramm und die Terrornetzwerke der Islamischen Republik verschaffen.

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Die Proteste im Iran erschütterten nicht nur die Straßen von Teheran, Isfahan und Täbris. Sie dringen inzwischen bis in die diplomatischen Vertretungen der Islamischen Republik in Europa vor. Innerhalb weniger Wochen sind zwei iranische Diplomaten in den Westen übergelaufen und haben in der Schweiz politisches Asyl beantragt. Die spektakulären Abgänge werden von Beobachtern als klares Zeichen gewertet, dass selbst innerhalb der Elite das Vertrauen in das Regime schwindet.

Nach Angaben des oppositionellen Portals Iran International handelt es sich bei einem der Überläufer um Gholam-Reza Darikhvand, der zuletzt als ranghoher Diplomat und Verantwortlicher für politische Beziehungen an der iranischen Botschaft in Wien tätig war. Darikhvand brach den Kontakt zu Teheran ab, verließ Österreich und befindet sich derzeit in der Schweiz. Dort stellte er einen formellen Asylantrag.

Die Personalie ist brisant. Darikhvand galt in diplomatischen Kreisen als aufstrebender Karrierediplomat. Zwischen 2011 und 2014 war er bereits in der iranischen Botschaft in Prag eingesetzt und arbeitete in den Jahren danach in Wien, dem wichtigsten europäischen Knotenpunkt der iranischen Außenpolitik. Von dort aus wird nicht nur der Kontakt zur Internationalen Atomenergiebehörde koordiniert, sondern auch ein weit verzweigtes Netzwerk iranischer Geheimdienstaktivitäten in Europa gesteuert.

Gerade dieser Hintergrund macht seine Flucht aus Sicht westlicher Sicherheitsbehörden besonders wertvoll. Der Geheimdienstblog Intelli Times geht davon aus, dass Darikhvand über sensible Informationen verfügt, die weit über gewöhnliche diplomatische Kenntnisse hinausgehen. Während seiner Zeit in Wien und Prag arbeitete er in einem Umfeld, das in den vergangenen Jahren wiederholt als Operationsbasis des iranischen Geheimdienstministeriums diente.

Ein Beispiel dafür ist der Fall des iranischen Diplomaten Assadollah Assadi, der 2018 in Deutschland verhaftet und 2021 in Belgien wegen der Planung eines Terroranschlags verurteilt wurde. Assadi hatte von der iranischen Botschaft in Wien aus ein Netzwerk koordiniert, das einen Bombenanschlag auf eine Veranstaltung der iranischen Opposition in Paris vorbereitete. Der Fall zeigte eindrücklich, wie eng Diplomatie und Terror im System der Islamischen Republik miteinander verwoben sind.

Experten gehen davon aus, dass Darikhvand Einblick in genau solche Strukturen besitzt. Seine Aussagen könnten Aufschluss geben über Arbeitsmethoden des iranischen Geheimdienstes, über Tarnfirmen, über Kontakte zu Schläferzellen in Europa und möglicherweise sogar über interne Entscheidungsprozesse im Atomprogramm. Besonders relevant ist der Zeitraum nach 2018, als Iran nach dem Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem Atomabkommen begann, seine nuklearen Aktivitäten massiv auszuweiten.

Auch zur Frage, wie Teheran internationale Sanktionen umgeht und welche Strategien gegenüber der Internationalen Atomenergiebehörde verfolgt werden, könnte der Überläufer wertvolle Details liefern. Für westliche Nachrichtendienste wäre dies ein Informationsgewinn von enormer Bedeutung.

Bemerkenswert ist, dass Darikhvand kein Einzelfall ist. Bereits am 18. Januar hatte ein weiterer iranischer Diplomat seine Posten verlassen. Ali-Reza Jirani Hokmabad, ein hochrangiger Vertreter Irans bei den Vereinten Nationen in Genf, verließ gemeinsam mit seiner Familie die diplomatische Mission und beantragte ebenfalls Asyl in der Schweiz.

Jirani war seit 2017 Teil der iranischen UN-Delegation und bekleidete zuletzt den Rang eines Gesandten. Er vertrat die Islamische Republik in zahlreichen internationalen Gremien, die sich mit Handel, Entwicklung und Wirtschaft befassten. Sein Abgang wird in diplomatischen Kreisen als besonders schwerer Schlag für Teheran bewertet, da er über jahrelange Erfahrung und ein dichtes Netzwerk in der internationalen Diplomatie verfügt.

Quellen berichten, Jirani habe aus Angst vor den politischen Entwicklungen im Iran und vor möglichen Repressalien beschlossen, nicht mehr in sein Heimatland zurückzukehren. Die zunehmende internationale Unterstützung für die iranische Protestbewegung sowie die scharfen Verurteilungen durch europäische Regierungen hätten das Gefühl der Unsicherheit unter iranischen Diplomaten zusätzlich verstärkt.

Europäische Regierungen beobachten die Entwicklungen mit wachsendem Interesse. Nach Angaben westlicher Diplomaten prüfen mehrere Länder derzeit, wie sie mit möglichen weiteren Asylanträgen iranischer Vertreter umgehen sollen. Die Bereitschaft, solchen Anträgen stattzugeben, scheint deutlich gestiegen zu sein. Die Botschaft ist klar: Wer sich vom iranischen Regime abwendet, kann auf Schutz hoffen.

Das Phänomen ist nicht neu. Schon nach den Massenprotesten von 2009 kam es zu einer Welle von Überläufen. Damals kehrten unter anderem der iranische Konsul in Norwegen, der Gesandte in Finnland sowie Mitarbeiter in Italien und Belgien dem Regime den Rücken. Die aktuelle Situation weist deutliche Parallelen auf, wirkt aber noch dramatischer.

Für Teheran sind diese Fluchten mehr als nur personelle Verluste. Sie sind ein politisches Erdbeben. Wenn selbst loyale Diplomaten nicht mehr an die Stabilität des Systems glauben, sendet das ein verheerendes Signal an die gesamte Machtstruktur. Jeder Überläufer untergräbt die Autorität der Führung und erhöht den Druck auf ein Regime, das ohnehin von Protesten, wirtschaftlicher Krise und internationaler Isolation erschüttert wird.

Für Israel und den Westen eröffnen sich zugleich neue Chancen. Je mehr Insider bereit sind auszupacken, desto schwerer wird es für die Islamische Republik, ihre geheimen Programme, ihre Terrornetzwerke und ihre nuklearen Ambitionen weiter zu verschleiern. Die nächsten Monate könnten zeigen, dass der größte Feind des iranischen Regimes nicht nur auf den Straßen, sondern auch in den eigenen Reihen sitzt.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 4. Februar 2026

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