Iran droht mit Angriffen auf zivile Infrastruktur und bringt Atomwaffen ins Spiel

Iran droht mit Angriffen auf zivile Infrastruktur und bringt Atomwaffen ins Spiel


Teheran kündigt für den Fall neuer amerikanisch-israelischer Luftangriffe eine massive Eskalation an. Flughäfen, Energieanlagen und Pipelines in den Golfstaaten könnten zum Ziel werden. Zugleich fordern iranische Hardliner eine atomare Abschreckung.

Iran droht mit Angriffen auf zivile Infrastruktur und bringt Atomwaffen ins Spiel
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Das iranische Regime droht mit einer erheblichen Ausweitung des Krieges im Nahen Osten. Sollte es zu erneuten amerikanischen oder israelischen Luftangriffen kommen, will Teheran nicht nur Militärstützpunkte und Kriegsschiffe angreifen, sondern auch Flughäfen, Energieanlagen und andere zivile Infrastruktur in den benachbarten GolfstaatenStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen. Gleichzeitig wird innerhalb der iranischen Führung immer offener über Atomwaffen gesprochen.

Nach Recherchen desWall Street Journalhat die Islamische Republik entsprechende Warnungen sowohl öffentlich als auch über diplomatische Vermittler übermittelt. Betroffen wären insbesondere Staaten, die amerikanische Streitkräfte beherbergen oder den USA die Nutzung ihres Luftraums ermöglichen.

Die Drohungen richten sich damit nicht allein gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und die Vereinigten Staaten. Sie betreffen auch Nachbarländer, deren Energieversorgung, Luftverkehr und wirtschaftliche Infrastruktur erheblich beschädigt werden könnten.

Besonders brisant ist die ausdrückliche Erwähnung ziviler Einrichtungen. Die iranische Führung stellt damit die mögliche Zerstörung wirtschaftlich lebenswichtiger Anlagen als Mittel militärischer Abschreckung in Aussicht.

Ein solcher Angriff wäre nicht allein wegen seiner wirtschaftlichen Folgen schwerwiegend. Zivile Objekte genießen nach dem humanitären Völkerrecht besonderen Schutz. Ihre gezielte Zerstörung ist grundsätzlich verboten, solange sie keine militärischen Ziele darstellen. Auch bei Angriffen auf militärisch genutzte Anlagen müssen die geltenden Regeln des Kriegsrechts eingehalten werden.

Atomwaffen werden offen diskutiert

Parallel zu den Drohungen gegen die Golfstaaten wächst innerhalb des iranischen Machtapparats die Bereitschaft, die bisherige offizielle Ablehnung von Atomwaffen infrage zu stellen.

Nach einem Bericht vonIran Internationalforderte der iranische Abgeordnete Mohammad-Saleh Jokar, bei einem erneuten amerikanischen Angriff auch atomare Abschreckungsmittel in Betracht zu ziehen. Zudem sprach er sich dafür aus, die Zusammenarbeit im Rahmen des Atomwaffensperrvertrags auszusetzen.

Seine Forderung bedeutet nicht, dass Iran bereits über einsatzfähige Atomwaffen verfügt oder deren Einsatz beschlossen hat.

Sie fügt sich jedoch in eine Entwicklung ein, die innerhalb des Regimes seit Monaten erkennbar ist.

Bereits im September hatten iranische Hardliner öffentlich verlangt, die bisherige Atomdoktrin zu überprüfen. Einzelne Politiker argumentieren inzwischen, dass nur der Besitz von Kernwaffen weitere Angriffe auf Iran verhindern könne.

Im Oktober erklärte der Abgeordnete Ahmad Naderi, der neue Oberste Führer Modschtaba Chamenei könnte die Frage anders beurteilen als sein Vater Ali Chamenei, der die Entwicklung von Atomwaffen offiziell religiös abgelehnt hatte.

Damit gerät eine zentrale Begründung der iranischen Atompolitik unter Druck. Jahrzehntelang behauptete die Islamische Republik, ausschließlich friedliche nukleare Ziele zu verfolgen.

Nun diskutieren Politiker aus dem eigenen Machtapparat ausdrücklich, ob eine atomare Bewaffnung notwendig sei.

Für Israel ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Die israelische Regierung betrachtet eine iranische Atombombe als existenzielle Bedrohung und hat wiederholt erklärt, deren Entwicklung verhindern zu wollen.

Teheran setzt auf Verwundbarkeit seiner Nachbarn

Die iranische Strategie zielt offenbar darauf ab, die wirtschaftlichen und militärischen Kosten eines erneuten Angriffs möglichst weit über die eigenen Grenzen hinauszutragen.

Flughäfen in Dubai, Katar, Kuwait und Bahrain gehören zu den wichtigsten Verkehrsknotenpunkten der Region. Öl- und Gasanlagen versorgen internationale Märkte. Auch unterseeische Kommunikationsleitungen im Persischen Golf sind für die wirtschaftliche Infrastruktur von erheblicher Bedeutung.

Bereits während früherer Kampfhandlungen wurden amerikanische Einrichtungen sowie Energie- und Industrieanlagen in mehreren Golfstaaten getroffen.

Nach Einschätzung von Sicherheitsexperten verfügt Iran trotz erheblicher militärischer Verluste weiterhin über Raketen und Drohnen, mit denen solche Ziele angegriffen werden könnten.

Die genaue Größe der verbliebenen Bestände ist allerdings umstritten. Während das Pentagon umfangreiche Zerstörungen iranischer Produktions- und Waffenkapazitäten meldete, gehen westliche Fachleute davon aus, dass Teheran einen Teil seiner Raketenproduktion in unterirdischen Anlagen fortsetzt.

Die iranische Führung versucht damit, eine militärische Schwäche durch die Androhung weitreichender Schäden auszugleichen.

Besonders die Golfstaaten geraten dadurch in eine schwierige Lage. Sie unterhalten teilweise enge Beziehungen zu Washington, verfügen über amerikanische Militärstützpunkte und sind zugleich auf wirtschaftliche Stabilität angewiesen.

Teheran nutzt diese Verwundbarkeit als Druckmittel.

Die Botschaft lautet: Sollten die USA oder Israel erneut angreifen, sollen auch Staaten die Folgen tragen, die nicht selbst an den Luftangriffen beteiligt sind.

Die Eskalation könnte Iran selbst treffen

Allerdings birgt diese Strategie erhebliche Risiken für die Islamische Republik.

Der Sicherheitsexperte Farzin Nadimi vom Washington Institute hält Iran grundsätzlich für fähig, der regionalen Energie- und Kommunikationsinfrastruktur schwere Schäden zuzufügen. Gleichzeitig warnt er davor, dass entsprechende Angriffe massive Vergeltungsmaßnahmen gegen iranische Anlagen auslösen könnten.

Auch die militärischen Ressourcen Irans sind nicht unbegrenzt. Ein längerer Raketen- und Drohnenkrieg würde die bereits geschwächte Rüstungsindustrie zusätzlich belasten.

Hinzu kommt die wirtschaftliche Situation des Landes. Die amerikanische Seeblockade und zunehmende Einschränkungen wichtiger Handelsverbindungen setzen Teheran bereits unter Druck.

Weitere Kampfhandlungen könnten die iranische Wirtschaft deshalb erheblich schwerer treffen.

Dennoch scheinen Teile der Führung entschlossen, neue Angriffe nicht nur militärisch, sondern auch durch wirtschaftliche Schäden für die gesamte Region beantworten zu wollen.

Die diplomatischen Verhandlungen zwischen Washington und Teheran stecken seit Monaten fest. US-Präsident Donald Trump hat wiederholt weitere Angriffe in Aussicht gestellt, sollten keine Vereinbarungen über das iranische Atomprogramm erreicht werden.

Für die Zeit nach den amerikanischen Zwischenwahlen am 3. November wird über neue militärische Optionen berichtet. Eine endgültige Entscheidung über einen erneuten Angriff ist jedoch nicht bestätigt.

Die jüngsten iranischen Drohungen zeigen, welches Eskalationspotenzial die Konfrontation inzwischen erreicht hat.

Es geht längst nicht mehr ausschließlich um das iranische Atomprogramm oder militärische Einrichtungen innerhalb Irans. Teheran droht ausdrücklich damit, zivile Infrastruktur seiner Nachbarn in den Konflikt hineinzuziehen.

Gleichzeitig stellen einflussreiche Hardliner die bisherige offizielle Ablehnung von Atomwaffen infrage.

Die Islamische Republik versucht damit, ihre Gegner durch die Aussicht auf einen regionalen Wirtschaftsschock und eine mögliche nukleare Eskalation abzuschrecken. Ob diese Drohungen weitere Angriffe verhindern oder eine gefährlichere Konfrontation auslösen, bleibt offen.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 25. Oktober 2026

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