13,1 Millionen Barrel trotz Iran: Teherans Druckmittel in Hormus verliert Wirkung
Noch im Frühjahr brach der Ölverkehr durch die Straße von Hormus dramatisch ein. Jetzt fließen nach Daten des Tankerbeobachters Kpler wieder fast 80 Prozent der Vorkriegsmenge durch die Meerenge. Gleichzeitig erreichen die gesamten Rohölexporte des Nahen Ostens nahezu ihr früheres Niveau.

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Sieben Monate nachdem Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen massiv störte, verändert sich die Lage an einer der wichtigsten Energierouten der Welt deutlich. Nach aktuellen Daten des Schiffsbeobachtungsunternehmens Kpler passierten in der vergangenen Woche durchschnittlich 13,1 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte pro Tag die Meerenge zwischen Iran und OmanStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen.
Vor Beginn des Krieges waren es nach denselben Vergleichsdaten rund 17,1 Millionen Barrel täglich. Damit hat sich der Durchsatz auf etwa 77 Prozent des damaligen Niveaus erholt.
Noch deutlicher fällt die Entwicklung aus, wenn nicht nur Hormus betrachtet wird. JPMorgan beziffert die Rohölexporte aus dem Nahen Osten inzwischen auf 17,5 Millionen Barrel pro Tag. Das entspricht rund 98 Prozent der Menge vor Kriegsbeginn.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass die Golfstaaten inzwischen nicht mehr ausschließlich von einer einzigen Route abhängig sind. Neben dem wieder zunehmenden Verkehr durch Hormus nutzen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate Pipelines, alternative Häfen und Umladungen auf See. Nach Berechnungen von JPMorgan werden inzwischen etwa 40 Prozent der Exporte über Routen abgewickelt, die Hormus umgehen. Vor dem Krieg lag dieser Anteil bei etwa 17 Prozent.
Damit funktioniert die Strategie, den Ausfall der Meerenge zumindest teilweise technisch und logistisch zu kompensieren, erheblich besser als noch vor wenigen Monaten.
Für Iran entsteht daraus ein strategisches Problem. Teherans Fähigkeit, den Verkehr durch Hormus zu bedrohen, bedeutete bislang nicht nur militärischen Einfluss. Sie gab dem Regime ein wirtschaftliches Druckmittel gegenüber den USA, den Golfstaaten, Europa und asiatischen Energieimporteuren.
Je weniger die internationale Ölversorgung davon abhängt, dass Iran die Meerenge ungestört passieren lässt, desto kleiner wird dieser Hebel.
US-Marine hält die Route offen
Die Erholung ist allerdings kein Zeichen dafür, dass die Straße von Hormus wieder zu einer gewöhnlichen Handelsroute geworden ist.
Ein erheblicher Teil des Verkehrs wird inzwischen durch amerikanische Militärpräsenz ermöglicht. Handelsschiffe fahren in gesicherten Gruppen oder unter Begleitung der US-Marine durch besonders gefährdete Abschnitte. Andere Tanker nutzen zeitweise deaktivierte Ortungssysteme oder komplexere Routen, um iranischen Angriffen auszuweichen.
CNN berichtete unter Berufung auf Kpler, dass die amerikanische Marine inzwischen einen wesentlichen Anteil daran habe, dass wieder deutlich größere Mengen Öl die Meerenge passieren können.
Der frühere NATO-Oberbefehlshaber James Stavridis bezeichnete die Entwicklung als erheblichen Erfolg der amerikanischen Sicherungsmaßnahmen. Gleichzeitig warnte er davor, die iranische Fähigkeit zur Störung der Schifffahrt bereits abzuschreiben.
Iran müsse die Meerenge nicht vollständig verminen oder physisch schließen, um Wirkung zu erzielen. Schon einzelne Drohnen- oder Raketenangriffe auf Handelsschiffe könnten große Reedereien dazu bringen, die Route erneut zu meiden.
Genau das zeigte sich in den vergangenen Monaten.
Nach Beginn des Krieges sank der Ölverkehr durch Hormus im zweiten Quartal 2026 nach Angaben der amerikanischen Energiebehörde EIA auf durchschnittlich nur noch 4,9 Millionen Barrel täglich. Im vierten Quartal 2025 waren es noch 21,6 Millionen gewesen.
Die Erholung auf inzwischen 13,1 Millionen Barrel zeigt deshalb, wie stark sich die Situation verändert hat, aber auch, dass das frühere Niveau noch nicht vollständig erreicht ist.
haOlam berichtete Anfang September bereits über erste Hinweise auf diesen Wandel. Damals eskortierten amerikanische Streitkräfte innerhalb eines Tages rund 40 Handelsschiffe mit insgesamt etwa 18 Millionen Barrel Öl durch die Meerenge. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde deutlich, dass Irans Fähigkeit zur vollständigen Blockade nicht mehr der Situation vom Frühjahr entsprach.
Wenige Tage später reagierte Teheran erneut mit Angriffen auf Schiffe und versuchte, den Druck auf die amerikanischen Sicherungsmaßnahmen zu erhöhen. Seit Beginn der Auseinandersetzung wurden nach internationalen Berichten Dutzende Angriffe auf Schiffe im Persischen Golf, in der Straße von Hormus und im Golf von Oman registriert.
Der aktuelle Datenstand zeigt jedoch, dass diese Angriffe den Ölfluss bislang nicht erneut auf das frühere Krisenniveau drücken konnten.
Irans eigene Tanker sitzen fest
Während immer mehr Öl aus den Golfstaaten wieder den Weltmarkt erreicht, verschärfen sich gleichzeitig die Probleme der iranischen Ölflotte.
Das Wall Street Journal berichtet über rund 20 iranische oder mit Iran verbundene Tanker, die vor Sri Lanka und Malaysia festsitzen. Viele dieser Schiffe waren zuvor Teil jenes Netzes, mit dem Teheran amerikanische Sanktionen umging und Öl vor allem nach China exportierte.
Nach Angaben des amerikanischen Iran-Beobachters United Against Nuclear Iran liegen allein vor Sri Lanka rund 20 leere Tanker unter iranischer Flagge.
Ein Teil dieser Schiffe kann derzeit nicht zu iranischen Häfen zurückkehren. Gleichzeitig wächst der Druck auf Häfen und Versorgungsunternehmen in Asien, iranische oder sanktionierte Schiffe weder mit Treibstoff noch mit Ersatzteilen und anderen Dienstleistungen zu versorgen.
Schifffahrtsagenten berichten nach Angaben des Wall Street Journal inzwischen von Schwierigkeiten, selbst Lebensmittel, Wasser und Treibstoff für die Besatzungen zu beschaffen.
Damit entsteht eine ungewöhnliche Situation.
Iran versucht weiterhin, den internationalen Verkehr durch Hormus unter Druck zu setzen. Gleichzeitig wird die Bewegungsfreiheit seiner eigenen Schiffe immer stärker eingeschränkt.
Die USA setzen dabei nicht nur auf militärische Sicherung der internationalen Handelsroute, sondern parallel auf Sanktionen und wirtschaftlichen Druck gegen Irans eigene Ölflotte.
Das Ergebnis ist asymmetrisch: Öl aus Saudi-Arabien, den Emiraten und anderen Golfstaaten erreicht wieder in großen Mengen den Weltmarkt, während Irans eigene Exportmöglichkeiten begrenzt bleiben.
Von einer Normalisierung des Energiemarktes kann dennoch keine Rede sein.
Der Preis für Brent-Rohöl liegt weiterhin um die Marke von 100 Dollar pro Barrel und damit deutlich höher als vor dem Krieg. Am Donnerstag stieg Brent erneut über 101 Dollar. Neben dem Iran-Konflikt belasten beschädigte Infrastruktur, hohe Transportkosten, geringe Treibstoffbestände und neue Angebotsprobleme den Markt.
Besonders teuer ist der Transport geworden. Tankerfahrten und Umladungen auf See kosten ein Vielfaches früherer Preise. Reuters berichtete zuletzt von Frachtkosten von teilweise mehr als 30 Dollar pro Barrel bei den aufwendigen Umgehungsmodellen.
Auch raffinierte Produkte wie Diesel und Kerosin erreichen noch längst nicht wieder das frühere Exportniveau. JPMorgan beziffert die Ausfuhr von Ölprodukten aus der Region auf nur rund 58 Prozent der Vorkriegsmenge.
Die wichtigste Entwicklung betrifft deshalb nicht den Ölpreis von heute.
Sie betrifft Irans Fähigkeit, ihn morgen durch die Kontrolle einer einzigen Wasserstraße in die Höhe zu treiben.
Die Straße von Hormus bleibt eines der empfindlichsten Nadelöhre der Weltwirtschaft. Nach Daten der US-Energiebehörde liefen dort vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Verbrauchs flüssiger Erdölprodukte entlang.
Doch die vergangenen Monate haben die Golfstaaten und die USA zu Lösungen gezwungen, die zuvor nur begrenzt genutzt wurden: Militärkonvois, alternative Pipelines, Umladungen auf See und andere Exporthäfen.
Je besser diese Systeme funktionieren, desto schwieriger wird es für Teheran, die Weltwirtschaft allein mit der Drohung einer Blockade unter Druck zu setzen.
Iran besitzt weiterhin Raketen, Drohnen und die Fähigkeit, einzelne Schiffe anzugreifen. Das Risiko für Hormus ist deshalb keineswegs verschwunden.
Aber die aktuellen Tankerdaten zeigen etwas, das noch vor wenigen Monaten kaum vorstellbar schien: Der Ölfluss nähert sich trotz der iranischen Bedrohung wieder seinem früheren Umfang.
Das verändert das Kräfteverhältnis an der wichtigsten Wasserstraße des Persischen Golfs erheblich.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 2. Oktober 2026