Pro-Israel am Kottbusser Tor: 37-Jähriger mit Cuttermesser verletzt

Pro-Israel am Kottbusser Tor: 37-Jähriger mit Cuttermesser verletzt


Ein Gespräch auf einem Berliner U-Bahnsteig endet mit einer Schnittverletzung. Nach Angaben der Polizei soll der Angriff unmittelbar erfolgt sein, nachdem der 37-Jährige erklärt hatte, pro-israelisch eingestellt zu sein. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

Pro-Israel am Kottbusser Tor: 37-Jähriger mit Cuttermesser verletzt
Bildnachweis: Leonhard Lenz

Es braucht offenbar nicht einmal eine Demonstration, eine IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen-Flagge oder eine politische Veranstaltung.

Am Samstagmorgen gegen 8.30 Uhr kam ein 37-jähriger Mann auf dem Bahnsteig der U8 am Berliner U-Bahnhof Kottbusser Tor mit einem 39-Jährigen ins Gespräch. Im Verlauf dieser Unterhaltung soll der 37-Jährige erklärt haben, pro-israelisch eingestellt zu sein.

Was danach geschah, beschreibt die Berliner Polizei bemerkenswert knapp: Daraufhin soll der andere Mann ihn mit einem Cuttermesser am Arm verletzt haben.

Rettungskräfte versorgten den Verletzten noch am Ort. Die Polizei nahm den 39-jährigen Tatverdächtigen zunächst fest, brachte ihn zur Feststellung seiner Identität in ein Polizeigewahrsam und entließ ihn anschließend wieder.

Die Ermittlungen sind damit keineswegs beendet. Im Gegenteil: Sie liegen inzwischen beim Polizeilichen Staatsschutz des Landeskriminalamts. Genau dort werden Straftaten untersucht, bei denen ein politischer Hintergrund im Raum steht.

Noch ist nicht abschließend geklärt, welches Motiv der mutmaßliche Angreifer hatte. Die Polizei veröffentlicht bislang weder Angaben zu seiner Herkunft noch zu politischen oder religiösen Einstellungen. Auch weitere Äußerungen aus dem Gespräch wurden bislang nicht bekannt.

Deshalb wäre es voreilig, aus dem Fall mehr zu machen, als bislang belegt ist.

Aber ebenso falsch wäre es, den entscheidenden Zusammenhang kleinzureden.

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand fiel zunächst die Aussage, pro-israelisch eingestellt zu sein. Daraufhin, so formuliert es ausdrücklich die Polizei, soll der Angriff mit dem Cuttermesser erfolgt sein. Die Jüdische Allgemeine spricht deshalb von einem Angriff „offenbar aus IsraelhassAnti-Zionismus: Wenn Israelhass als Politik getarnt wirdAnti-Zionismus bezeichnet die Ablehnung des Zionismus und damit häufig die Ablehnung jüdischer Selbstbestimmung im Staat Israel. Nicht jede Kritik an israelischer Politik ist antisemitisch. Anti-Zionismus wird jedoch dort antisemitisch, wo Israel delegitimiert, dämonisiert oder mit doppelten Maßstäben behandelt wird.Mehr lesen“.

Wenn schon eine pro-israelische Haltung zum Risiko wird

Gerade dieser Ablauf macht den Fall so beunruhigend.

Der 37-Jährige soll niemanden angegriffen, bedroht oder provoziert haben. Nach allem, was bislang öffentlich bekannt ist, äußerte er eine politische Haltung: Er sei pro-israelisch eingestellt.

Wenige Augenblicke später soll er wegen genau dieser Äußerung am Arm verletzt worden sein.

Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob der Mann Jude ist oder nicht. Bekannt ist das nicht. Der Vorgang zeigt vielmehr etwas anderes: Israelhass kann sich auch gegen Menschen richten, die lediglich Solidarität mit Israel äußern oder sich öffentlich auf dessen Seite stellen.

Das ist eine Grenze, die längst nichts mehr mit einer harten politischen Debatte über die israelische Regierung oder den Krieg in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen zu tun hätte.

Wer auf eine politische Haltung mit einem Cuttermesser reagiert, führt keine Debatte.

Er greift einen Menschen an.

Gerade deshalb ist es richtig, dass nicht lediglich wegen einer gewöhnlichen Körperverletzung ermittelt wird, sondern der Staatsschutz den Fall übernommen hat. Ob sich der vermutete politische Zusammenhang bestätigt und wie die Tat anschließend eingeordnet wird, müssen die Ermittlungen zeigen.

Bis dahin sollte man weder Motive erfinden noch den Tatverdächtigen mit Eigenschaften versehen, die die Polizei nicht veröffentlicht hat.

Der bisher bestätigte Ablauf ist drastisch genug.

Ein Mann äußert sich an einem Berliner U-Bahnhof pro-israelisch.

Der Mann, mit dem er spricht, soll daraufhin ein Cuttermesser einsetzen.

Mitten in Berlin.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Montag, 24. August 2026

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